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Spezialinterview Gesundheit: Dr. med. Marco Caimi

Dr. med. Marco Caimi (c) Marco CaimiDr. med. Marco Caimi, 1962, ist Arzt für Rehabilitation und physikalische Medizin. Er setzt sich seit vielen Jahren mit Fragen der Gesundheit von Managerinnen und Managern auseinander und hat sich als Seminarleiter für viele Firmen zu Themen der Gesundheit und Corporate Health einen Namen gemacht. Dr. Marco Caimi arbeitet über seine Firma Äquilibris, die er zusammen mit Patrik Meier betreibt, als Arzt und Management-Trainer. Er hat zum Thema Gesundheit und Gesundheitsprophylaxe diverse Bücher verfasst. Im Interview mit Christian Dueblin spricht Dr. Marco Caimi über die Zusammenhänge zwischen Gesundheit und Krisen in der Wirtschaft sowie über die gesundheitlichen Gefahren einer immer schneller werdenden Welt. „Ist die Schweiz krank?“, lautet der Titel des Einstiegsreferates zum nächsten Swiss Economic Health Forum (SEHF), dessen Mitbegründer Dr. Marco Caimi ist.

Christian Dueblin: Sehr geehrter Herr Dr. Caimi, was war Ihre persönliche Motivation, sich als Facharzt für Rehabilitation und physikalische Medizin zumindest teilweise von einer klassischen medizinischen Karriere abzuwenden und neue Wege auf den Gebieten der „Gesundheitsfindung“ einzuschlagen?

Dr. med Marco Caimi: Ich bin vor vielen Jahren von einem Kollegen angegangen worden. Er machte damals für die Pharmaindustrie Werbung. Nach 30 Jahren Werbung für Medikamente gegen die verschiedensten Krankheiten wollte er versuchen, etwas dagegen zu tun, dass die Leute überhaupt krank werden. Er konnte seine Präventions-Ideen jedoch als Marketing-Fachmann und Werber nicht alleine verwirklichen, sondern brauchte Fachpersonen, die authentisch waren und seine Ansichten teilten. Es lag bereits ein Schulungskonzept vor. Ich fand seine Idee und seinen Ansatz sehr interessant und wir fingen an, Einzelpersonen in Bezug auf Gesundheitsprävention zu schulen, aber auch ganze Gruppen von Menschen zu beraten und zu coachen. Das passierte zu einer Zeit, als Themen wie innerbetriebliche Gesundheitsförderung, Burnout oder Work Life-Balance noch weitgehend Tabus waren.

Sie veranstalten dieses Jahr wieder ein Swiss Economic Health Forum (SEHF). Sie haben diesen Anlass, auf den wir noch zu sprechen kommen werden, zusammen mit einem Kollegen ins Leben gerufen. Das Einstiegsreferat für das nächste Forum im Juni 2010 wird vom Weltwoche-Chef Roger Köppel gehalten. Das Thema lautet: Ist die Schweiz noch gesund? Wirtschaftlich ist sie das zurzeit sicher nicht. Wie schätzen Sie als Gesundheitsberater und Arzt den „gesundheitlichen“ Zustand der Schweiz ein?

Die Krise hat teilweise extreme Auswirkungen auf die Menschen. Es ist Angst da und wie man so schön sagt, frisst Angst die Seele auf. Wir diagnostizieren zunehmend psychosomatische Probleme. Das reicht von Schlafstörungen zu Kopfschmerzen bis hin zu gravierenden Rückenproblemen. Das sind typische Anzeichen dafür, dass im Körper etwas nicht richtig funktioniert. Oft sind es psychische Faktoren, die zu solchen Symptomen führen. Je grösser beispielsweise die Arbeitsplatzunsicherheit ist, desto mehr nehmen diese Symptome zu. Das stellen wir in allen Krisenzeiten fest. Betroffen sind Menschen aller Gesellschaftsschichten.

Was hat das Ihres Erachtens für Konsequenzen für unser Gesundheitssystem?

