Dr. Marc Faber

Dr. Marc Faber

Dr. Marc Faber, Jahrgang 1946, auch unter dem Namen „Dr. Doom“ bekannt, ist ein Schweizer Volkswirtschafter und Betriebswirtschafter sowie Unternehmer, der sich in den letzten 40 Jahren intensiv mit den Finanzmärkten auseinandergesetzt und in den Medien, an Kongressen aber auch an Hochschulen auf der ganzen Welt ein gerne gesehener und kritischer Gast ist. Seine Gabe, Krisen und Probleme, aber auch Chancen vorherzusehen, hat ihn weltweit sehr bekannt gemacht. 1990 gründete Dr. Marc Faber die Investmentgesellschaft Marc Faber Ltd. mit Sitz in Hongkong. Mit seinen „Gloom, Boom and Doom- Reports“ (GBD Reports, www.gloomboomdoom.com) erreicht er heute Zehntausende interessierte und mit Finanzfragen beschäftigte Menschen rund um dem Globus. Dr. Marc Faber lebt seit 40 Jahren in Asien und spricht im Interview mit Christian Dueblin über Herausforderungen in der Politik und Wirtschaft. Er geht auf Fragen zur Wahl von Präsident Trump ein und zeigt auf, wie man sich auf dieser Welt, in der viele falsche und unvollständige Informationen kursieren, richtig informieren kann. Dr. Marc Faber nimmt zur Frage Stellung, wie sich die USA, Europa, aber auch Asien und die arabische Welt in den nächsten 10 bis 20 Jahren entwickeln werden, was diesen Regionen bevorsteht und an was sie möglicherweise scheitern werden. Er zeichnet aufgrund der Tatsache, dass viele Probleme lediglich aufgeschoben und nicht gelöst werden ein düsteres Bild, das zum denken anregen sollte.

Xecutives.net: Sehr geehrter Herr Faber, Sie sind seit vielen Jahren im Geschäft und weltweit ein geschätzter Interviewpartner mit einer eigenen Meinung, die vom Mainstream oft abweicht. In einer Welt, in der Fake News und irreführende Nachrichtenoffenbar gang und gäbe sind, und es somit gar nicht so einfach ist, sich ein objektives Bild machen zu können, möchte ich Sie fragen, wie Sie sich selber informieren. Wo holen Sie sich Ihre Informationen, um sich eine Meinung über wirtschaftliche und politische Themen bilden zu können?

Dr. Marc Faber: Ich lese sehr viel. Mir ist dabei klar, dass das, was von den USA publiziert wird, oft nicht der Wahrheit entspricht. Diese Informationen darf man nicht als die Bibel, also die Wahrheit, betrachten. Den Standpunkt, den die USA vertreten, ohne jegliche Rücksicht auf die Perspektiven von anderen Ländern, ohne Rücksicht auf die Lebensweise der Menschen in anderen Ländern, ohne Rücksicht auf geopolitische Umstände und Geschehnisse, muss uns zu denken geben. China und Russland bspw. sehen ihre Welt aus einer ganz anderen Optik, mit einem ganz anderen geschichtlichen Hintergrund. Kim Jong-un nennt man in den USA abschätzig einen Verrückten, den «Raketenmann». Dabei vertritt er lediglich ein Selbstinteresse, so wie das andere Machthaber auf der Welt auch tun, so auch Sie und ich und die Amerikaner. Sie müssen also sehr viel lesen, damit Sie ungefähr informiert sind und zur objektiven Wahrheit gelangen. Was man liest, interpretiert man zudem oft falsch. Wenn Sie viel lesen und viel reisen, nicht nur ein Mal in ein Land und wieder zurück ferienhalber, sondern regelmässig Länder besuchen und aufmerksam ist, kann man zu wichtigen Informationen gelangen. Wenn einer die Entwicklung der vielen Länder beobachtet, die er wie ich in den letzten 30 bis 40 Jahren besucht hat, dann hat er sicher ein besseres Weltbild, als es der amerikanische Präsident hat, der völlig ignorant und arrogant daherkommt.

