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Monatsinterview September: Helmut Hubacher

Helmut Hubacher. Mit freundlicher Genehmigung von www.dasbreitehotel.chHelmut Hubacher, Jahrgang 1926, gehört zu den bekanntesten Schweizer Politikpersönlichkeiten. 34 Jahre lang war er als Nationalrat (1963 – 1997) tätig. Als Präsident der SP Schweiz (1975 – 1990) wurde er auch über die Grenzen der Schweiz bekannt. Nebst vielem mehr setzte er sich seine ganze politische Karriere lang für die Rechte der Arbeitnehmenden und für Partnerschaft zwischen Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden ein. Auf Helmut Hubacher folgte eine nicht minder bekannte Persönlichkeit an die Parteispitze der SP - Peter Bodenmann. Beide gehörten lange Zeit zu den politischen Schwergewichten, welche die SP hervorgebracht hatte. Helmut Hubacher ist Autor zahlreicher Bücher und ist seit Jahren für die BaZ, aber auch für die Schweizer Illustrierte als Kolumnist tätig. Im Interview mit Christian Dueblin spricht Helmut Hubacher über seine Jugendzeit, den Einfluss seines Grossvaters auf seine Denk- und Lebensweise, seine Karriere als Nationalrat und Parteipräsident, genauso wirft er einen kritischen Blick auf die politische Landschaft in der Schweiz und ihre Zukunft.

Christian Dueblin: Sehr geehrter Herr Hubacher, in der Regel sind es sehr frühe Erlebnisse, die ein Mensch macht und die ihn prägen, sei es politisch aber auch in Bezug auf Ethik und Moral, Eigenschaften, die sich dann auch im beruflichen Leben widerspiegeln. Was und wer haben Sie in Ihren frühesten Kindheitsjahren geprägt?

Helmut Hubacher: Ich bin in Bern geboren und in Zollikofen (BE) bei meinen Grosseltern aufgewachsen, nachdem sich meine Eltern, als ich 3 Jahre alt war, scheiden liessen. Ich verlor lange Zeit den Kontakt zu meiner Mutter, hatte aber Kontakt zu meinem Vater, der Buchhalter war. Er wusste, dass ich bei meinen Grosseltern, die im Grunde genommen nach der Scheidung zu meinen „Eltern“ wurden, gut aufgehoben war. Das Hin- und Hergerissen Sein zwischen den Eltern, wie es manches Scheidungskind leider erfahren muss, blieb mir glücklicherweise erspart.

Es war vor allem mein Grossvater, der mich in der Folge massgeblich geprägt hatte. Er war Fabrikarbeiter bei der Hasler AG in Bern, die nun zur Ascom gehört. Die Hasler AG war damals beispielsweise die Hoflieferantin für Telefonapparate der damaligen PTT, die damalige Bundespost. Mein Grossvater war lange Zeit Werkmeister bei der Hasler AG. Er war sehr exakt und pflichtbewusst. Ich erinnere mich, dass er mit seinen Vorgesetzten immer wieder Probleme hatte, da diesen seine Exaktheit und Pflichtbewusstheit zu weit ging. Später kontrollierte er Endprodukte auf ihre Qualität hin, eine Aufgabe, die ihm aufgrund seines Charakters sehr entsprach. Sehr genau und pflichtbewusst war er auch zuhause. Er wurde 100 Jahre alt und starb 1978.

War Ihr Grossvater auch politisch tätig, sprich hat er Sie auch politisch geprägt?

Er war in keiner Partei und eher ein wortkarger Mann. Ich erinnere mich aber, dass er immer abstimmen und wählen ging und sehr wohl eine eigene Meinung zu vielen politischen Themen hatte. Für ihn und seine Generation gab es damals zwei Klassen von Menschen: die Arbeitnehmer und die Arbeitgeber. Er wollte als Arbeitnehmer nicht noch mehr von anderen abhängig sein und baute sich, um nicht auch noch Mieter sein zu müssen, sein eigenes Haus in Zollikofen. Meine Grosseltern hatten es am Ende ihres Lebens geschafft, die Hypothek für das Haus selbständig abzuzahlen. Das hat mich stets sehr beeindruckt. Beide hatten einfach gelebt. Die längste Reise meiner Grosseltern ging im Jahr 1939 von Bern nach Zürich an die Landesausstellung. Beide gehörten sie der Generation an, die eigentlich nie gute Zeiten erlebt hatten. Die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg war schwierig. Nach dem Krieg kam der Generalstreik und kurze Zeit später kamen Hitler und der Zweite Weltkrieg. Als es dann ab den Fünfzigerjahren endlich aufwärts ging, war diese Generation bereits in Ruhestand. Sparen wurde damals nicht gepredigt. Es war schlicht selbstverständlich, dass das Licht nur dort brannte, wo man sich auch aufhielt. Es wurde auch nur im Wohnraum geheizt. All das hat mich mein Leben lang sehr geprägt.

