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Monatsinterview September: Matthias Eckenstein-Geigy

Matthias Eckenstein-Geigy. Mit freundlicher Genehmigung von Matthias EckensteinMatthias Eckenstein-Geigy, 1930, arbeitete seit 1954 als Architekt und Unternehmer. Mit seiner Klage wegen Landesverrat gegen Jean Ziegler aufgrund von dessen Buch „Die Schweiz, das Gold und die Toten“, wurde sein Name weitherum bekannt und er schaffte es gar in die New York Times. Als Gegner des geplanten Casino-Neubaus in Basel, dem Projekt der Architektin Zaha Hadid, kam er vor allem in Basel wieder in die Schlagzeilen. Das Projekt wurde schliesslich von der Stimmbevölkerung abgelehnt. Matthias Eckenstein jedoch als Querulanten zu bezeichnen, würde zu kurz greifen. Sein kulturelles Engagement und sein unternehmerisches Wirken versetzen manch einen in Staunen. Sein Engagement reicht vom Öl-Geschäft, über Architektur, Maschinenbau für UDSSR, Brückenbau in Deutschland, dem Betreiben von Hotels und anderen Unternehmen bis hin zur Produktion von Spielfilmen. Auch als Mäzen hat er sich einen Namen gemacht. Für das Kunstmuseum Basel wollte er einen zweistelligen Millionenbetrag spenden, wenn seine Ideen umgesetzt worden wären. Maja Oeri kam ihm mit einer 50 Mio. Franken-Spende zuvor, was sein Vorhaben zu einem „Nachruf“ werden liess. Im Interview mit Christian Dueblin spricht Matthias Eckenstein über seine Tätigkeiten, seinen Werdegang und teilt mit, was ihn am Provozieren und Anregen interessanter Projekte reizt.

Christian Dueblin: Sehr geehrter Herr Eckenstein, in den letzten Monaten sind Sie in der Basler Zeitung (BaZ) in Erscheinung getreten, einmal in Zusammenhang mit der geplanten Erweiterung des Kunstmuseums und mit dem geplanten Casino-Neubau, einem Projekt der Architektin Zaha Hadid, das schliesslich von der Basler Stimmbevölkerung abgelehnt worden ist.

Matthias Eckenstein: (Lacht) Leider durfte ich den letzten Artikel über den Erweiterungsbau des Kunstmuseums und meine Äusserungen zu Frau Maja Oeri und Ihren Plänen rund um das Kunstmuseum in Basel nicht korrekturlesen. Das hat mir eine kleine Unannehmlichkeit beschert, auf die mich mein Buchhalter am Tag nach Erscheinen des Artikels in der BaZ aufmerksam gemacht hat. Ich bin im besagten Artikel als Ölmagnat dargestellt worden, was die Steuerbehörden veranlassen könnte zu meinen, ich würde Geld und Vermögen nicht versteuern. In Wirklichkeit bin ich nur mit 5% an dieser Öl-Firma beteiligt, bin also kein Grossaktionär. Wohl habe ich diese Firma vor 25 Jahren aber reorganisiert.

Sie beschäftigen sich seit Ihrem Studium mit Architektur, nannten zahlreiche Liegenschaften Ihr Eigen, betreiben Hotels, betätigen sich als Mäzen für Kunst sowie Kultur und manchmal helfen Sie, Spielfilme zu produzieren. Ein Markenzeichen sind die diversen Dach-Swimmingpools, die Sie schon vor vielen Jahrzehnten auf Ihre Hotels und Ihre Liegenschaften gebaut haben. Wie kam es zu dieser Idee, auf Dächern Swimmingpools zu bauen?