Xecutives.net: Sie selber hätten Trump aber auch gewählt, da Sie auf keinen Fall Hillary Clinton wählen wollten. Immerhin ist nun aber ein Unternehmer, oder besser gesagt ein Geschäftsmann, am Drücker, was der ganzen politischen Berufs- und Beamtengemeinschaft, mit der viele Länder konfrontiert sind, doch auch gut ansteht!?

Dr. Marc Faber: Das ist richtig. Im Gegensatz zu anderen Politikern, die in den letzten Jahren eine dominante Rolle innehatten, muss man Herrn Trump aufgrund seiner wirtschaftlichen Erfahrungen, und im Gegensatz zu vielen anderen Politikern, sicher als besser oder gar als gut bezeichnen. Sie sagen es richtig, er ist ein Geschäftsmann, von Diplomatie aber versteht er nicht so viel. Ich gestehe das gerne ein, dass er ein Geschäftsmann ist. Seit er Präsident ist, hat man Bestimmungen, die die Wirtschaft und das Geschäft gehemmt haben, reduziert. Diese positive Entwicklung muss man Trump sicher lassen. Die Stimmung in der Wirtschaft ist darum auch besser geworden und die Börsenkurse sind gestiegen. Ich hatte damals gesagt, dass wenn Trump Präsident würde, die Börse steigen werde. Er bringt einen gewissen Schwung in die Unternehmenswelt.

Ich denke, dass er international gesehen besser ist als Hillary Clinton. Aber die Amerikaner verhalten sich oft, wie die Elefanten im Porzellanladen. Sie verstehen die Welt nicht, weil sie nie gereist sind. Sie haben keine Geschichte und keine Geografie studiert. Mit Ausnahme von einigen Akademikern und einigen gebildeten Menschenwissen die meisten Amerikaner rein gar nichts über die Geschehnisse auf der Welt ausserhalb der USA.

Xecutives.net: Das ist ein deutliches Statement! Ich kenne aber durchaus einige sehr intelligente Menschen in den USA, die sich gut informieren und viel gereist sind.

Dr. Marc Faber: Das mag sein, ändert aber im Grossen und Ganzen nichts daran, dass die meisten Menschen in den USA relativ wenig wissen. Das ist eine Tatsache und erklärt viele Vorkommnisse, mit denen es die USA zu tun haben. Der typische Amerikaner ist nicht derjenige, der viel studiert und reist. Der typische Amerikaner weiss relativ wenig.

Xecutives.net: Ein Kollege meinte vor wenigen Tagen, dass der eben erfolgte Börsencrash eine manipulierte Angelegenheit gewesen sei. Es sei versucht worden, auf die Aktienkurse, so auch auf den Bitcoin, negativ einzuwirken, um daraus dann später Profit schlagen zu können. Was halten Sie von solchen Spekulationen?

Dr. Marc Faber: Es ist alles möglich und ich bin überzeugt, dass in den Finanzmärkten viel manipuliert wird. Immerhin haben auch die Nationalbanken die Zinsen und Währungen manipuliert. Die Preise der Kryptowährungen werden ziemlich sicher auch manipuliert, in welchem Mass kann ich aber nicht sagen. In zwei Jahren ist der S&P 500von 1810 im Februar 2016 auf 2872 im Januar 2018(26. Januar 2018) gestiegen. Am 6. März 2009 war er noch auf 666. Das ist ein starker Anstieg. Der Markt war im Januar 2018 überbewertet gewesen, weit über die Trendlinie hinausschiessend. Eine Korrektur war deshalb absehbar und normal.

Die Bewertungen an der Börse sind jedoch im Allgemeinen nicht tief, wie man das oft zu hören bekommt. Sie sind zwar tiefer in Europa und in den Schwellenländern. Aber sie sind allgemein viel höher als noch im März 2009 und schon gar nicht so tief, wie bspw. im Jahr 1982. Ich weiss nicht, was der Wert der Kryptowährungen mal sein wird. Es gibt schon heute gegen 2000 verschiedene Kryptowährungen auf der Welt. Ob die alle etwas wert sind, weiss ich nicht. Diese Währungen sind sehr stark gestiegen und haben nun eine Korrektur erfahren. Als der Bitcoin über 19’000 Dollar wert war, war das hoch, aber ob das schon alles ist, kann wohl niemand sagen.

