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Monatsinterview Juni: Dr. Daniele Ganser

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Dr. Daniele Ganser. Foto: Basile Bornand Dr. Daniele Ganser, Jahrgang 1972, studierte an den Universitäten Basel und Amsterdam u.a. Geschichte, Philosophie und Anglistik und setzt sich seit vielen Jahren intensiv mit Friedensforschung auseinander. Mit seiner Dissertation „NATO-Geheimarmeen und inszenierter Terrorismus in Europa im kalten Krieg“ befasste er sich schon sehr früh mit einem Thema, das mit dem Anschlag von 9/11 von einem Tag auf den anderen weltweit allgegenwärtig werden sollte. Bald nach dem Anschlag von 9/11 kamen erste Zweifel an der offiziellen Version der Geschehnisse rund um das Attentat auf. Es ging und geht auch heute noch insbesondere um die Frage, ob der Anschlag von offizieller Seite inszeniert oder geduldet war. Der Friedensforscher Ganser setzt sich damit auseinander, welche wahren Ziele mit Kriegen verfolgt werden. Oil Peak, die Massenvernichtungswaffenlüge, vermeintliche Atombomben im Iran, die Neutralität der Schweiz, Terroranschläge und erneuerbare Energien erscheinen in einem interessanten Zusammenhang, der zu denken geben muss. Lesen Sie ein Gespräch, das aufzeigt, wie komplex zahlreiche politische und wirtschaftliche Entscheide sind, wie die Meinungen vielfältig auseinandergehen und wie auch die Schweiz betroffen ist.

Christian Dueblin: Sehr geehrter Herr Dr. Ganser, Sie beschäftigen sich mit geopolitischen Fragestellungen, dem Thema Oil Peak und mit erneuerbaren Energien. Sie haben aber auch Studien zur Friedensforschung betrieben, haben zahlreiche Bücher über Kriege, Terrorismus und versteckte Armeen sowie inszenierte Attentate verfasst. Was hält Ihrer Ansicht nach Ihre zahlreichen und auf den ersten Blick sehr unterschiedlich erscheinenden Forschungstätigkeiten im Innersten zusammen sprich, was treibt Sie an?

Dr. Daniele Ganser: Das tragende Element, das diese Themen verbindet, ist für mich ganz klar die Friedensforschung. Ich habe schon sehr früh eingesehen, dass ich in der Schweiz ein sehr privilegiertes Leben führen kann. Wir sind hier auf einer Art Insel. Es gibt hier keine Landminen, man wird nicht erschossen, es gibt Bildungsmöglichkeiten für jedermann und ich kann das Wasser aus dem Hahn trinken. Wenn man diese Situation nun mit anderen Menschen vergleicht, die in Ländern wohnen, die ich bereist habe und die Blickpunkt meiner Studien sind, so stellt sich gezwungenermassen ein Schockzustand ein. Es war mir ein Anliegen, gewisse Zusammenhänge und Machenschaften auf der Welt aufzudecken.

Mein erstes Buch handelte von der Kuba-Krise. Es ging damals um die Stationierung von nuklearen Raketen auf Kuba. Das führte zu grossen Spannungen und die Welt schrammte 1962 knapp an einem grossen Unglück vorbei, das einen Dritten Weltkrieg hätte auslösen können. Ich wollte u.a. auch die Rolle der Weltfriedensorganisation UNO in Bezug auf diese Krise näher beleuchten. Ich stellte bald fest, dass einiges in Bezug auf meine Vorstellungen über diese Weltfriedensorganisation nicht zusammenpasste und ging den Dingen systematisch und wissenschaftlich auf den Grund.

Was haben Sie bei Ihren Studien herausgefunden und was hat Sie bewogen, später auch andere Gewaltkonflikte unter die Lupe zu nehmen?