Ich unternahm im Jahr 1949 mit meinem Vater eine Reise ins Tirol. Wir übernachteten in einem Hotel, das ein Dachschwimmbad hatte. Diese Idee faszinierte mich dermassen, dass ich die ganze Nacht auf dem Dach verbrachte. Seither hat mich die Idee des Dachschwimmbades nicht mehr losgelassen. Als ich nach meinem Architektur-Studium in Zürich, Genf und Paris 1954 nach Basel zurückkehren musste, kaufte ich in der Innenstadt von Basel eine Liegenschaft, die ich nach meinen Ideen bebaute und die später meinen Eltern als Alterswohnsitz dienen sollte. Die Liegenschaft liegt in der Steinen und ist bekannt aufgrund des Restaurant Club 59. Ich war schon damals ein Stadtmensch und Gartenarbeit ist auch heute nicht meine Sache. Ich wollte das Haus ohne Garten mit allen Annehmlichkeiten ausstatten. Ein Mietinteressent erzählte mir zu diesem Zeitpunkt von Penthouses in den USA. Ich wusste nicht, was ein Penthouse war. Gemäss meinem Wörterbuch handelte es sich um eine Notunterkunft im Wald. Auch fand ich den Begriff in Zusammenhang mit einer speziellen Wohnart auf Dächern von Hochhäusern. Ich wusste nicht genau, wie man ein Schwimmbad auf ein Dach baut, was mich architektonisch herausforderte. Als ich später in die USA ging, habe ich diese beschriebenen Dachschwimmbäder kaum oder nur „bruchstückhaft“ vorgefunden. Viele der von mir gebauten und umgebauten Gebäude versah ich mit einem Schwimmbad auf dem Dach, was mir auch regelmässig Probleme mit der Stadtverwaltung einbrachte. Es kam immer wieder zu zähen und langwierigen Prozessen mit dem Bauamt. Einmal gewann ich einen Prozess. Der Fall landete vor dem Appellationsgericht in Basel. Als die Behörde einsah, dass ich auch dort gewinnen würde, veranlasste sie eine Gesetzesänderung. Der Gesetzesvorschlag wurde dem Grossen Rat vorgelegt. Sie besagte, dass auf Dachgeschossen keine Schwimmbäder, Gärten und dergleichen gebaut werden dürften. Das Gesetz wurde in der Folge vom Grossen Rat mit lediglich einer Änderung angenommen. Das Wort „keine“ wurde gestrichen und aus dem restriktiven Vorschlag der Stadtverwaltung wurde ein progressives Gesetz, das Dachbäder und -gärten ermöglichte. Das war ein kleiner Erfolg für mich und bedeutete das Ende der Opposition meiner Idee gegenüber. Ich baute dann aber nicht mehr so viele Dachbäder. Dieser Entschluss war jedoch weniger auf Vorschriften als auf Renditegedanken zurückzuführen. Ich baute dann reiche Wohnungen und nützte das Dachvolumen voll aus. Das war für mich finanziell ertragreicher, als Investitionen für Schwimmbäder.

Auch das alte Hotel Admiral in Basel, an dessen Stelle heute der Messeturm steht, gehörte Ihnen und auch dort gab es ein legendäres Schwimmbad auf der Terrasse. Wie sind Sie zu diesem Hotel gekommen und wie kam es zum Verkauf?

Ich spielte schon als Kind in diesem Haus am Messeplatz. Es war ursprünglich ein Ledigenheim, ein sogenanntes Appartementhaus einer Investorengruppe, an der mein Vater als Architekt und Mitinhaber beteiligt war. Später als ich das Haus übernahm, baute ich es 1960 in ein Hotel um und baute auch dort ein Dachschwimmbad. Damals kamen zu viele neue Hotels dazu, so dass die Konkurrenz auf den Preis drückte. Ich kaufte, wie der Bäcker das Mehl kauft. War ein Haus wie das Brot fertig, verkaufte ich es bevor es hart wird weiter und widmete mich dem nächsten Projekt. Das Geld verwendete ich für die Börse und andere Unterfangen.