Die Frage ist, ob die gesundheitlichen Probleme, die wir zurzeit feststellen, wirklich nur auf die wirtschaftliche Lage zurückzuführen sind, oder ob es nicht auch noch andere Gründe dafür gibt. Die „Geschwindigkeit“ unseres Lebens hat Auswirkungen auf die Gesundheit. Wir befassen uns in unseren Seminaren beispielsweise mit Themen wie Kommunikation, E-Mail-Arbeit und der von uns erwarteten ständigen Erreichbarkeit. Viele Menschen haben Mühe, sich auf gesunde Art und Weise dieser Geschwindigkeit zu entziehen. Der Mensch muss mit dem beschleunigten Lebensrhythmus umgehen können. Das ist nicht ganz einfach. Er ist, einmal abgesehen von der Krise, eine Hauptursache für Stress und Krankheit.

Es wird seit einiger Zeit auch in der Politik und den Medien davor gewarnt, dass unsere sozialen und medizinischen Systeme an Grenzen stossen. Der Leidensdruck, um wirksame Massnahmen zu ergreifen, scheint aber noch zu klein zu sein. Was ist diesbezüglich Ihre Prognose als Arzt?

Die Kosten des Gesundheitswesens und der Mangel an Pflegepersonal sind akute Probleme, die sich noch verschärfen werden und auf die wir nur wenig vorbereitet sind. Schon heute wäre ein funktionierendes Gesundheitssystem in der Schweiz ohne ausländische Fachkräfte absolut undenkbar. Unser Gesundheitssystem würde ohne sie zweifelsohne kollabieren. In Bezug auf die Renten der beruflichen Vorsorge muss nun der Umwandlungssatz nach langen Diskussionen gesenkt werden. Man hat erkannt, dass die Renten nicht ausreichen werden und Kürzungen und Abstriche unvermeidlich sind. Diese Diskussion wird öffentlich geführt. In Bezug auf das Gesundheitswesen wird es in die gleiche Richtung gehen. Es gibt immer mehr alte Menschen. Wer alt ist, kostet auch mehr. Das ist systemimmanent. Pro Jahrzehnt nimmt die Lebenserwartung um 1 Jahr zu. Die Gesellschaft hat noch nicht verstanden, dass die grösste Aufgabe für unsere Branche darin besteht, möglichst viele Menschen im Alter möglichst fit und selbstständig zu erhalten, die Menschen also vor Krankheit zu bewahren. Bei unserer Bevölkerungspyramide laufen wir mit unserer heutigen Denkweise leider in ein Desaster. Die viel gepriesene Immigration wird diese Situation nicht merklich verbessern und kompensieren können, denn sehr viele Menschen, die immigrieren, müssen selber vom Sozialwesen unterstützt werden und verursachen hohe Kosten. Es bedarf deshalb einer grossen Bewusstseinsänderung. An den Universitäten müssen ökonomische Fächer und Vorlesungen über Prävention und Gesundheit für angehende Ärzte einen ganz anderen Stellenwert erhalten als sie heute haben. Das werden wir unter anderem am SEHF mit Spezialisten diskutieren.

Sie haben sich in den letzten Jahren intensiv mit Managerinnen und Managern auseinandergesetzt und helfen ihnen, ihre Gesundheit zu behalten oder zu verbessern. Was sind die typischen Symptome, die Menschen zu Ihnen bringen?

Es gibt viele Menschen, die einfach keine Kraft mehr haben. Sie haben Mühe, ihren Alltag auf die Reihe zu bekommen. Das hängt oft damit zusammen, dass sie nicht mehr richtig schlafen können und die Lust am Leben verloren haben. Ein Klient meinte vor einiger Zeit, er sei in einer Altersfalle gelandet. Er könne sich nicht mehr länger als eine halbe Stunde konzentrieren und die Treppen im Büro würden ihm wöchentlich immer steiler erscheinen. Das sind klare Symptome dafür, dass etwas im Körper nicht mehr funktioniert und eine Änderung der Lebensweise angesagt ist. Eine falsche Lebensführung, eine falsche Haltung bei der Arbeit, das Vernachlässigen der Familie und seiner Umwelt sowie zuwenig Bewegung rächen sich irgendwann am Körper. Das führt später zu Problemen mit der Wirbelsäule sowie zu Kopf-, Nacken- und Kreuzschmerzen. Die mangelnde Bewegung resultiert zudem in vielen Fällen in Übergewicht, was zu weiteren gesundheitlichen Problemen führt. In unseren Schulungen und Corporate Health–Programmen versuchen wir, die Symptome schon sehr früh zu erkennen und darauf hinzuwirken, dass es gar nicht erst zu gesundheitlichen Problemen kommt.