Sie haben später eine grosse politische Karriere gemacht, waren lange Zeit Nationalrat und auch Präsident der SP Schweiz. War es immer Ihre Absicht, sich politisch einzubringen oder waren Ihre politischen Ämter mehr Zufälle, so, wie sie das Leben halt oft mit sich bringt?

1946 nach der Rekrutenschule - ich war damals im dritten Lehrjahr Aspirant für die SBB - verschlug es mich nach Basel. Nach einem halben Jahr hätte ich nach Beinwil am See versetzt werden sollen. Ich bat jedoch, in Basel bleiben zu dürfen. Schon 1946 war ich Mitglied bei der Sozialdemokratischen Jugend (SDJ), heute JUSO genannt. Die SP-Sektion Breite, bei der ich kurze Zeit darauf politisch tätig war, war damals völlig überaltert. Sie bekamen offenbar während 700 Jahren keine Jungen mehr (lacht). Ich wurde gleich Protokollführer und damit begann meine politische „Karriere“. 1954 wurde ich in den Grossrat gewählt. Ich kandidierte später auch als Nationalrat. Vor der letzten Session im Jahr 1963 starb mein Vorgänger ganz unerwartet. Ich rückte als Ersatzmann nach und wurde Nationalrat. Hier sehen Sie, dass auch in meiner politischen Karriere der Zufall eine Rolle spielte.

Wie kam es zur Wahl zum Präsidenten der SP Schweiz, ein Amt, das Sie auf einen Schlag auch schweizweit sehr bekannt machte?

Für dieses Präsidium habe ich mich nie beworben. Ich war im Übrigen auch nicht die erste Wahl und der Zufall spielte wieder eine Rolle. Arthur Schmid, damaliger Regierungsrat des Kantons Aargau, war 1973 offizieller Bundesratskandidat. Als aber Willi Richard als Bundesrat gewählt wurde, wollte Schmid nicht mehr weitermachen. Er verlor den Spass am Präsidium. Ein weiterer Kandidat für das SP-Präsidium war Rolf Weber, Sohn des ehemaligen Bundesrates Weber. Da er aber weit weg von Bern in Arbon wohnte, wollte er das Präsidium nicht annehmen. Es geht bei solchen Ämtern nicht nur darum, was einer kann, sondern auch wie viel Zeit ihm zur Verfügung steht. Ein solches Milizamt fordert einen sehr. Ich wurde schliesslich 1975 als Parteipräsident gewählt und für mich war das ein bisschen wie an der Tour de France. Es fahren alle die gleiche Strecke ab. Aber mit dem Maillot Jaune fährt es sich einfach etwas leichter (lacht).

Wie gingen Sie an dieses Amt heran? Was waren damals die Herausforderungen in der Parteileitung?

Ich musste schon am Anfang grosse Veränderungen im Vorstand herbeiführen. So ging es beispielsweise darum, die Sitzungen speditiver und kürzer zu gestalten. Ich sah es offiziell als meine Aufgabe an, das Zeitbudget des Vorstandes gut zu verwalten. Das verstanden anfänglich nicht alle. Es sollten sich auch nur noch diejenigen zu Geschäften äussern, die etwas zu sagen hatten, ohne Wiederholungen. Mit anderen Worten habe ich nichts anderes gemacht, als das, was heute in den meisten Geschäftsleitungen in Unternehmen auch der Fall ist.