Hotel Admiral in Basel neben MUBA mit Dachschwimmbad. (Heute steht an dieser Stelle der Messeturm.) Foto mit freundlicher Genehemigung von Herrn Matthias Eckenstein

Hotel Admiral in Basel neben MUBA mit Dachschwimmbad.
(Heute steht an dieser Stelle der Messeturm.)
Foto mit freundlicher Genehemigung von Herrn Matthias Eckenstein


Sie verkauften das Hotel Mitte der Neunzigerjahre an die Messe Basel.

Meine Idee für den Messplatz wäre ein Turm mitten auf dem Messeplatz (wie auf der Piazza Navona in Rom) mit unterirdischen Verbindungen zu den Messehallen gewesen. Diese Idee wurde aber nicht weiterverfolgt. Es gab lange Verhandlungen mit der Messe Basel, die kein Ende nehmen wollten. Nach rund 4 Jahren Verhandlungen konnte sich die Messe immer noch nicht entscheiden und ich fing an, das Hotel zu vergrössern und renovieren. Kaum war der Umbau fertig, kaufte die Messe Basel das Hotel, um es abzureissen und den Messeturm zu bauen. Die ganze Angelegenheit war für mich mit gewissen Risiken verbunden, denn ich befürchtete anfänglich – wie es mein planerisches Konzept war -, dass man mir einen Turm vor die Nase bauen könnte, der mein Hotel natürlich empfindlich gestört hätte. Als dann klar war, dass der Turm genau an der Stelle meines Hotels gebaut werden sollte, atmete ich auf und konnte das Hotel zu einem guten Preis verkaufen (lacht). Der Verkaufspreis war dann natürlich, entsprechend der Umbaukosten, teurer.

Sie haben sich immer wieder aktiv in Bauvorhaben eingemischt. Gegen den geplanten Zaha Hadid-Casino-Bau sind Sie auf die Barrikaden gegangen, was dazu geführt hatte, dass das Projekt von der Stimmbevölkerung abgelehnt wurde. Sie haben sich damals aber nicht nur Freunde, sondern auch Feinde gemacht. In der Casino Gesellschaft kam es zu grossen Spannungen. Was hat Sie persönlich am Baukonzept gestört und was hat Sie bewogen, sich bei vielen Menschen unbeliebt zu machen?

Das Vorhaben wäre ein überteuerter Koloss-Bau gewesen, welcher der Innenstadt von Basel geschadet hätte. Ich hatte als Architekt grosse Bedenken und wollte etwas gegen das Vorhaben unternehmen. Mir war auch wichtig, dass keine Parteiangelegenheit daraus werden sollte. Ich stellte für das Referendum deshalb selber Geld zur Verfügung. Als wir gegen den Bau antraten, bekam ich von allen Seiten so viel Geld, dass ich heute mein Geld noch habe. Ich habe mich dann später entschieden, dieses Geld für ein allfälliges zweites Referendum zur Verfügung zu stellen, für den Fall, dass kein vernünftiges Konzept ausgearbeitet wird.

Sie sind eine Person, die gerne Ihre Meinung vertritt und der es offensichtlich auch gefällt, zu provozieren und hin und wieder anzuecken. Dabei ecken Sie parteiübergreifend und klassenübergreifend an, auch in den eigenen gesellschaftlichen Reihen des Establishments in Basel. Was treibt Sie an, manchmal etwas zu provozieren?

Ich konnte es mir dank meinen Eltern und meinem Beruf als Geschäftsmann leisten, immer ungebunden zu sein. Das Geld, das mir zur Verfügung steht, reicht für meinen Lebensunterhalt sehr gut aus, was mir eine gewisse Freiheit sichert. Mehr Essen kann ich nicht, das will auch mein Arzt nicht. Darum kann ich mit Geld etwas kulanter umgehen und es stehen mir gewisse Mittel für meine Anliegen und Vorhaben zur Verfügung. Tatsächlich habe ich in meinem Leben auch Dinge machen können, die sich nicht direkt finanziell ausbezahlen. Zudem bin ich eine unabhängige Person und reagiere nur wenig auf Druck von sozialen Netzwerken, die mich umgeben. Ich mache eben, was ich will und für richtig empfinde.