Xecutives.net: Herr Faber, Sie sind in der Schweiz aufgewachsen. Sie haben engen Kontakt zur Schweiz, obwohl sie seit vielen Jahrzehnten in Thailand leben. Trump war eben am WEF und hat hier in der Schweiz Auskunft erteilt und eine Rede gehalten, die man verschieden deuten kann. Was würden Sie der Schweiz, einem kleinen Land inmitten von Europa, empfehlen? Wir haben Probleme mit den USA, mit der EU, mit der Groko in Deutschland, mit Herrn Junker von der EU schon fast persönlich. Was soll die Schweiz in dieser Situation tun?

Dr. Marc Faber: Wir Eidgenossen, ich bin mütterlicherseits ein Unterwaldner, ein Nachfahre aus einem der drei Gründerkantone der Schweiz. Wir sprechen von 1291. Seither haben wir uns in der Schweiz immer für unsere Unabhängigkeit und Freiheit eingesetzt, vehement. Wir Eidgenossen sind im Kampf dafür auch gestorben. Unsere Vorfahren haben für ihre Unabhängigkeit ihre Leben geopfert. Wir Schweizer sollten deshalb gegenüber der EU und den USA viel härter auftreten. Wir Schweizer sollten uns vor Menschen, die nichtwissend sind, hüten und wir sollten uns benehmen, wie damals gegen die Gesslers und die anderen Landvögte, die bei uns Steuern eintreiben wollten, damals noch lediglich 10 %. Heute sprechen wir von viel höheren Steuern, die wir entrichten müssen (lacht)! Ich denke, dass wir gesellschaftlich und wirtschaftlich weiter wären, wenn wir härter auftreten würden mit unserer Aussenpolitik. Wir müssten dafür aber sicher etwas eigennütziger und eigensinniger sein, als dass wir das zurzeit sind.

Xecutives.net: Dasselbe würden Sie auch den Engländern sagen, die den Weg des Brexits gehen wollen?

Dr. Marc Faber: Ja, das habe ich auch gemacht. Ich war immer ein Befürworter des Brexits. Ich bin für gewisse Aspekte der EU, für die meisten jedoch nicht.

Xecutives.net: Für welche Aspekte sind Sie dafür?

Dr. Marc Faber: Die gemeinsame Währung hat sicher gewisse Vorteile, das streite ich nicht ab. Auch gewisse offene Grenzen, der offene Güter- und Warenverkehr und Offenheit in Bezug auf den Dienstleistungsbetrieb sind vorteilhaft für alle. Dass sich die EU aber immer in unsere Angelegenheiten einmischen muss, sehe ich nicht ein. Ich bin vollkommen gegen solche äusseren Einflüsse. Die Schweiz ist ein Land, das relativ gut funktioniert. Ich sage relativ, weil nicht alles perfekt ist. Darum sollten wir uns nicht dreinreden lassen von Leuten, die aus Ländern kommen, die in katastrophalem Zustand sind, wirtschaftlich völlig abfallen und auch sonst grosse Schwierigkeiten haben.

Xecutives.net: Wir stehen heute wieder an einem Ort, wo der Normalbürger nicht so gut einschätzen kann, was noch passieren wird, wie das wohl immer der Fall war, wenn man mit älteren Menschen spricht. Es gab Kriege, die Ölkrise und viele andere Momente, die zu Unsicherheiten und Änderungen in unserem Leben geführt haben. Heute könnte es sein, dass wir wieder an einem Wendepunkt stehen, grad wenn man die Politik von Trump beobachtet, aber auch den technischen Fortschritt, so auch die Kryptowährungen und die Blockchain-Entwicklungen ganz generell. Dazu kommen viele ungelöste soziale und geopolitische Probleme. Was passiert Ihres Erachtens zurzeit auf dieser Welt?