Die Amerikaner führten schon seit der Machtergreifung von Fidel Castro 1959 einen verdeckten Krieg gegen Kuba Die Probleme zwischen den zwei Ländern begannen also nicht erst während der Raketenkrise 1962. Es war immer schon das Ziel der USA, Fidel Castro zu stürzen. Das bekannteste und vom CIA inszenierte Beispiel, das die meisten Menschen kennen, ist wohl die „Schweinebuchtinvasion“ von 1961. Diese misslang. Danach erstellte das Pentagon einen geheimen Plan mit dem Namen „Operation Northwoods“. Gemäss diesem Plan wollten die Amerikaner ein amerikanisches Schiff an der Küste von Kuba in die Luft sprengen und dieses Attentat Fidel Castro anhängen. Auch hatte man im Sinn, eine Drohne über Kuba in die Luft zu sprengen, mit der Absicht, die Kubaner für den Abschuss verantwortlich zu machen. Auch in den USA selber wollte man Sprengungen inszenieren, um sie Fidel Castro anhängen zu können. Dokumente aus dem Pentagon beweisen also, dass das Pentagon geplant hat, Terroranschläge zu inszenieren, um einfacher gegen Kuba vorgehen und die Bevölkerung für einen Krieg animieren zu können. Der Plan wurde nie ausgeführt, weil ihn Präsident Kennedy stoppte. Aber ich fand diese Vorgehensweisen der verdeckten Kriegsführung abscheulich und interessant zugleich und wollte mehr über die politischen und wirtschaftlichen Hintergründe wissen.

Sie sprechen eine klare Sprache und haben mit vielen Aussagen und Themen, die Sie angegangen sind, auch Kritik einstecken müssen. Was haben Sie in der Schweiz diesbezüglich für Erfahrungen gemacht?

Als ich anfänglich über die Kuba-Krise schrieb und zur verdeckten Kriegsführung beispielsweise in Nicaragua recherchierte und auch Beweise vorlegen konnte, wurde das von der Universität honoriert. Ich bekam Bestnoten und man lobte meine Arbeit. Ich machte damals aber noch keine Medienarbeit, gab also keine Interviews. Ich war aber schon damals weltweit mit anderen Forschern sehr gut vernetzt. Mit ihnen habe ich Bücher und Texte ausgetauscht. USA und England sind Länder, die traditionell verdeckte Kriegsführung betreiben. Da erstaunt es auch nicht, dass die meisten meiner Kontakte, die auf demselben Gebiet forschen, in London und in Washington zuhause sind. Sie stellen in ihren eigenen Ländern eine gewisse intellektuelle Opposition dar. Diese Menschen verstehen die verdeckte Kriegsführung und heissen sie nicht gut. Sie machen immer wieder darauf aufmerksam, dass es schlicht und einfach nicht stimmt, dass die USA und Europa, also die NATO Länder, seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges vor allem die Menschenrechte und die Demokratie gefördert haben, und dass alle Kriege diesen Zielen dienten. Und in der Tat ist das eine sehr verlogene Geschichte, die nicht mit den Fakten übereinstimmt. Diese Forscher und Experten, von denen ich viel lernen durfte, zeigen deutlich auf, dass in vielen Fällen Krieg nur dazu dient, wirtschaftliche Interessen wahrzunehmen, also Profit. Das gefällt natürlich nicht allen Menschen gleich gut. Ich selber wollte Friedensforschung betreiben, jedoch vor allem das Gebiet „verdeckte Kriegsführung“ näher beleuchten.

Sie haben damals die NATO unter die Lupe genommen und ein Buch über verdeckte Geheimarmeen und inszenierten Terrorismus geschrieben, das weltweit zur Kenntnis genommen wurde. In dieser Doktorarbeit bearbeiteten Sie das Gebiet Terrorismus. Wie kamen Sie dazu, diese Themen anzugehen, die doch für einen Laien auch etwas exotisch klingen?