Ich fange manchmal einfach an zu denken. Wenn ich im Denkprozess sehe, dass eine Idee oder ein Vorhaben nicht überzeugt, dann setze ich mich für eine bessere Lösung ein. In der Regel habe ich dann auch einen Gegenvorschlag bereit. Im Fall des Casinos in Basel konnte ich meinen Gegenvorschlag, den ich eigentlich hatte, leider aus politischen Gründen nicht einbringen. Die Menschen, die parteiübergreifend an meiner Seite kämpften, befürchteten, dass dieser Gegenvorschlag zum Vornherein von den Casino-Befürwortern zerzaust und als unrealistisch bezeichnet worden wäre. Ich schweige nicht immer. Im Fall des Kunstmuseums habe ich mich geäussert und schrieb einen Leserbrief an die BaZ, der später zu einem Artikel wurde und der offensichtlich Diskussionen auslöste. Dass der Redaktor noch ein Curriculum Vitae, fast ein Nachruf, einbaute, wusste ich damals natürlich noch nicht. Das war nicht meine Absicht. Das ist mir 10 Jahre vorher schon einmal passiert. Immerhin werden es meine Kinder bei meinem Tod etwas einfacher haben, über mich berichten zu können (lacht).

Die Casino-Gesellschaft, in der Basler Bürger vertreten sind, ist heute schlecht auf mich zu sprechen, weil ich ihr Spielzeug zerstört habe. Ich sollte nicht mehr mitreden. Ich darf aber heute sagen, dass ich immerhin die Mehrheit der Bevölkerung auf meiner Seite hatte. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass der Koloss nichts für Basel gewesen wäre. Meine Frau und ihre Freundinnen waren für den Bau, was meine Beziehung zu meiner Frau tangierte. Mit der Zeit aber schlug sich eine Person nach der anderen auf meine Seite. Das war für mich ebenfalls eine Bestätigung, dass meine Ansichten nicht so falsch sein konnten.

Kurt H. Illi hielt das Resultat der Stimmbevölkerung in Basel für einen grossen Fehler und verglich das Projekt im Interview mit Xecutives.net mit dem KKL in Luzern und seiner auch nicht sehr einfachen Entstehungsgeschichte.

Ich habe mich nie über die Ästhetik des Baus geäussert und will die Qualitäten des Projektes von Zaha Hadid nicht in Diskussion stellen. Ich bin ein Architekt, der unternehmerisch denkt und bin der Meinung, dass nicht jedes Gebäude ein Kunstwerk darstellen muss. Ein Musik-Casino in Basel darf nicht den finanziellen Untergang der Casinogesellschaft bedeuten. Der Kammermusiksaal ist nötig, nicht aber ein zweiter Saal für grosse Anlässe. Der Musiksaal, wie er heute ist, kann nicht mit dem KKL konkurrieren. Ich habe das Ganze von einer pragmatisch wirtschaftlichen Seite angeschaut. Das KKL ist verkehrsmässig gleich neben dem Bahnhof gelegen und nahe von vielen Parkmöglichkeiten strategisch ganz anders gelegen als das Casino in Basel. Unser Musiksaal ist für Fussgänger und Fahrradfahrer gebaut, das KKL hingegen für Bahn- und Autofahrer aus aller Welt.

Was war Ihre Meinung in Bezug auf die Diskussion um die geplante Calatrava-Brücke über den Rhein, die ebenfalls von der Stimmbevölkerung abgelehnt worden ist?

Ich habe mich für diese Brücke ausgesprochen. Ich war aber zu dieser Zeit in den USA und habe diese Diskussion nur am Rande mitbekommen. Ich hätte mich aber für den Bau der Brücke eingesetzt, auch finanziell. Sie würde heute für Basel auch ästhetisch eine grosse Bereicherung darstellen.

