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Spezialinterview zur Finanzkrise: Prof. Dr. Josef Marbacher

Prof. Dr. Josef Marbacher Prof. Dr. Josef Marbacher, Jahrgang 1944, ist Leiter des Institut for Finance an der Fachhochschule Nordwestschweiz und Professor für Finance. Er war zuvor Assistent am Institut für Schweizerisches Bankwesen der Uni Zürich und wechselte danach als wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Schweizerischen Nationalbank. Prof. Dr. Marbacher war ebenfalls Chefökonom der Swiss Re und Chefökonom der Bank Julius Bär. Prof. Dr. Josef Marbacher beantwortet Fragen von Christian Düblin rund um die Finanzkrise.

Christian Düblin: War die jetzige Krise Ihrer Meinung nach voraussehbar und wenn ja, warum hat man nichts unternommen, um sie abzuwenden?

Prof. Dr. Josef Marbacher: Diese Finanzkrise war weder in ihrer Form noch in ihrer Dimension voraussehbar. Überraschend war insbesondere, wie stark europäische Institute im überbordenden amerikanischen Immobilienmarkt engagiert sind. Aussergewöhnlich ist zudem, dass - erstmals seit den Dreissigerjahren - eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen Zusammenbruch des globalen Finanzsystems gegeben war. Nur mit einer einmaligen Stützungsaktion der Notenbanken und - als diese an Grenzen stiessen - der meisten Regierungen, konnte das System stabilisiert werden.

Welche Auswirkungen hat die Finanzkrise auf die Realwirtschaft generell und auf die Schweiz im Besonderen? Wie beurteilen Sie die Auswirkungen auf die grössten Arbeitgeber, die KMU?

Die Auswirkungen auf die Realwirtschaft werden gravierend sein. Kennzeichen aller betroffenen Banken ist, dass sie die Bilanzrisiken in den letzten vier Jahren in einem Ausmass hochgefahren haben, das ohne Beispiel ist. Das Eigenkapital zur Abdeckung dieser Risiken ist ungenügend. Alle diese Institute werden jetzt konsequent eine Strategie fahren müssen: Die Bilanzrisiken reduzieren. Da Haftungskapital auf dem Markt praktisch nicht mehr zu beschaffen ist, werden diese Banken alles daran setzen, die Risiken auf der Aktivseite der Bilanz zu reduzieren. Das bedeutet aber, dass weltweit zahllose Projekte nicht mehr, oder nur mit beträchtlichen Restriktionen und Sicherheiten, gestartet werden können. Die Investitionstätigkeit wird somit im kommenden Jahr weltweit deutlich einbrechen. Gewinnreduktionen, Entlassungen und tieferer Konsum werden die Folge sein. Zudem hat die Finanzkrise das Vertrauen vieler Akteure in die Funktionsweise der Marktwirtschaft erschüttert. Es besteht die Befürchtung, dass dadurch die Risikoaversion der Investoren in diesem Abschwung weit stärker zum Tragen kommen könnte als in den Rezessionen der Nachkriegszeit. Sollte dieser Fall eintreten, werden die Regierungen ein zweites Mal zur Kasse gebeten, um einen verhängnisvollen kumulativen Prozess nach unten stoppen zu können. Vor diesem Hintergrund, sind die angekündigten Stützungsprogramme der amerikanischen, britischen und französischen Regierung zu sehen. Weitere Staaten dürften diesem Vorgehen folgen.

Die Schweiz wird sich diesen Entwicklungen nicht entziehen können, da sie über den hohen Exportanteil von rund 50% des BIP eng mit der Weltwirtschaft verflochten ist. Dazu kommt, dass sich die Lage schneller als in den umliegenden Staaten verschlechtern könnte, wenn die schockartige Aufwertung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro Bestand haben sollte. Die Schweiz hat jedoch - im Gegensatz zu den meisten europäischen Staaten - den grossen Vorteil, dass sie nicht mit überhöhten Immobilienpreisen zu kämpfen hat. Die Bankbilanzen sind somit von dieser Seite nicht zusätzlich gefährdet.

