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Prof. Dr. Sita Mazumder im Gespräch mit Chr. Düblin

Prof. Dr. Sita Mazumder Prof. Dr. oec. publ. Sita Mazumder, Jahrgang 1970, ist hauptamtliche Dozentin am Institut für Finanzdienst- leistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern, Wirtschaft (HSLU). Sie gehört mit einem Master of Arts und diversen Studien im Ausland einer neuen Generation von Wissenschaftlerinnen und Unternehmerinnen an, die weltweit vernetzt ist und über den Bildungshorizont der Schweiz hinausschaut. Prof. Dr. Mazumder gründete nach Einsätzen unter anderem für die UBS AG, oprandi & partner sowie die Eidgenössische Bankenkommission die Firma 'purple'. Sie gehört zudem dem Verwaltungsrat der Expect Group an, ist Chief Communication Officer der Quevita AG und Kolumnistin für das Schweizer Fernsehen. Prof. Dr. Mazumder hat sich intensiv mit sozialen Netzwerken und der Rolle der Frau in der Wirtschaftauseinandergesetzt. Sie beantwortet im Gespräch mit Christian Dueblin Fragen zur Geschlechterrolle im Management.

Christian Dueblin: Frau Mazumder, mehr als die Hälfte aller Universitätsabgänger in der Schweiz sind mittlerweile Frauen. Fast die Hälfte der Frauen ist berufstätig. In Top-Managementpositionen sind jedoch nur wenig Frauenvertreten. Die Lohnunterschiede zwischen Frauenund Männern sind bei gleicher Funktion und gleicher Tätigkeit nach wie vor erheblich (vgl. Wanzenried, Gabrielle: Die Rolle der Frau in den Finanzdienst- leistungsindustrien, IFZ 2007). Was machen Frauen falsch? Oder anders gesagt, was machen Männer in der Wirtschaftswelt besser?

Prof. Dr. Sita Mazumder: Es gibt in diesem Zusammenhang drei Stakeholder: Frauen, Männer und der Staat. Alle diese drei Stakeholder machen noch Fehler und ziehen ihre Lehren daraus. Auch Frauenmüssen dazu lernen, insbesondere in Bezug auf die Kommunikation. Frauenartikulieren den Willen, eine Karriere machen zu wollen, oft zu wenig. Männer sind in dieser Beziehung schneller und oft auch lauter. Erfüllt eine Fraubeispielsweise gewisse Kriterien für eine Stelle nicht, so hat sie ihre Defizite vor Augen und zögert. Dem Mann gelingt es besser, diese Defizite wegzustellen und auf seine Stärken aufmerksam zu machen. Frauen können sich oft auch weniger gut verkaufen. Das hat bei Bewerbungsgesprächen Auswirkungen bis hin zur Höhe des Lohnes und der Stellung im Unternehmen.

Ich beobachte auch immer wieder, dass Männer klarere Vorstellungen zu Salär und ihrem Weiterkommen haben. Frauen sind eher bereit, von Anfang an Kompromisse einzugehen. Sie sind beispielsweise nicht so lohnfixiert, wie das bei Männern oft der Fall ist. Bei der Jobsuche sind den Frauen die Rahmenbedingungen, wie die Atmosphäre und die Umgebung, meist ebenso wichtig wie der Lohn, weil sie im Zusammenhang mit der Arbeit andere Wertvorstellungen haben. Männer kann man, stimmen diese Rahmenbedingungen nicht oder nicht mehr, schneller abholen und bei der Stange halten. Man stellt ihnen mehr Lohn oder einen weiteren Karrieresprung in Aussicht und sie bleiben. Bei Frauen funktioniert diese Vorgehensweise schlechter. Sind sie einmal überzeugt, dass die Anstellung nicht mehr ihren Wertvorstellungen entspricht, gehen sie. Natürlich sind das Verallgemeinerungen, von denen es immer Ausnahmen gibt.

Sind Kinder für Frauen ein Karrierekiller?