Sie spielen mit dem „Nachruf“ auf die Tatsache an, dass Ihr Gegenvorschlag für die Erweiterung des Kunstmuseums mit dem Zusatzgeschenk von 50 Mio. Franken der Laurenz-Stiftung von Frau Maja Oeri gegenstandslos geworden ist.

Mit den 50 Mio. Franken, die von der Mäzenin zur Verfügung gestellt werden, hat sich die Sache natürlich in ihrem Sinne entschieden. Meine Idee wäre es gewesen, den anliegenden Garten der alten Nationalbank, für die Erweiterung in Betracht zu ziehen und nicht den Burghof, wie das Frau Oeri möchte. Deshalb habe ich mich im Artikel der BaZ bereit erklärt, für meine Erweiterungsidee einen zweistelligen Millionenbetrag zur Verfügung zu stellen. Das Kunstmuseum Basel ist zweifelsohne eines der besten Kunstmuseen der Welt. Frau Oeri hatte den gegenüberliegenden Burghof für 20 Mio. Franken gekauft, in der Absicht, diesen ins Kunstmuseum zu integrieren. Ich habe Frau Oeri angeschrieben, denn ich wollte die grösste Spenderin von Basel nicht vor den Kopf stossen. Ich wollte dem Projekt nicht grundsätzlich schaden. Als Frau Oeri mir mitteilte, dass sie die Nationalbank und den Burghof zwar geschenkt und ihre Bedingungen geäussert habe, sich aber nicht mehr in die Planung einmischen würde, stand es mir frei, meine Meinung zu äussern und jenes Konzept zu unterstützen, das ich für richtig halte. Ich habe mich lange Zeit mit den Wettbewerbsvorlagen beschäftigt und mir war klar, dass die dem Museum angrenzende alte Nationalbank sowie dessen Garten für die Erweiterung des Museums geeigneter wären als der Burghof, der auf der anderen Strassenseite liegt. Die Erschliessung wäre viel einfacher und die Besucherfreundlichkeit wäre damit gewährleistet gewesen, was ich für wesentlich halte. Auch die Betriebskosten würden viel tiefer ausfallen. Die BaZ wollte, dass ich eine Summe nenne, für die ich aufkommen würde. Ich sagte, dass ich mir vorstellen könnte, einen zweistelligen Millionenbetrag zu stiften, wenn meine Idee verwirklicht würde. Eine zwingende Voraussetzung für die Stiftung dieses Betrags wäre jedoch gewesen, dass die Museums-Strukturen ebenfalls modernisiert worden wären. Wenn ich heute sehe, dass für jede Kleinigkeit, die umgebaut oder repariert wird, ein Dutzend Beamte eingeschaltet werden, die jeweils Dutzende Protokolle schreiben, dann habe ich als Unternehmer damit meine liebe Mühe. Wenn der Staat baut, kommt es immer zu sehr vielen Leerläufen. Ich habe gesehen, wie man es bei der Stiftung Kinderspital besser gemacht hat. Die Stiftung, die seit 150 Jahren besteht und für den Bau verantwortlich zeichnete, hat die Aufgabe sehr gut gelöst, besser als es der Staat gekonnt hätte.

Frau Maja Oeri gilt als sehr zurückhaltend, hat aber in den letzten Jahren in Bezug auf die Kultur in Basel Enormes bewirkt.