Waren es diese Erkenntnisse, die Sie motivierten, an die Öffentlichkeit zu gehen oder möchten Sie das World Economic Forum (WEF) in Davos konkurrenzieren?

(Lacht) Es darf davon ausgegangen werden, dass am WEF einige Menschen teilnehmen, die von unseren Kursen viel profitieren könnten. Die Idee für das SEHF hatte ich anlässlich von Weiterbildungen, an denen ich selber teilgenommen habe. Die deutsche Fachzeitschrift „Sportmedizin“ untersuchte vor vielen Jahren die Kompetenz der medizinischen Grundversorger in Deutschland, also von Ärzten, Spitälern und dem medizinischen Fachpersonal ganz generell. Es wurde geprüft, ob die Grundversorger fähig waren, Einstiegsprogramme für Patienten, die beispielsweise an Bluthochdruck, Übergewicht oder an Stresssymptomen litten, anzubieten oder auch nur zu empfehlen. Auch wurde untersucht, wie viel Sport die Grundversorger machten und wie authentisch sie selber ihre Gesundheitsratschläge lebten. Die Zeitschrift stellte fest, dass 70% der Grundversorger sich nicht im Stande fühlten, ein qualitativ hochwertiges Einstiegsprogramm für die Patienten empfehlen und vermitteln zu können. 90% antworteten, dass sie kein Mal bis ein Mal pro Woche Sport machten. Eine solche Grundversorgung ist in Bezug auf eine gute Prävention natürlich sehr fragwürdig. Das Resultat dieser Studie ist ein klares Anzeichen dafür, dass die Prävention völlig vernachlässigt wird. An diesem Punkt entschied ich mich, an meine Kollegen heranzutreten und Programme zur Verbesserung dieser Situation anzubieten. Kurz darauf, das ist nun 7 Jahre her, lud ich zum ersten Seminar „Art of Movement“ im Hotel Waldhaus in Flims ein. Es handelte sich um eine Weiterbildung für Ärzte, die sich mit Bewegung, Prävention, aber auch Spitzensport auseinandersetzte. Es waren beispielsweise Edith Hunkeler und Simone Niggli-Luder anwesend, die von ihren Erfahrungen im Spitzensport berichteten. Es ging aber auch um gesellschaftliche und wirtschaftliche Fragen rund um die Medizin, die wir mit Fachexperten behandelten. Aufgrund dieser Kurse und in Zusammenarbeit mit meinem Kollegen Patrick Meier entstand vor zwei Jahren das Swiss Economic Health Forum.

Wer ist Ihr Zielpublikum?