Es gibt den Typ Politiker, der damit zufrieden ist, dass er gewählt wird. Das war nicht mein Ansatz. Ich dankte nach 15 Jahren als Parteipräsident auch nur den Unbequemen, die mich gefordert hatten. Ich hatte einige Personen um mich, die offen mit mir sprachen und mit Ideen oder auch mit Kritik auf mich zukamen. Frank A. Meyer war so eine Person, aber auch andere innovative und kreative Köpfe, beispielsweise der Kleinunternehmer Werner Buser und der Militärberater Erich Varone. Auch Andreas Gehrwig gehörte zum kleinen Kreis dieser Menschen, die man heute als Sparring-Partner bezeichnen würde.

Für mich war es in dieser intensiven Zeit auch sehr wichtig, mich immer wieder abgrenzen zu können und meinen familiären Verpflichtungen nachzukommen. Man fand mich nur an ganz wenigen sogenannten „repräsentativen“ Anlässen. In Basel ist man als Nationalrat gleich auf der Promiliste und man wird zu allem eingeladen. Den meisten Einladungen folgte ich nicht und für die Wochenenden nahm ich, abgesehen vom Parteitag und Vorstandssitzungen, ganz grundsätzlich keine Einladungen an. Ich hätte ansonsten wohl das Zölibat wählen müssen. Im Übrigen denke ich, dass sich dieses Fernhalten von vielen repräsentativen Anlässen auch positiv auf meine Gesundheit ausgewirkt hat. Das viele Essen, viele Trinken und zuwenig Schlaf, die damit oft verbunden sind, konnte ich damit umgehen (lacht).

Viele Menschen haben sich in Interviews mit Xecutives.net über Basel und seine Eigenheiten geäussert, so auch der Schriftsteller Hansjörg Schneider, der im Gespräch seine Beziehung zu dieser Stadt auf wunderbare Weise beschreibt. Wie haben Sie als Berner Basel erlebt?

Ich habe Basel immer als eine grosse Wohltat empfunden. Es handelt sich um eine offene Stadt, die es erlaubt, gut Kontakte knüpfen zu können. Besonders fasziniert hat mich schon von Anfang an die Basler Fasnacht, ein Anlass der vollkommenen Unordnung, an dem tout Bâle gemischt anzutreffen ist. Das kannte ich aus Bern kommend überhaupt nicht. In Basel galt die Devise, dass die Polizei dein Freund und Helfer ist. Der damalige Polizeipräsident Brechbühl motivierte bekannte Sportler, darunter auch Leichtathleten und Schwinger, sich für die Polizei zu melden, was die Popularität und Akzeptanz der Polizei enorm erhöhte. Basler Polizisten waren damals übrigens in Massuniformen der Schneiderei Lämmlin, der besten Adresse in Basel, unterwegs.

Was für politische Erfahrungen machten Sie in Basel?

Die Freisinnigen hiessen damals in Basel Radikaldemokratische Partei. Diese Partei hat sich vom Züricher Freisinn in vielerlei Hinsicht unterschieden. Otto Miescher und Alfred Schaller hatten beide vor ihrer Wahl als Regierungsräte des Kantons Basel bei der SBB gearbeitet. Auch dann blieben sie als Freisinnige Mitglieder der Gewerkschaft. Das wäre in Zürich undenkbar gewesen und zeigt, wie die Basler anders ticken. Die Liberalen in Basel gründeten beispielsweise auch den Allgemeinen Consumverein ACV, heute Coop. Ich würde die Basler Liberalen deshalb als aufgeschlossenes Bürgertum bezeichnen. Das hatte grosse Auswirkungen auf die Politik.

Ich war eben im Kunstmuseum in Basel. Man will einen Film über die Vorkommnisse rund um die beiden Picasso-Bilder, die 1967 von der Stadt Basel gekauft wurden, drehen. Damals stimmten die Bürger einem Kredit zu, die beiden Bilder zu kaufen. Das hat weltweit Wellen geschlagen, denn noch nie zuvor kam es vor, dass eine Stadt ihre Bürger über den Kauf von Bildern abstimmen liess. Es ging damals um einen Kredit von 6 Millionen Franken und niemand dachte, dass dieser Kredit bewilligt würde. Pablo Picasso war vom Ja dermassen angetan, dass er der Stadt weitere vier Bilder schenkte! Das Basler Kunstmuseum gehört heute noch zur weltweiten Spitze. Basel ist mit 180'000 Einwohnern auch die einzige Stadt, die zwei Pharma-Weltkonzerne ansässig hat.