Wenn ich etwas stifte oder anderweitig als Mäzen tätig bin, muss der Name der Vorfahren Eckenstein und Geigy erscheinen. Das Affenhaus für den Zoologischen Garten in Basel, das ich im Namen und im Gedenken an meine vor Kurzem verstorbene Frau finanziere, wird den Namen meiner Frau und ihrer Vorfahren tragen, die zum Zolli sEckenstein-Grabstein im Kreuzgang des Basler Münsters. 1. Eckenstein in Basel seit 1560. Foto mit freundlicher Genehmigung von Herrn Matthias Eckensteintets sehr positiv eingestellt waren. In diesem Fall wurde dies meiner Frau und Ihren Vorfahren zuliebe Geigy-Anlage für Menschenaffen getauft. Ich beabsichtige des Weiteren den Aufbau eines Schweizerischen Instituts für pädiatrische Pharmakologie zu finanzieren, das dem Kinderspital angegliedert werden soll. Ich habe in Bezug auf dieses Projekte auch mit Herrn Dr. Vasella von Novartis Gespräche geführt. Das Institut wird Eckenstein-Geigy-Institut heissen. Dahinter steckt eine gewisse Eitelkeit, die ich gar nicht verstecken möchte.

Kultur ist immer auch etwas elitär. Sie verhilft zu Ansehen und zu Ruhm. Hinter diesem Mäzenatentum stecken immer auch Eigeninteressen, nicht selten auch steuerliches Kalkül. Die Kunst ist für viele Menschen, die viel für diese Stadt und die Kunst gemacht haben auch ein Hobby. Die Menschen, die ein solches Hobby bereiben, verfolgen ebenfalls Selbstinteressen. Paul Sacher, Maja Oeri oder auch der eben verstorbene Ernst Beyeler konnten mit viel Geld und viel Engagement ihre eigenen Träume verwirklichen. Bei mir ist das Hobby nicht die Kunst an sich, sondern Ideen zu geben und anzuregen.

Nicht nur diese Personen haben sich Denkmäler gesetzt. Die Firma Novartis baut mit ungeheuren Summen und der Elite der Architekten auf dieser Welt in Basel einen Campus. Was halten Sie persönlich als Architekt von diesem Vorhaben?

Ich habe mich natürlich auch mit dem Campus auseinandergesetzt. Es ist interessant zu sehen, dass die Ausnutzungsziffer des Bodens und der Gebäude im Campus sehr hoch ist. Das spricht auch für eine wirtschaftliche Betrachtungsweise, weit mehr als beim geplanten Casino-Bau oder bei der Erweiterung des Kunstmuseums. Es darf aber eine Sache nicht vergessen gehen, die für die Schweiz und insbesondere für Basel ebenfalls sehr wichtig ist. Mit dem Bau des Campus hat Herr Dr. Vasella ein klares langfristiges Bekenntnis für den Standort Basel gegeben. Selbst wenn Novartis ihren juristischen Sitz einmal ins Ausland verlegen sollte, ist der Campus ganz eng mit der Novartis verbunden und nicht mehr vom Unternehmen zu trennen.

Vor rund 15 Jahren haben Sie und einige ihrer Kollegen sich in der Diskussion um das vermeintliche Nazigold in der Schweiz mit Jean Ziegler angelegt und ihn aufgrund seines Buches „Die Schweiz, das Gold und die Toten“ des Landesverrates beschuldigt und angeklagt. Mit dieser Aktion schafften Sie es bis in die New York Times. Auch diese Aktion scheint für Sie typisch zu sein. Was hat Sie damals veranlasst, sich mit Jean Ziegler anzulegen?

Ich sehe mich als Schweizer und auch als nationalbewusst. Ich mag nicht nur mein Land, sondern auch die Umgebung meines Landes und habe Mühe, wenn Lügen oder falsche Tatsachen vermittelt werden, die unser Land schwächen und ihm Schaden zufügen. Ich kenne Jean Ziegler gut seit unserer Studentenzeit in Genf. Wir waren beide zusammen politisch aktiv und haben in der Studentenschaft an den gleichen Fronten für unsere Anliegen gekämpft. Ich selber war parteipolitisch aktiver als Ziegler und wir haben damals zusammen den Studentenrat in unserem Sinne gesäubert. Er wollte die farbentragenden Verbindungen und die Kommunisten aus dem Studentenrat raus haben. Eine Zeit lang dominierten und leiteten wir den Studentenrat. Ich war in diesem Zusammenhang oft im Osten, da wir dem Kommunistischen Studentenbund hätten beitreten sollen. Das wollte ich auf alle Fälle verhindern und habe deshalb mit den Kommunisten Verhandlungen geführt. Ich habe auf die Berücksichtigung der Menschenrechte gepocht. So trat der Schweizerische Studentenbund der kommunistischen Organisation (IOS) nicht bei. Das haben mir die Kommunisten sehr übel genommen.