Dr. med. Marco Caimi und Patrick Meier: "Löwen tragen keine Uhren". ISBN 978-3-905327-37-3. Das Thema Prävention und auch Wörter wie „Burnout“ oder „Leistungsabfall“ erzeugen in gewissen Managementkreisen nach wie vor grosse Ängste. Menschen, die täglich unter enormem Leistungsdruck stehen, meinen teilweise immer noch, sie könnten es sich nicht leisten, sich in Seminaren und an Foren zu diesen Themen sehen zu lassen. Als Arzt ist mir klar, dass diese Themen noch vor einigen Jahren ganz allgemein grosse Tabus darstellten. Es war vielen Menschen, die ich behandelte und die in Spitzenpositionen arbeiteten, sehr unangenehm, Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen. Sie empfanden eine Behandlung anfänglich oft als demütigend und „imageschädigend“. Heute gibt es aber auch sehr bekannte und leistungsstarke Menschen, die in einem Moment in ihrem Leben zugeben, nicht mehr weiterzukommen. Gerade konnten wir über Ueli Steck und sein Burnout in den Zeitungen lesen. Er ist ein Mann, der grösste Leistungen erbracht hat. Offensichtlich haben ihn aber der ständige Leistungsdruck, die Medienberichterstattung, der Kampf um Sponsoren und weitere Probleme in die Knie gezwungen. Sein Körper machte nicht mehr mit. Er steht damit nicht alleine da. Es fällt aber auch heute noch vielen Menschen schwer, sich einzugestehen, dass sie nicht fit sind und sich mit ihrer Gesundheit auseinanderzusetzen. Dem wollen wir mit dem Forum entgegenwirken und Türen öffnen. Zum Zielpublikum gehören beispielsweise Manager, die in Personalabteilungen tätig sind oder grosse Teams und Abteilungen führen, sich also täglich mit anderen Menschen auseinandersetzen. Sie sind es, die Symptome bei ihren Mitarbeitenden erkennen und sich damit auseinandersetzen können und müssen. Es sind aber auch Unternehmer und Besitzer von KMUs, die sich angesprochen fühlen. Schliesslich gibt es auch Menschen, die einfach Interesse an ihrer Gesundheit haben und präventiv etwas dafür machen möchten. Kurz gesagt, sind es Menschen, die ein Mindestmass an Bewusstseinsbildung in Bezug auf Gesundheit und Lebensqualität haben.

Was unterscheidet das Forum von anderen gängigen Seminaren zum Thema Prävention und Gesundheit?

Wir bieten keine fertigen Lösungen an. Von Veranstaltungen, die dies tun, distanzieren wir uns. Solche Lösungen gibt es nicht. Wir bieten vielmehr Diskussionen mit Fachexperten an und sprechen gemeinsam über gesundheitliche Herausforderungen. Jeder Fachexperte bringt sich mit seinem Spezialwissen ein. Die Teilnehmer und Referenten begegnen sich bei uns auf einer viel persönlicheren Ebene, als das normalerweise an solchen Anlässen der Fall ist. Wir motivieren die Besucher im Übrigen, zusammen mit ihren Lebenspartnern ans Forum zu kommen. Der Faktor Lebenspartner wird im Zusammenhang mit der Gesundheit leider oft vernachlässigt.

Sie haben von Corporate Health gesprochen. Was können die Unternehmen für die Gesundheit der Mitarbeitenden tun?

Wir unterstützen viele staatliche, aber auch private Unternehmen in Bezug auf Fragen der Gesundheit der Mitarbeitenden. Wir haben beispielsweise Kunden aus der Transportbranche, die bemerken, dass die Mitarbeitenden eine sehr hohe Krankheitsrate aufweisen, weil sie den grössten Teil der Arbeitszeit hinter dem Steuer verbringen. In einem Fall war das so extrem, dass die Chauffeure auf 25 Krankheitstage pro Jahr kamen. Das Management erkannte das Problem, wollte Gegensteuer geben und schaltete uns ein. Ausfallraten in diesem Ausmass sind ökonomisch messbar. In vielen Fällen ist es aber nicht so einfach, die Gesundheit der Mitarbeiter in einen ökonomischen Zusammenhang zu bringen. Das erschwert die Angelegenheit, denn was nicht direkt messbar ist, wird in der Chefetage oft auch nicht angegangen. Wir haben beispielsweise auch Unternehmen als Kunden, die ein Lifestyle-Produkt oder eine Gesundheitslinie verkaufen und feststellen, dass die Mitarbeitenden selber nicht fit und gesund sind. Natürlich ist es schwierig, solche Produkte an den Mann zu bringen, wenn der Verkäufer selber keinen gesunden Eindruck beim Kunden hinterlässt. Auch in solchen Fällen greifen wir ein und helfen den Teams, fit und authentisch zu werden.

Zum Teil werden Probleme in unserem System nicht gelöst, sondern lediglich von einem Ort an einen anderen verschoben. Mitarbeitende, die krank sind, werden nicht selten beispielsweise an die IV verwiesen. Was beobachten Sie als Mediziner diesbezüglich auf dem Markt?