Ich suchte damals im Rahmen meiner Doktorarbeit ein spannendes Thema, das noch niemand bearbeitet hatte und bekam den Hinweis aus den USA, dass das Thema NATO und Geheimarmeen noch nicht erforscht sei. 1998 fing ich an, mich um die NATO-Geheimarmeen und inszenierten Terrorismus zu kümmern und stellte erste Recherchen an. 1998 wurde noch nicht von „Terror“ gesprochen. Vier Jahre später, 2001, war meine Doktorarbeit fertig. Es kam kurz darauf zum Anschlag von 9/11, den wir alle kennen. Die Interessenlage rund um das Thema „Terrorismus“ änderte sich innerhalb von wenigen Minuten schlagartig und ich wurde aufgrund meines Dissertationsthemas von vielen Medien zum Thema Terror kontaktiert. Damit hatte ich nicht gerechnet. Mein Buch über die NATO und die Geheimarmeen ist mittlerweile in über 10 Sprachen übersetzt worden und hat sich sehr gut verkauft. Das ist für eine Doktorarbeit ungewöhnlich.

Sie bekamen für diese Dissertation Lob. Die Zeitschrift „Der Spiegel“ nahm das Thema ebenfalls auf und machte auf kriminelle Machenschaften aufmerksam, die Sie in Ihrem Buch beschreiben. Sie mussten aber schon früh auch Kritik einstecken, da Sie mit Ihren Aussagen an einem Weltbild rüttelten, an das viele Menschen glauben und von dem sie sich nicht abbringen lassen wollten. Wie gingen Sie mit dieser Kritik um?

Ich bekam sehr viel Lob. Das stimmt. Einige kritisierten mich. Das stimmt auch. Vor allem meine Kritik an der NATO wollten gewisse Kreise nicht hören. Sie meinten, dass die NATO-Geheimarmeen auf keinen Fall Terroranschläge inszeniert haben, wie meine Daten nahelegten, sondern dass die Geheimarmeen nur dann aktiv geworden wären, wenn die Sowjetunion Westeuropa besetzt hätte. Es ist ein schwieriges Forschungsfeld. Die NATO hat bewiesenermassen Geheimarmeen unterhalten. In Italien hiess die Geheimarmee „Gladio“ und sie sollte im Falle einer kommunistischen Invasion guerillamässig eingesetzt werden. Diese Armeezellen wurden auch mit Sprengstoff ausgerüstet. Wir hatten Terroranschläge in Europa, die mit der NATO in einem Zusammenhang stehen. Es sind Menschen bekannt, die diese Terroranschläge ausgeführt haben und von der NATO gedeckt wurden. Auch das ist bekannt und bewiesen. Überhaupt wurde die Gladio-Geheimarmee nur aufgedeckt, weil der Terroranschlag von Peteano von 1972 genauer untersucht wurde. Es gibt also verschiedene Verbindungen zwischen den NATO-Geheimarmeen in Europa und inszeniertem Terror, auch wenn niemand gerne darüber spricht. Trotzdem erhielt ich für meine Forschung zur NATO insgesamt sehr viel Lob. Als mich meine Studentinnen und Studenten aber drängten, auch etwas zu den Terroranschlägen vom 11. September 2001 zu sagen, wurde es schwierig. Ich habe zum Thema Seminare an der Universität Basel und der Universität Zürich durchgeführt und mich auch gegenüber Journalisten zum Thema geäussert, worauf ich scharf kritisiert wurde.

Sie haben viel über die Anschläge von 9/11 berichtet und schon früh darauf hingewiesen, dass Einiges an der offiziellen Version dieses Anschlages Fragen aufwirft. Es gibt gerade zu diesem Thema eine ganze Menge an Verschwörungstheorien, die medial verbreitet werden. Wie kam es, dass Sie sich für dieses Thema interessierten, und warum beschäftigt Sie 9/11 bis heute?

Ich muss dazu sagen, dass ich dieses Thema nicht gesucht hatte. Ich war einfach der einzige Forscher in der Schweiz, der zum Zeitpunkt dieses Anschlages gerade eine Doktorarbeit über Terrorismus und verdeckte Kriegsführung abgeschlossen hatte. 9/11 war mit knapp 3’000 Toten der grösste Terroranschlag der Geschichte. Deshalb wollte ich mehr über die Hintergründe wissen. Ein Experte für Terror und verdeckte Kriegsführung kann nicht sagen, dass er nichts zu 9/11 weiss. Das wäre, wie wenn ein Hausarzt erklärt, er wisse nichts über das Thema Grippe. Das geht nicht. Auch für die Friedensforschung ist 9/11 ganz wichtig, weil der Afghanistan- und der Irakkrieg direkt damit verknüpft sind - wie auch die Rüstungsausgaben und heute dominante Feindbilder.