Sita Mazumder, Gabrielle Wanzenried: Unbeirrt weiblich und erfolgreichEs gibt biologische und soziale Gründe, die zu Unterschieden zwischen Männern und Frauenführen. Männer und Frauensind nicht gleich, und das ist ja auch schön. Aber die Rahmenbedingungen, um Familie und Beruf zu vereinbaren, sind in der Schweiz nach wie vor nicht günstig und bedeuten organisatorische und finanzielle Herausforderungen. Dann gibt es die 'Glasglocken-Problematik', wie ich sie nenne. Frauenwerden ständig beobachtet, wie wenn sie sich in einer Glasglocke befinden würden. Das ist bei Männern viel weniger der Fall. Frauenkönnen keine Kinder haben oder die Kinder mit dem Beruf verbinden oder auch nur Kinder haben, ohne berufstätig zu sein. Die Frauist aber, wofür sie sich auch immer entscheidet, stets Kritik ausgesetzt. Hat sie Kinder und strebt sie gleichzeitig eine Karriere an, wirft man ihr vor, sie würde auf Kosten der Kinder alles unter einen Hut bringen wollen. Widmet sie sich nur den Kindern, muss sie sich anhören, dass ihre Berufsbildung und ihr Studium für nichts gewesen seien. Entscheidet sie sich gegen Kinder und für eine Karriere, betrachtet man sie als kalte Karrierefrau. Egal wie sie sich entscheidet, Kritik ist der Frausicher.

Hat eine Frau Kinder und will nach einer Kinderpause wieder in den Beruf einsteigen, so gestaltet sich auch das schwierig. Wir sprechen von einem typischen Karriereknick. Sie muss mit Lohn- und Hierarchieeinbussen rechnen, und es ist für sie schwierig, wieder dort anzuknüpfen, wo sie vor der Arbeitspause aufgehört hat. Männer haben es in dieser Beziehung leichter.

Frauen scheinen Ihrer Ansicht nach das Umfeld stärker zu gewichten als Männer. Das bestärkt die Aussage gewisser Spezialisten, dass Frauenbessere Führungskräfte seien als Männer, da es ihnen besser gelinge, gute Teams zu bilden. Es gibt Studien, die belegen, dass Frauenfür Unternehmen bessere Renditen erzielen als Männer. Warum sind dann Frauenin der Wirtschaft nicht doch öfter in führenden Positionen anzutreffen?

Will eine Frau Karriere machen, so reichen ihre Wertvorstellungen, die sicherlich zu einer guten Führung beitragen, alleine nicht aus. Frauensind sehr oft beruflich weniger zielorientiert. Bei Männern ist diese Zielorientiertheit sehr ausgeprägt. Oft wissen Männer schon nach ihrem Schul- oder Universitätsabschluss, was sie machen und erreichen wollen. Frauenlassen sich dafür mehr Zeit. Sie sind im Gegensatz zu vielen Männern auch weniger bereit, ihre Wertvorstellungen zu opfern, um ihre Ziele zu erreichen.

Sie sind in Ihrem Leben vielen Power-Frauenbegegnet. Was sind die besonderen Merkmale von Frauen, die es in die Top-Liga schaffen?

Sie sind grundsätzlich mal keine Männer (lacht). Es wäre auch nicht der richtige Weg, wenn sie wie Männer sein wollten. Ein gesundes 'Frausein' ist völlig in Ordnung.

Diese Frauenzeichnet ein grosser Durchhaltewille aus. Sie wollen sich für etwas einsetzen und nehmen es dabei in Kauf, immer wieder schwierige Momente durchstehen zu müssen. Bei Rückschlägen verarzten sie sich und laufen weiter. Sie wissen von Anfang an, dass es auf dem Karriereweg Hürden gibt. Sie können aber damit umgehen und eignen sich eine genügend dicke Haut an.

Meine Erfahrung mit solchen Frauen zeigt auch, dass sie nicht bei jedem 'männlichen' Angriff gleich beleidigt sind. Sie haben gelernt, mit männlichem Verhalten im Geschäftsleben umzugehen und können sich in der Männerwelt bewegen, ohne eine Kampfhaltung einzunehmen, was einer Karriere abträglich wäre.

Ich war vor Kurzem zu einem illustren Treffen eines altehrwürdigen Wirtschaftsverbandes eingeladen. Frauenwaren an diesem Anlass nicht sehr zahlreich vertreten. Von den über 200 Anwesenden waren lediglich etwa 20 Frauen. Schockiert Sie das nicht?

Natürlich, aber das widerspiegelt die Realität. Wie viele Frauengibt es, die zentrale Positionen in der Wirtschaftswelt einnehmen?! Männer nutzen solche Netzwerk-Gelegenheiten zudem viel besser. Sie versuchen, dort Geschäfte anzubahnen oder Kontakte zu knüpfen. Ich hoffe, dass sich die Teilnehmerinnenzahlen an solchen Anlässen in den nächsten Jahren verbessern werden.