Wie ist das einmalige staatliche Engagement zur Rettung der Banken zu beurteilen?

Insgesamt haben sowohl die Notenbanken als auch die Regierungen einen ausgezeichneten Job gemacht. Insbesondere die Notenbanken waren sich bewusst, was auf dem Spiel stand, und sie wollten unbedingt die Fehler vermeiden, die in den Dreissigerjahren gemacht worden sind, nämlich die Liquidität zu verknappen, statt sie in vollem Umfange den Bedürfnissen anzupassen. Aber auch sie kamen an Grenzen. Das Vertrauen in das System konnten sie alleine nicht mehr etablieren. Es musste das schwere Geschütz der ganzen staatlichen Macht eingesetzt werden. Regierungen haben stellvertretend für die Bürger nahezu unbegrenzte Garantien abgegeben. Ob das ausreicht, wird sich zeigen müssen. Wichtig wird sein, das System so zu stabilisieren, dass so schnell wie möglich eine Exit-Strategie für das staatliche Engagement definiert werden kann, damit die Ressourcenzuteilung wieder nach marktwirtschaftlichen und nicht nach politischen Kriterien erfolgen kann.

Was müsste im Riskmanagement der Banken verändert werden, um solche Auswirkungen frühzeitig erkennen zu können und die entsprechenden Massnahmen früher einleiten zu können?

Zweifellos hat die Krise beträchtlichen ordnungspolitischen Handlungsbedarf blossgelegt. Es muss alles daran gesetzt werden, dass sich eine vergleichbare Systemkrise nicht wiederholen kann. Bei der Systemstabilität handelt es sich um ein öffentliches Gut. Es kann nur kollektiv bereitgestellt werden. Auf nationaler Ebene muss sicher die „Schockabsorbationsfähigkeit“ der Banken erhöht werden. Dazu gehören weiter reichende Eigenkapitalanteile als es Basel II vorsieht. Aus schweizerischer Sicht ist es auch entscheidend, dass die Bilanzverpflichtungen nicht in Dimensionen gefahren werden, die die Risikofähigkeit des Staates sprengen könnten. Dazu wird es erforderlich sein, Verschuldungsrelationen festzulegen. Dies um so mehr, als ein erfolgreiches Private Banking - das eigentliche Kernstück des schweizerischen Bankwesens - nahezu ohne Bilanz betrieben werden kann. Viele Privatbanken und Vermögensverwalter machen es vor.

Die UBS hat es nicht mehr alleine schaffen können. Ob die CS die Kurve noch kriegt, ist eine offene Frage. Wo stehen wir?

Für beide Institute dürfte das schlimmste überstanden sein. Sie stehen jedoch vor gewaltigen Herausforderungen, denn die Geschäftsmodelle müssen auch aus Sicht der Aktionäre gründlich überarbeitet werden. Es kann nicht sein, dass die einmalige Stellung, welche die beiden Institute im weltweiten Vermögensverwaltungsgeschäft einnehmen, mit den Investmentaktivitäten derart gefährdet wird. Letzteres muss deutlich zurückgefahren werden. Die UBS hat sich in dieser Hinsicht bereits auf den Weg gemacht. Die CS wird diesem Beispiel folgen müssen. Dies um so mehr, als systembedingt (moral risk) ein Anreiz besteht, Bilanzen im nächsten Aufschwung wieder hochzufahren, da die Risiken der Allgemeinheit angelastet werden können. Denn nach den Erfahrungen dieser Krise ist jedermann klar geworden, dass die beiden Institute in jedem Fall staatlichen Schutz in Anspruch nehmen können. Sie sind schlicht zu gross, um fallen gelassen zu werden.

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Josef Marbacher, Xecutives bedankt sich ganz herzlich für dieses topaktuelle Interview!

Liebe Leserinnen und Leser, bitte beachten Sie auch den soeben publizierten Fachbeitrag von Prof. Dr. Josef Marbacher: Die Finanzkrise und ihre Auswirkungen auf Konjunktur, Geld- und Kapitalmärkte - Eine Standortbestimmung

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