Sie haben sehr früh darauf hingewiesen, dass im offiziellen Untersuchungsbericht der USA ein dritter Turm, der ebenfalls einbrach, nicht erwähnt wurde, was merkwürdig ist. Was hat es mit diesem ominösen dritten Turm auf sich? Den meisten Menschen sind wohl nur zwei Türme bekannt, in die Flugzeuge flogen.

Die Tatsache, dass ein Gebäude im offiziellen Untersuchungsbericht fehlt, ist sehr frappant und führte zu viel Kritik und Fragen auf der ganzen Welt. Ab dann öffnete sich eine Art analytisches Fenster. Wenn der Untersuchungsbericht nicht stimmt, muss umso mehr untersucht werden, was denn eigentlich wirklich passiert ist. Es kam bald die Frage auf, ob es sich bei den Anschlägen um eine verdeckte geostrategische Machenschaft handelte, um an den Rohstoff Erdöl ranzukommen. Hier überlappte sich die Fragestellung mit Studien, die ich seit vielen Jahren über das Thema Oil Peak betreibe.

Können Sie uns einige Details über den dritten Turm und Ungereimtheiten mitteilen, die sich Ihrer Ansicht nach ereignet haben?

Der 11. September 2001 war ein Dienstag. Das erste Flugzeug crashte kurz um 08:46 Uhr in einen der Türme, das zweite Flugzeug kurz nach 09:00 Uhr. Die Türme brannten und brachen vor 11 Uhr in sich zusammen. Wir kennen die Bilder aus den Medien. Für die meisten Menschen ist das der 11. September 2001. Dass ein drittes Flugzeug abstürzte und ein viertes Flugzeug ins Pentagon flog, haben die meisten nur nebenbei mitbekommen. Die beiden Türme, auch Identifikationssymbole der USA, standen eindeutig im Zentrum der Aufmerksamkeit. Sehr schnell bekam man vom US-Präsidenten zu hören, es handle sich um einen Anschlag von Bin Laden. Nun gibt es hier einige Dinge, die offensichtlich nicht stimmen und klargestellt werden müssen: Am gleichen Tag brach um 17:20 Uhr unweit der beiden anderen Türme ein drittes Gebäude zusammen. Es handelt sich um das Gebäude WTC7, also das World Trade Center Nr. 7. Dieses Gebäude ist aber sicher nicht von einem Flugzeug getroffen worden.

Warum wissen viele Menschen nichts von diesem Gebäude und wie ist es Ihrer Meinung nach eingestürzt?

Ich muss in Bezug auf diese Frage kurz ausholen: Ich war an der Forschungsstelle Sicherheitspolitik an der ETHZ tätig als im 2003 der Irak Krieg anfing. Es ging damals im Vorfeld des Krieges um die angeblichen Massenvernichtungsmittel, die man finden und zerstören wollte, so zumindest lautete die offizielle Version, wie Sie beispielsweise George W. Bush und auch Tony Blair vehement vertraten. Es gab unter Forschern grosses Misstrauen gegenüber dieser Ansicht. Beweise konnte schon damals niemand vorlegen. Als nach Kriegsausbruch klar wurde, dass die Bush-Administration in Bezug auf die Massenvernichtungswaffen gelogen hatte, kam die Frage auf, ob Bush auch in Bezug auf 9/11 gelogen hatte. Wir wissen heute mit absoluter Sicherheit, dass es keine Massenvernichtungswaffen im Irak gab. Ich ging damals mit Bildmaterial des eingestürzten dritten Gebäudes zur Baustatikabteilung der ETHZ und legte dieses zwei renommierten emeritierten Professoren, Jörg Schneider und Hugo Bachmann, beide sind ausgewiesene Baustatiker, vor. Beide kamen zum Schluss, dass das Gebäude vermutlich nicht aufgrund von Feuer habe zusammenbrechen können. Sie waren eindeutig der Meinung, dass alles auf eine Sprengung hinweisen würde. Aber eine solche Sprengung würde tagelange Vorbereitungsarbeit in Anspruch nehmen, Vorbereitungszeit notabene unmittelbar vor dem 11. September 2001, also vor dem Anschlag!