Mentoren haben im Zusammenhang mit Männerkarrieren eine sehr grosse Bedeutung. Eine Untersuchung, die ich vor einigen Jahren an der Universität St. Gallen durchgeführt habe (vgl. Fachartikel "Mentoring, das kleinste soziale Netzwerk"), zeigt deutlich, dass ohne Mentor oder Götti die meisten sehr erfolgreichen Männer nicht dort wären, wo sie heute stehen. Wie sind Frauen'Mentoring' gegenüber eingestellt? Suchen Frauen Frauen als Mentoren und finden sie nicht?

Massimo Lattmann, Sita Mazumder: Erfolgsfaktoren innovativer UnternehmenEs gib Frauen, die Frauenbevorzugen, da man gewisse Themen besser unter sich besprechen kann. Aber Frauensuchen grundsätzlich nicht nur Frauenals Mentoren. Ich gehöre beispielsweise zu den Frauen, denen das Geschlecht einer Mentor-Person egal ist. Hauptsache ist für mich, dass der Mentor oder die Mentorin eine Person ist, die ich fachlich wie persönlich achte. Gerade am Anfang einer Karriere ist es wichtig, die richtigen Inputs und auch da und dort mal eine Türe geöffnet zu bekommen. Ich selber hatte in meinem Leben nicht nur einen Mentor, sondern immer eine Gruppe von wundervollen Menschen um mich, die mir hier und dort Rat erteilt haben. Mit den Jahren baut sich so ein Netzwerk auf, das immer grösser wird.

Mit den meisten Mentoren aus meiner Studien- und Arbeitszeit haben sich wertvolle Freundschaften entwickelt, die mir viel bedeuten. Das ist etwas sehr Schönes und auch Wichtiges. Auch ich glaube, dass das Leben in der Geschäftswelt ohne Personen, die einem bei wichtigen Entscheiden zur Seite stehen oder gar eine interessante Tür öffnen, schwieriger ist. Deshalb ermuntere ich Frauen, sich gut zu vernetzen und sich gegenseitig zu unterstützen. Diese Erkenntnis ist mithin ein Grund, warum ich vor einigen Jahren zusammen mit meiner Co-Projektleiterin, Prof. Dr. Gabrielle Wanzenried, das Projekt Womensfinance gegründet habe.

Was bietet Womensfinance Frauen und welche weiteren Netzwerke empfehlen Sie unseren interessierten Leserinnen?

Prof. Dr. Sita Mazumder Womensfinance (www.womensfinance.ch) ist ein umfassendes Projekt, welches die Jahreskonferenz, an der auch der Corporate Women Award Switzerland verliehen wird, Seminare für Frauen zu Finanzthemen, Events ganz unterschiedlicher Ausgestaltung, einen Newsletter, ein Netzwerk (das Women’s Finance Network), Mentoring, Consulting sowie natürlich auch Forschung und Publikationen beinhaltet. Die Erkenntnisse aus unseren Forschungen fliessen dann wieder in die restlichen Aktivitäten ein. Als Hochschule bieten wir auf diese Weise eine neutrale Plattform für die Teilnehmenden, aber auch für unsere Kooperationspartner und Sponsoren. Wir haben 2006 mit der 1st Women’s Finance Conference begonnen, die seither jedes Jahr ein Grosserfolg war. Die nächste, also die dritte Konferenz, findet am 4. November 2008 wie die letzten beiden Male im Hotel Park Hyatt in Zürich statt. Das Thema ist 'Finanzgewissen'. Aufgrund der motivierenden und positiven Feedbacks haben wir das Projekt stetig ausgebaut und freuen uns sehr, dass wir so viele Aktivitäten anbieten können.

Sehr geehrte Frau Prof. Dr. Mazumder, ich bedanke mich ganz herzlich für dieses Gespräch und wünsche Ihnen bei allen Ihren Projekten weiterhin viel Spass und viel Erfolg.


(C) 2008 by Christian Düblin. Alle Rechte vorbehalten. Anderweitige Publikationen sind nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors gestattet.
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Links
- Fachartikel "Frauen in den Finanzdienstleistungsindustrien"
- Hochschule Luzern: Portal Womans Finance

- Detaillierte Darstellung des Buches "Erfolgsfaktoren innovativer Unternehmen"
- Consulting Firma 'purple'

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