Mir scheint, dass die politische Entscheidungsfindung heute schwieriger ist als früher. Vielen Parteien fällt es schwer, sich zu positionieren und sie scheinen im steten Prozess der Sinnfindung zu sein. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie die politische Landschaft der Schweiz heute beobachten?

Ich selber gehöre einer Generation an, die absolut privilegiert ist und war. Ich habe es in den Sechzigerjahren erlebt, dass der Bundesrat Massnahmen gegen die Überhitzung der Wirtschaft einleiten musste. Der Bundesrat musste, weil alles auf Höchsttouren lief, auf die Bremse stehen. Es war damals schwierig, auf dem Arbeitsmarkt Arbeitskräfte zu bekommen. Bei jedem Stellenwechsel war ein höherer Lohn bereits schon sicher. Das war eine sehr gute Zeit für die Arbeitnehmer. Bundesrat Hans-Peter Tschudi fragte ich einmal, wie er es schaffe, alles durchzubringen, was er im Sinn hatte. Er meinte auf meine Frage hin, dass er den anderen nicht dreinreden würde, dann würden auch sie ihn machen lassen. Ich dachte damals, dass das doch nicht der Sinn einer Regierung sein könne. Immerhin handelt es sich um ein Kollegial-Gremium. Es war aber so viel Geld vorhanden, dass jeder Bundesrat seine Vorlagen durchbrachte. Das hat, um auf Ihre Frage zurückzukommen, die ganze Politik viel einfacher gemacht.

1973 brachte die Ölkrise einen Einbruch in der Wirtschaft. Sie kam ins Stocken. Plötzlich gab es in der Schweiz 300'000 Arbeitslose. 250'000 Ausländer wurden daraufhin kurzerhand nach Hause geschickt. Die resultierende Arbeitslosenquote war trotz der Krise im Vergleich zu anderen Ländern sehr tief. Ein tristes Kapitel ist der Fichen-Skandal. 900'000 Personen, die man als potentiell „subversiv“ einstufte, waren überwacht und „fichiert“ worden. Dieser Vorfall rüttelte viele Menschen aus allen politischen Lagern wach. Etwa zeitgleich machte die Sowjetunion politisch Konkurs. Damit verlor die westliche Welt und deren Kapitalismus auch ihren grossen Gegner. Die neoliberale Politik führte zum heutigen „Raubtierkapitalismus“.

Es gibt viele Dinge, die sich wirklich verändert haben und nicht nur mit der eigenen Betrachtungsweise der Dinge zu tun haben. Was hat sich Ihres Erachtens seit dem Ende Ihrer politischen Karriere in der Schweiz, aber auch anderswo, wirklich verändert?

Heute fehlen mir als Sozialdemokrat und aufmerksamer Zeitungsleser auf bürgerlicher Seite Menschen wie ein Ulrich Bremi, u.a. auch langjähriger Verwaltungsratspräsident der Swiss Re, ein Freisinniger der alten Schule. Ich erinnere mich an eine Generalversammlung der damaligen Schweizerischen Bankgesellschaft. Es kam zum Auftritt von Martin Ebner. Nikolaus Senn, dem damaligen Verwaltungsratspräsidenten der Schweizerischen Bankgesellschaft, wurde vorgeworfen, er würde mit seiner Bank zu wenig Gewinn machen. Senn meinte, die Bank müsse natürlich Gewinn machen, sie habe aber auch noch eine Verantwortung gegenüber dem Personal, der Gesellschaft und auch den Kunden. Er machte klar, dass es nicht nur den endlosen Gewinn gibt, sondern auch andere Faktoren beim Wirtschaften und Geschäften. Das war das letzte Mal, dass ich einen Bankier so argumentieren hörte. Mich hat das damals sehr beeindruckt.