Was waren die Gründe für die Annahme einer Sprengung?

Auf einem Video war zu sehen, wie das Gebäude zusammenstürzte. Alle 82 Stahlsäulen des Gebäudes kamen in freien Fall und stürzten gegen Boden. Dafür müssen alle 82 Stahlträger aber in der gleichen Sekunde gleich nachgeben. Das kann nur durch eine Sprengung erfolgen. Wir sassen also alle da und sahen uns an. Die beiden Professoren fragten mich, ob nicht doch eine Rakete ins Gebäude geflogen sei. Aber das ist nicht geschehen. Das Gebäude war vor dem Einsturz auch nicht von einem Flugzeug getroffen worden.

Sie haben den offiziellen 9/11 Commission Report eingehend studiert. Was ist denn die offizielle Version der Geschehnisse?

Dort erscheint dieses Gebäude nicht. Es wird schlicht nicht erwähnt. Es gab aber andere Gremien in den USA, die darauf hinwiesen, dass es dieses Gebäude gibt. Die New York Times sprach vom „greatest mystery of 9/11“. Dann kam die Nachricht von offizieller Seite, das Gebäude habe es zwar gegeben, aber es sei aufgrund von Feuer in sich zusammengebrochen. Diese Version wird auch heute noch vertreten. Es wurde, nachdem man die Geschehnisse um den dritten Turm vorerst geleugnet hatte, also weder die Tatsache, dass es das Gebäude gegeben hat, noch, dass es zusammenstürzte bestritten. BBC berichtete im Übrigen eine halbe Stunde vor Einsturz dieses Gebäudes über den Einsturz des Gebäudes! Sie erkennen auf dem Fernsehbild eine Reporterin, die über das Gebäude und dessen Einsturz berichtet, das Gebäude ist jedoch im Hintergrund noch zu sehen. All das war sehr verwirrend. Es kam die Frage auf, wie BBC wissen kann, dass ein Gebäude einstürzt. Es kam zu einer sehr intensiven Debatte auf BBC. Jahre danach gestand BBC ein, dass sie diesen Einsturz zu früh berichtet hätten. Sie hätten die Nachricht von Reuters bekommen und die Journalistin hätte in der Hitze des Gefechtes alles einfach nur abgelesen. Aber die Frage bleibt, warum Reuters wusste, dass WTC7 einstürzen wird?

Wie steht die offizielle Regierung zu den Geschehnissen rund um den dritten Turm?

Das National Institute for Standards and Technology (NSIT) nahm abschliessend für die amerikanische Regierung Stellung. Diese Institution ist mit der Eidgenössischen Material Prüfungsanstalt (EMPA) vergleichbar. Die Experten für Materialkunde sagen, das Gebäude sei aufgrund des Feuers und der grossen Hitze zusammengefallen. Aber das NIST ist Teil der Regierung und steht unter politischem Druck, die Version der Regierung zu bestätigen.

9/11 ist irgendwie mit dem Untergang der Titanic vergleichbar. Es ist etwas passiert, mit dem niemand gerechnet hat. Viele Menschen reagieren zu diesem Thema in erster Linie emotional. Wer die Geschehnisse hinterfragt, wird nicht selten in die Ecke der Verschwörer gedrängt. Wie erklären Sie sich dieses Reaktionsmuster, wenn man bedenkt, dass wohl tatsächlich einiges ungeklärt ist und wohl zweifelsohne immer wieder Dinge passieren, bei denen es besser wäre, etwas mehr nachzufragen?