Dr. Marc Faber: Was passieren wird in der Zukunft, ist immer gleich unsicher. Die Erkenntnisse des einzelnen Bürgers in Bezug auf die Zukunft verändern sich. Es gibt Zeitabschnitte, wo Menschen mehr optimistisch sind, oder eben mehr pessimistisch. Heute sind sie wohl tatsächlich besorgt und eher pessimistisch. Ich spreche von Menschen, die heute relativ gut informiert sind oder sein können. Sie können bspw. lesen, wie viel uns die Staatsausgaben und Sozialabgaben kosten. Diese Zahlen findet man, wenn man sich informieren will und sie sagen schon sehr viel aus über das, was zurzeit passiert. Die Leute sehen die vielen Flüchtlinge überall und fragen sich, was diese hier machen und wohl noch kosten werden. Wer zahlt denn das alles am Schluss, denken sich die Leute? Leute, die eine Pension erhalten werden, sind besorgt, ob sie ihre Pension wirklich im gleichen Mass erhalten werden, wie sie es versprochen bekommen haben von den Pensionskassen und der Politik. Aber die Pensionskassen werden zu wenig Geld haben, um ihre Versprechen auch wirklich einhalten zu können. Somit wird es so sein, dass in Zukunft die sozialen Leistungen im Grossen und Ganzen gekürzt werden oder es werden die Jungen, die arbeiten, mehr bezahlen müssen. Man kann sich das an zwei Fingern abzählen. Das wird den Jungen, die arbeiten, nicht so sehr gefallen. Es wird ihnen auch nicht gefallen, dass Menschen bspw. in die Schweiz kommen, grosse Zulagen erhalten und nicht arbeiten, somit nicht selber zum Wohlergeben des Landes beitragen.

Xecutives.net: Das ist in allen Ländern so, auch in Deutschland, wo diese Diskussion noch heftiger geführt wird als in der Schweiz…

Dr. Marc Faber: Genau. Ich würde alle Leute, die nichts tun oder nichts tun wollen deshalb nicht in solche Länder reinlassen. Diese Menschen kommen in ein anderes Land, dann müssen Sie sich den Gegebenheiten dieses neuen Landes anpassen, anpacken und arbeiten, oder eben nicht kommen.

Xecutives.net: Herr Trump ist mit neuen Ideen, mit viel Interventionismus, unterwegs und wir wissen nicht, mit was wir noch überrascht werden, sowohl positiver als auch negativer Natur. China dagegen scheint das viel filigraner und geplanter, berechenbarer, zu machen. Dann ist da noch Russland, wo man offenbar nicht weiss, ob es das Land schaffen wird und schliesslich sind da auch noch die arabischen Staaten auf der geopolitischen Landkarte, die sich noch mit Demokratie auseinandersetzen werden müssen, ob sie das wollen oder nicht. Was werden die nächsten zehn Jahre Ihres Erachtens in Bezug auf diese Regionen bringen?

Dr. Marc Faber: Schauen Sie, das ist mehr als klar. Seit ich seit 1973 in Asien lebe, haben sich China und viele andere asiatische Länderunglaublich entwickelt. Sie haben sich zu einem Wirtschaftsblock entwickelt. China war mal unbedeutend – das noch im Jahr 1970, sogar noch im Jahr 1990. Heute, nur wenige Jahre später ist das Land der grösste Industrieproduzent weltweit. Sie müssen sich aber nicht vorstellen, dass China nur ein Land ist, in dem alle in Fabriken arbeiten und dort etwas zusammenschrauben. Das ist ein völlig falsches Bild. Sie haben heute in China mehr Bewerbungen für Patente als in den USA und in Europa. Sie haben dort moderne Technologien und Brands, die wesentlich grösser sind als wir sie in den USA und in Europa kennen.

Xecutives.net: Sie sind also, was China anbelangt, zuversichtlich und können sich vorstellen, dass diese Nation ihren guten Weg gehen wird, wie auch andere asiatische Länder. Was aber wird gleichzeitig mit den USA passieren in den nächsten 10 bis 20 Jahren?

Dr. Marc Faber: Was genau passieren wird, wissen wir nicht. Ich habe den Eindruck, dass die Finanzpolitik der westlichen Länder, ganz allgemein die Geldpolitik, wo im grossen Stil Geld gedruckt wird, langfristig sehr schlecht und miserabel enden wird. Ich sage betont «miserabel». Den Zeitpunkt dieses miserablen Endes kann ich Ihnen nicht sagen. Ich kann Ihnen auch nicht sagen, was man dagegen tun kann, ob man bspw. am besten mit Bargeld hantieren, ob man Aktien oder Edelmetalle kaufen soll. Ich würde die Vermögenswerte auf alle Fälle diversifizieren. Aber das ganze System von Interventionen, das wir erlebt haben, läuft grundsätzlich darauf hinaus, dass man Probleme nicht löst, sondern sie in die Zukunft auf die nächste Genration verschiebt. Die Jungen werden das, wie bereits gesagt, nicht schätzen.