Ich erinnere mich an eine zweite besondere Begebenheit ähnlicher Art. Es war in der Finanzkommission des Nationalrates in den Sechzigerjahren. Adolf Schäfer, Boss der Schweizerischen Bankgesellschaft, sagte damals anlässlich eines Seminars dem EMD-Chef Rudolf Gnägi, es gäbe viel zu viele Oberste im Militär und das sei auch für die Wirtschaft schädlich. Es werde zuviel Geld für Waffen ausgegeben. Gnägi konterte und meinte zu Schäfer, er sei doch selber Oberst, worauf Schäfer sagte, dass es nicht verboten sei, im Leben gescheiter zu werden.

Als Vertreter der SP waren Sie aber manch einem Vertreter aus der Wirtschaft auch ein grosser Dorn im Auge.

Ja, aber als SP-Präsident habe ich immer den Kontakt und das Gespräch mit Unternehmern gesucht, um ihre Probleme und Meinungen zu erfahren. Alex Krauer, Chef Ciba-Geigy, referierte bei uns im Basler Gewerkschaftsbund. Es wurde eingehend über seine Firma, die Probleme und Herausforderungen der Wirtschaft, aber auch der ganzen Schweiz diskutiert. Das war eine ganz andere Art der gegenseitigen Kommunikation. Heute fehlen mir diese Persönlichkeiten.

Viele dieser Unternehmer und Führerfiguren sind nun aber auch diejenigen, welche die Generation von Managern herangezüchtet hat, die offenbar ein weit weniger grosses Verständnis für soziale Fragen mitbringen und sich nicht selten über Profit definieren. Waren die Menschen früher wirklich besser als heute?

(Denkt lange nach) Das ist eine schwierige Frage. Ich lese immer noch sechs Tageszeitungen und bin gut informiert. Ich will nicht zu den Menschen gehören, die sagen, früher sei alles besser gewesen und ich hätte das alles besser gemacht. Erhard Eppler, ein bekannter deutscher Buchautor und SPD-Vordenker, sagte mir vor einiger Zeit, es gäbe in Deutschland immer mehr Bundestagsabgeordnete, die vom Hörsaal direkt in den Plenarsaal kämen. Diesen fehlt die Lebenserfahrung.

Herr Hubacher, wo denken Sie, geht die Reise der Schweiz hin und was wünschen Sie der Schweiz und sich selber für die Zukunft?

Zentral für die Schweiz ist das Verhältnis zur EU. Im Moment ist ein Beitritt der Schweiz zur EU politisch nicht denkbar, solange der bilaterale Weg funktioniert. Erst wenn sich der Alleingang im Portemonnaie bemerkbar macht, erst wenn es wirklich schmerzt, wird ein Beitritt wieder Thema. Ich kann nicht sagen, ob das je so kommen wird. EU-Kommissionspräsident Jacques Delors sagte mir einmal, dass wir Schweizer der EU nie zugetraut hätten, überhaupt zu funktionieren und zu existieren. Heute befindet sich die EU in einer Krise, die sie meines Erachtens aber überwinden wird.

Wichtig ist, dass es der Schweiz nicht einfach passiert, ganz unbewusst in eine 10 Millionen-Gesellschaft hineinzurutschen. Die Schweiz muss bewusst von der Politik gestaltet werden. Sie muss sich somit die Frage stellen, ob sie die 10 Millionen-Gesellschaft haben will oder nicht. Wenn ja, dann muss sie sich fragen, wie man mit ihr umgeht und wie man eine solche Gesellschaft sozial- und umweltverträglich gestalten kann. Ich bin überzeugt, dass die Schweiz das schafft. Denken Sie daran, fast alles braucht mehr als einen Anlauf. Das war so bei der AHV oder beim Frauenstimmrecht. Nichts hat einfach so das erste Mal funktioniert. Es ist in der Schweiz im ersten Anlauf nie etwas wirklich Bedeutendes gelungen.

Für mich wünsche ich in meinem Leben nur, dass ich und meine Frau Gret gesund bleiben und ich mich weiterhin vielseitig beschäftigen kann. Es ist mir auch mit 86 Jahren nicht langweilig. Ich bin aktiv und bin mit vielen Sachen beschäftigt, die mich erfüllen.

Sehr geehrter Herr Hubacher, ich bedanke mich für dieses Gespräch und wünsche Ihnen weiterhin alles Gute!

(C) 2012 by Christian Düblin. Alle Rechte vorbehalten. Anderweitige Publikationen sind nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors gestattet.

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