Ihr Image und die Beschreibungen über Ihre Person sind heute aber alles andere als links. Wie kam es zum politischen Wechsel?

(Lacht) Wir sprachen von den Jahren rund um 1951. Heute haben wir das Jahr 2010 und die Welt hat sich grundsätzlich verändert. Nicht mein Charakter, sondern vor allem die Parteien haben sich verändert. Ich sehe mich heute als liberal eingestellt. Die Liberalen würden mich jedoch nicht wählen, weil ich immer wieder anecke. Ich gehöre auch keinen Vereinen an, weil mich Einheitsbrei nicht interessiert. Ich mag es nicht, anderen nach dem Maul zu reden und meine Meinung nicht vertreten zu dürfen, weil ich einer Gruppe von Menschen irgendwie verpflichtet bin. Ich teile meine Meinung halt gerne mit, ob es meine Mitbevölkerung freut oder nicht. Meine Mutter hatte eine sehr soziale Ader und war in den Dreissigerjahren lange Zeit in Russland auf Reisen. Sie hat sich dort alles angeschaut. Mein Vater war ein ganz anderer Mensch und politisch völlig anders gepolt. Er sprach sich während des Zweiten Weltkrieges dafür aus, Hitler nicht zu verärgern. Er hat sich immer für eine unabhängige Schweiz ausgesprochen. Er war ein Mensch, der sich für Recht und Ordnung einsetzte. Seine Sympathien für Deutschland bescherten ihm dann aber in Basel grosse Probleme, die auch mich betrafen. Ich überlegte mir damals, wo ich mich als junger Student niederlassen könnte und malte mir schon ein Leben im Ausland aus. Es kam dann nicht zur Emigration in die USA, aber ich baute dort später als Rückversicherung Unternehmen auf. Ich hatte grosse Angst vor den Russen. Mein Vater wurde von den Sozialisten und Kommunisten gehasst. Im Generalstreik 1919 verhinderte er als Hauptmann Unruhen in Basel.

Wir sprechen von der Zeit der Generalstreiks, als in Genf auf Zivilisten geschossen wurde.

Richtig, er wollte das in Basel auf alle Fälle verhindern. Er galoppierte zwischen Rathaus und Claraplatz und setzte sich dafür ein, dass es nicht zu Ausschreitungen kam. Es kam in dieser Gegend zu keinen Demonstrationen. Er hatte Angst, dass es nach dem Zweiten Weltkrieg auch wieder zu Ausschreitungen kommen könnte und die Kommunisten an die Macht kommen könnten. Unser Haus glich damals einer Festung. Die Ferienresidenz in Braunwald war ein Réduit gegen den Generalstreik. Alles war verbarrikadiert. Ich kam später auch auf die schwarze Liste der Kommunisten. Ich war für einen Teil der SP zu rechts, für die anderen zu links. Die Bundespolizei verhörte mich ausgiebig. Die Fichen waren ein Buch.

Wie kam es, dass Sie ein Architekturbüro aufbauten, das Sie heute noch beschäftigt?