Schauen Sie, meine Grosseltern, die um 1900 gelebt haben, hatten grade den Ersten Weltkrieg erlebt, als es in Deutschland zur einer Hyperinflation kam. Dann kam die grosse weltweite Depression, gefolgt vom Zweiten Weltkrieg. In der Schweiz, die nicht voll vom Krieg betroffen war, kam es zu Rationalisierungen der Lebensmittel. Alle zwei Wochen bekam man ein Ei. Das sind Zustände, die sich junge Menschen gar nicht vorstellen können! Sie denken einfach, dass wenn es schlechter läuft, dann halt der Staat zahlen werde. Ja, aber wer bezahlt den Staat? Das wird bitter enden. Ich weiss aber den Zeitpunkt nicht.

Wir haben eine Hegemonie der westlichen Welt hinter uns, seit ca. 1750, bis um rund 2000. Nun sind in den letzten 20 bis 30 Jahren alle Schwellenländer enorm schnell gewachsen, viel schneller als die Wirtschaft in unseren Ländern gewachsen ist. In Bezug auf den Reichtum auf der ganzen Welt ist der Westen enorm geschrumpft, wogegen diese anderen Länder enorm zugelegt haben. Das ist gewaltig! Das ist der Anfang des Untergangs des Abendlandes.

Xecutives.net: Das tönt fast schon, wie der Untergang des römischen Reiches, über den wir heute ja viel wissen, eine Wirtschaftsmacht, die unter viel Dekadenz litt und schliesslich von der Landkarte verschwand.

Dr. Marc Faber: Natürlich, so war das, und heute geht das ganz ähnlich. Diese Prozesse gingen damals im alten Rom Hunderte von Jahren. Der Unterschied ist, dass die Veränderungen heute auf der Welt mit einer viel höheren Geschwindigkeit von sich gehen als das bei den alten Römern der Fall war. Die Transportvernetzung ist ganz anderer Natur und das Übermitteln von Nachrichten geht heute viel schneller. Was früher 200 oder 300 Jahre gedauert hat, kann heute auf unserer Welt in 20 oder 30 Jahren passieren. Als ich 1973 nach Asien ging, waren dort alle sehr arm. Das Land war ein Schwellenland. Ich war Asien aber schon damals positiv gegenüber eingestellt. Aber die Entwicklung dieser Region, dieser Länder, hat sogar meine kühnsten Vorstellungen übertroffen und mich unglaublich überrascht. Die Akkumulation von Reichtümern ist unglaublich. In 30 Jahren wird diese Welt vollkommen anders aussehen als sie heute aussieht.

Xecutives.net: Was meinen Sie zu den arabischen Staaten, die auch versuchen, vorwärtszukommen? Ein Wirtschaftsführer meinte kürzlich in einem Gespräch, er gäbe diesen Staaten noch 10 bis 20 Jahre, dann würde dort alles kippen. Länger seien diese Länder nicht überlebensfähig, es würde aufgrund der Tatsache, dass wenige viel besitzen und viele wenig zu Revolutionen kommen. Die Demokratiedefizite seien nicht haltbar.

Dr. Marc Faber: Es herrscht in der westlichen Welt eine Arroganz, die sagt, dass Demokratie das beste System sei. Möglicherweise ist dem so, möglicherweise aber auch nicht. Niemand kann mir erzählen, dass es in den letzten 5000 Jahren der Geschichte der Menschheit Demokratien gegeben hat. Was wir heute haben und so nennen ist noch keine 50 Jahre alt! Ich habe über die Wirtschaftsgeschichte Englands im 19. Jahrhundert geschrieben und michintensiv mit vielen wirtschaftlichen und sozialen Fragen auseinandersetzt. Damals hatten nicht alle wählen können, nur Leute, die Steuern bezahlt haben. Frauen konnten gar nicht wählen. In den USA konnten bis noch vor kurzem die Schwarzen und die Frauen nicht wählen, letztere auch in der Schweiz nicht. Dass heute alle wählen können, ist nach wie vor als ein Experiment zu betrachten und ob das gut rauskommt, wie die Medien und Journalisten das meinen, wird sich noch zeigen. Ich selber denke, dass das alles in einer Katastrophe enden wird.