Dr. med. Marco Caimi: "Energie - Emotionen - Erwachen". ISBN 978-3-86805-530-6. Diese Vorgehensweisen sind bekannt. Sie führen zu grossen Problemen. In meinem Buch „Energie – Emotionen – Erwachen“ (Anm.d.R. erschienen bei Pro BUSINESS Berlin, 2009) ist beschrieben, was ein junger Mann, der zwei Kinder hat und IV-Bezüger wird, die Pensionskasse bis zu seiner Pension kosten kann. Es geht um sehr hohe Beträge, die sich das Management vor Augen halten muss. Ich stelle fest, dass diejenigen Unternehmen, die die Eigenverantwortung für ihre Mitarbeitenden wahrnehmen, ein grosses Interesse an deren Gesundheit haben. Schliesslich sind es die Mitarbeitenden, die ein Unternehmen erfolgreich machen. Claudio Ammann, CEO von Sony Schweiz, machte am letzten Forum aber darauf aufmerksam, dass die Gefahr bestehe, dass die Gesundheitsförderung eines Unternehmens von der Belegschaft falsch verstanden werde. Die Mitarbeitenden könnten meinen, man wolle sie mit bestimmten Gesundheits-Programmen auspressen und militärisch fit trimmen, so dass sie noch mehr Leistung erbringen könnten. Es ist also wichtig, dass der Grund für diese Programme auch richtig kommuniziert wird.

Was sind Ihre Argumente, um Unternehmen davon zu überzeugen, dass das Wohlbefinden der Mitarbeitenden finanzielle Auswirkungen auf eine Firma hat? Was spricht für Corporate Health?

Einleitend muss ich zu dieser Frage sagen, dass es nach wie vor viele Manager gibt, vor allem ältere, die für dieses Thema leider kein offenes Ohr haben. Die finanziellen Auswirkungen von Gesundheits-Seminaren auf den Erfolg eines Unternehmens sind nicht immer einfach zu belegen. Führen unsere Seminare dazu, dass die durchschnittlichen Krankheitstage von 25 auf 10 reduziert werden können, dann ist das Resultat überzeugend. Nicht immer sind die Zusammenhänge aber so offensichtlich. Es gibt jedoch eine ganze Anzahl von Studien, die den Nutzen zwischen Gesundheitsförderung und dem Erfolg eines Unternehmens aufzeigen. Schon ganz kleine Schritte führen zu grossem Nutzen für das Unternehmen. Um die Effizienz der Mitarbeitenden zu erhöhen, reicht es beispielsweise bereits, gratis Wasser zur Verfügung zu stellen. Der Wasserkonsum und die Effizienz der Mitarbeitenden stehen in einem direkten Zusammenhang. Das gilt auch für das Anbieten von Früchten. Dabei handelt es sich um minimale finanzielle Aufwendungen. Der Return on Investment-Faktor liegt bei Gesundheitsförderungsprogrammen in einem Unternehmen je nach Studie zwischen 2,5 und 10,5. 1 Franken Investition bringt im besten Fall einen Return von 10,5 Franken. Um diese Zusammenhänge zu verstehen, muss sich ein Management aber ernsthaft mit dem Thema Gesundheit auseinandersetzen.

Corporate Health-Programme sehen nicht für jede Firma gleich aus. Was gilt es zu beachten, wenn man solche Programme einführen will?

Das ist richtig. Corporate Health muss auf eine Firma und eine Branche abgestimmt sein. Es stellt sich beispielsweise die Frage, ob Schicht gearbeitet wird, wo die Firma lokalisiert ist, ob die Landpreise am Firmensitz sehr hoch sind und ob öffentliche Verkehrsmittel vorhanden sind. Wir sprechen von „moved culture“. Der Körper des Menschen ist ein dynamisches System. Durch die weitverbreitete Sitzkultur wird der Körper statisch missbraucht. Das ist nicht nur schlecht. Niemand will mehr in Baumhütten leben und täglich auf die Jagd gehen oder Beeren sammeln. In unserer Gesellschaft braucht es aber einen minimalen Obolus, der auf das Lebenskonto einbezahlt werden muss, um gesund zu bleiben. Damit die Leute bereit sind, diesen Obolus zu leisten, braucht es einen Bewusstseinsprozess. Das Fördern dieses Bewusstseinsprozesses ist eine der Aufgaben von Corporate Health-Programmen. Wir kennen diesen Bewusstseinsprozess von der Corporate Governance her. Dort ist er heute schon ziemlich weit fortgeschritten. Corporate Health muss deshalb Teil der Corporate Governance sein.