Mein Vater baute beispielsweise das Singerhaus in Basel. Er wurde später zum Hofarchitekten von Sandoz. Irgendwann nahm diese Arbeit ein Ende, da ein Büropartner sich selbständig machte. Der nahm das Personal und die Aufträge gleich mit, was meinem Vater grossen Schaden zufügte. Ich musste damals aus Paris nach Basel zurückkommen und sah die Felle davonschwimmen. Ich musste, obwohl ich das nie wollte, die Firma übernehmen. Es war auch nie mein Ziel, als praktisch tätiger Architekt zu arbeiten. Ich wollte vielmehr kunsthistorisch tätig sein. Ich musste mich aber, um einen Konkurs abzuwenden, der Firma meines Vaters annehmen und schrieb mich gleichzeitig an der juristischen Fakultät in Basel ein, um für alle Fälle vorzusorgen. Ich wollte mir gleichzeitig Wissen aneignen, das mir ein Leben nach einem Konkurs ermöglicht hätte. Ich stellte fest, dass es nur wenige Architekten gab, die von Boden- und Baurecht eine Ahnung hatten. Die Firma meines Vaters ging nicht Konkurs aber ich hatte immer weniger Zeit für meine Studien und musste sie schliesslich alle abbrechen. Ich habe das aber nie bereut und konnte mit meinem Rucksack an Wissen doch einiges in meinem Leben bewirken.

Man erzählt sich, man hätte Ihnen vor vielen Jahren den Beitritt in einen Golf Club in Basel verweigert, worauf sie sich aus Trotz gleich selber einen Club gekauft hätten. Diese Anekdote hat einen gewissen Reiz und würde zu Ihrer Person passen. Ist sie wahr?

(Lacht) Mein Schwiegervater war eines der Gründungsmitglieder eines edlen Basler Golf Clubs. Ich bin tatsächlich nicht aufgenommen worden. Man wollte nur meine Frau haben. Meine Frau lehnte dankend ab und wir traten einem Club in Frankreich bei, wo wir uns gut aufgehoben fühlten und der zudem noch viel günstiger war. Meine Frau beschwerte sich jedoch bei mir, weil ich kein Handicap hatte. Es war somit nicht möglich, gewisse gemeinsame Ferienpläne zu verwirklichen. Ich nahm diese Kritik ernst und kaufte mir bei der nächsten USA-Reise ein Hotel mit zwei Golfplätzen. Ich ging zu meinem Golf-Direktor und sagte ihm: You are fired or I have a handicap! (lacht) Wenig später hatte ich mein Handicap, das ich meiner Frau präsentieren konnte. Damit war der Fall gelöst. So viel zu dieser Anekdote.

Nun haben Sie in den letzten Jahren auch im Film-Business mitgewirkt. Sie haben den Film „The Yellow Handkerchief“ von Arthur Cohn mitproduziert. Ein weiterer Film heisst „Manipulation“, nach dem Roman „Das Verhör des Harry Wind“ des verstorbenen Schweizer Schriftstellers Matthias Diggelmann. In der Hauptrolle brilliert Klaus Maria Brandauer, um nur einen illustren Namen zu nennen. Wie kam es, dass Sie und Ihre Frau sich für das Filmgeschäft interessierten?

Wir wollten auch die Welt beschnuppern. Der Film „Manipulation“ erscheint übrigens in diesem Herbst und sollte erfolgreicher sein als „The Yellow Handkerchief“.

Sehr geehrter Herr Eckenstein, was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich bin kein Architekt, der verrückte Projekte plant und immer Neues erfinden muss. Ich bin ein Architekt, der wirtschaftliche Faktoren berücksichtigt. Nur wenige Unternehmen können es sich leisten, aus jedem Bau ein Kunstwerk entstehen zu lassen. Viele Unternehmen sind auf pragmatische Architektur angewiesen. Ich hoffe, dass das nicht vergessen geht. Nicht jeder Bau muss ein Denkmal darstellen. Für mich persönlich wünsche ich mir weiterhin gute Gesundheit und hoffe, dass meine lästigen Rückenprobleme nach einer bevorstehenden Operation ein Ende finden.

Sehr geehrter Herr Eckenstein, ich bedanke mich herzlich für dieses Gespräch und wünsche Ihnen weiterhin alles Gute und viel Gesundheit!

 

(C) 2010 by Christian Düblin. Alle Rechte vorbehalten. Anderweitige Publikationen sind nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors gestattet.



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