Es wird sicher Änderungen geben. Die USA haben grosse Erfahrungen im Destabilisieren von Ländern. Sie werden das weiterhin tun. Die USA machten das in Afghanistan, Irak, Syrien und in Libyen. Sie werden das auch in anderen Ländern weiter betreiben und ihre Interessen schützen. In Bezug auf die arabische Welt stehen die Saudis und der Iran heute im Fokus. Dort sucht man offenbar den Krieg. Nur haben die Iraner auch Verbündete, nämlich die Chinesen und die Russen. Diese Vorgehensweise der Amerikaner wird sich auf die USA wohl eher schlecht als gut auswirken.

Xecutives.net: Sie haben Russland erwähnt. Was wird dort passieren? Für uns erscheint das Land etwas düster, eine Art Drama für den Normalbürger dort.

Dr. Marc Faber: Was meinen Sie mit Drama genau?

Xecutives.net: Das Bild, das wir von Russland haben, auch über die Medien, vermittelt eine eher düstere gesellschaftliche Entwicklung. Zuerst die Oktoberrevolution mit Millionen von Opfern, Zerfall der Sowjetunion, heute viele Oligarchen, Demokratiedefizite, möglicherweise die Einmischung in die Wahlen in den USA, geopolitische Machkämpfe…

Dr. Marc Faber: Wissen Sie, die westlichen Medien haben dieses Bild von Russland in den letzten hundert Jahren propagiert. Ich gebe zu, dass ich, nachdem ich 1968 in die Tschechoslowakei ging und 1980 Russland besucht hatte, Länder, denen es unter den Kommunisten mit einem grossen Staatsapparat grauenhaft ergangen ist, auch nicht begeistert war. Die Sozialisten in der Schweiz wollen aber genau dieses System einführen. Es sollen doch alle Menschen «gleichgemacht» werden. Den Reichen will man den Reichtum wegnehmen und der Staat kommt für die sozialen Kosten auf. Der Staat soll grösser werden, wie in anderen Ländern in Europa. Der staatliche Anteil des Bruttosozialproduktes beträgt in vielen Ländern ja heute schon 50%! Am Schluss hat der Staat 100% Anteil am Bruttosozialprodukt, wie das der Fall war im Kommunismus in China, Vietnam, Russland und in allen osteuropäischen Staaten. Daher muss ich Ihnen aus dieser Sichtweise sagen, dass es doch heute schon wesentlich besser ausschaut als damals. Aber wesentlich besser!

Man darf einfach nicht alles glauben, was die westlichen Medien publizieren. Wenn auf der Welt etwas schlecht geht, ist Putin schuld. Trump wurde gewählt und Putin ist schuld! Das bekommen wir heute von den Medien zu hören. Auch Kim Jong-un und die Chinesen sind schuld und werden verantwortlich gemacht für alles Böse dieser Welt. Und nur die USA mit ihrem excepcionalism-Anspruch, machen gute Sachen auf der Welt.

Xecutives.net: Wir wären damit wieder bei meiner Einstiegsfrage. Wie kann man sich richtig informieren und sich ein objektives Bild von dieser Welt machen, auch jüngere Menschen, die noch wenig Erfahrung haben, aber sich informieren möchten?

Dr. Marc Faber: Man muss auf alle Fälle viel lesen. Es gibt viele Websites, die gut sind und von denen man viel erfährt. Viele dieser Websites und Medien entsprechen nicht dem Mainstream, was dazu führt, dass sie in den grossen Medien nicht erwähnt werden und ihre Erkenntnisse somit nicht vor grossem Publikum besprochen werden. Sicher ist aber auch das Reisen eine sehr gute Möglichkeit, sich vor Ort in einem anderen Land, in der Auseinandersetzung mit den Menschen dort, ein eigenes Bild zu machen.

Xecutives.net: Sehr geehrter Herr Dr. Faber, ich bedanke mich herzlich für dieses Gespräch und wünsche Ihnen weiterhin alles Gute!

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