Sie zeigen in Ihren Büchern, insbesondere auch in Ihrem neuen Buch Energie – Emotionen – Erwachen (Pro BUSINESS Berlin, 2009) auf, wie man sich fit halten kann und vergleichen den Menschen mit einem Bankkonto. Man kann von diesem Konto abheben, muss aber auch wieder etwas einzahlen, damit man nicht Konkurs geht. Was müssen die Menschen einzahlen, damit sie nicht krank werden bzw. das Risiko, krank zu werden, vermindern können?

Viele Menschen beziehen sehr viel von ihrem Lebenskonto. Sie arbeiten viel, haben auch sonst viele Verpflichtungen im Leben, sind immer unterwegs und unter Stress. Sie trinken an vielen Anlässen Alkohol, essen konstant etwas zu viel, bewegen sich zuwenig und geniessen nicht selten Genussmittel, die zu Suchtmitteln werden. Mit der Zeit können sie nicht mehr richtig schlafen und bekommen auch andere gesundheitliche Probleme. Oft können sie gar nicht mehr richtig abschalten und haben das Gefühl, sie müssten ständig erreichbLogo SEHF - Swiss Economic Health Forum
ar sein. Auf diese Weise können die Batterien nicht mehr aufgeladen werden und das Konto wird überzogen. Das sind nicht selten die ersten Schritte Richtung Herzinfarkt. Das Einzahlen besteht im Übrigen nicht nur in körperlicher Aktivität. Falsche körperliche Aktivität kann im Übrigen die Gesundheit noch mehr schädigen. Das Einzahlen besteht auch in der Fähigkeit, sich nach Abschluss einer Arbeit oder nach einem Projekt zurückzuziehen, um aufzutanken. Das ist für viele Menschen sehr schwer, weil sie schon wieder mit neuen Dingen befasst sind. Das merkt man anfänglich gar nicht. Viele Menschen in solchen Situationen betrachten diese Lebensführung als normal. Einzahlen bedeutet also nicht nur, auf gesunde Weise Sport zu treiben, sondern auch darin, beispielsweise einen gemütlichen Abend mit der Familie oder dem Partner vor dem Cheminée zu verbringen - bei abgeschaltetem Mobile und ohne E-Mail-Kontakt. An unserem Forum zeigen wir unter anderem auch auf, wie man auftanken und sich von gewissen eingefahrenen Mustern lösen kann.

Sehr geehrter Herr Dr. Caimi, was sind Ihre Wünsche in Bezug auf das SEHF 2010?

Vom SEHF 2010 wünsche ich mir, dass die hochverdienten, spannenden aber auch bewusst polarisierende Referenten wie die Herren Roger Köppel, Roger Schawinski, Ulrich Clement, Beat Villiger und Frau Erika Toman, um nur einige zu nennen, wahrgenommen werden und viele interessierte
SEHF - Swiss Economic Health Forum Teilnehmende erscheinen. Ich wünsche mir auch, dass möglichst viele Frauen auf diesen Kongress aufmerksam werden, denn sie zeigen oft viel mehr Verantwortung für Fragen der Lebensführung und Gesundheit als Männer. Ich hoffe, dass diese Frauen ihren Partner zu einem einzigartigen Genuss- und Weiterbildungswochenende „entführen“. Und „last but not least“ wünsche ich mir, dass uns die Medien nicht im Stich lassen!

Sehr geehrter Herr Dr. Caimi, ich bedanke mich herzlich für dieses Gespräch und wünsche Ihnen und dem SEHF viel Erfolg!


 

(C) 2010 by Christian Düblin. Alle Rechte vorbehalten. Anderweitige Publikationen sind nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors gestattet.

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Links
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