9/11 ist tatsächlich ein sehr emotionales Thema. Zu diesem Thema haben alle eine Meinung, auch Menschen, die sich noch nie um das Thema bemüht haben, geschweige denn darüber geforscht haben. Die Meinung, die die meisten Menschen haben, ist eine reine TV-Meinung. Wir haben alle diese monumentalen Bilder in unseren Köpfen, mit denen wir intensiv beeinflusst worden sind. Wir haben überwältigende Bildreportagen, die voller Überraschungen stecken, viel Leid enthalten, in denen viel Staub und Elend zu sehen ist, auch Hilferufe erklingen und Menschen sich aus den Fenstern werfen. Das Ganze ist in unseren Köpfen unmittelbar mit Bin Laden verbunden. Wir waren alle unter Schock und haben das über diese Bilder so aufgenommen. Dazu muss man nun aber anmerken, dass es damals absolut keine Beweise gab, dass Bin Laden wirklich hinter dem Anschlag steckte. Man konnte ihn ja zum Beispiel nicht in einem der Flugzeuge sehen, die Verbindung mit Bin Laden ruht auf den Aussagen der US Regierung, die man glauben oder anzweifeln kann.

Sie haben sich mit den Theorien zum Anschlag auseinandergesetzt. Was sind Ihre Erkenntnisse, die Sie aus Ihren Studien und Recherchen gezogen haben?

Es gibt drei Theorien, die diskutiert werden. Die Surprise-Theorie, besagt, dass Bin Laden der Strippenzieher hinter den Anschlägen ist. Das ist eine Möglichkeit. Wenn sich diese Theorie bestätigen wird, müssten die Aussagen von Bush und Cheney als korrekt bezeichnet werden. Eine zweite Theorie besagt, die Terroristen hätten zwar angegriffen, Bush und Cheney jedoch seien Kriminelle. Sie hätten die Angriffe kommen sehen und sie aus strategischen Gründen (Erdöl und Erdgas-Interessen, Bürgerrechte abbauen und Pentagon-Budget erhöhen) zugelassen. Man spricht von der „Let it happen on purpose-Theorie“ (LIHOP). Gemäss dieser Theorie ist jemand bereit, eigene Menschen zu töten, um gewisse andere Interessen zu fördern. Die dritte Theorie besagt, dass Bin Laden nichts mit dem Anschlag zu tun hat und kriminelle Menschen in der CIA und im Pentagon hinter den Anschlägen stecken würden. Diese Theorie heisst MIHOP, „Make it Happen on Purpose“.

Die beiden letzten Theorien müssen, einmal abgesehen davon, ob sie stimmen oder nicht, im Kontext mit der Jagd nach Öl gesehen werden, eine Jagd, die zweifelsohne Realität ist. Möglicherweise stehen nach dem Irak auch die Entwicklungen im Iran in einem Zusammenhang mit dem Rohstoff Öl. Was passiert aus Sicht eines Friedensforschers zurzeit im Iran, und auch ganz generell, wenn Länder Erdöl erbeuten wollen?

Man weiss, dass wenn beispielsweise der amerikanische Präsident ans Mikrofon geht nicht unbedingt immer die Wahrheit verkündet wird. Das gilt auch für den Premierminister von England. Es herrscht heute eine gewisse Politikverdrossenheit, weil Menschen gewisse Lügen erkannt haben. Tatsächlich waren die Massenvernichtungswaffen das Hauptargument für den Irak-Krieg, in dem 100‘000 Menschen ihr Leben verloren haben. Nun gibt es Menschen, die sagen, dass der Irak-Krieg das grössere Verbrechen sei als 9/11, mit gerade mal 3‘000 Toten. Colin Powell, der damalige Aussenminister, hat sich für seine Aussagen in Bezug auf Massenvernichtungswaffen vor dem Sicherheitsrat offiziell entschuldigt und hat eingestanden, dass alles erfunden und gelogen war. Er sagte, dass man ihn in die Irre geführt hatte.

Beim Irak-Krieg muss man, wenn man alle Facts beleuchtet hat, zum Schluss kommen, dass man tötet, um an den Rohstoff Öl zu kommen. Das muss man zur Kenntnis nehmen. Die Erdölproduktion in Europa bricht seit 10 Jahren konstant ein und wir brauchen jährlich mehr Öl – in Europa 15 Millionen Fass pro Tag! Die Amerikaner brauchen 20 Millionen Fass pro Tag. Die USA haben ihr Fördermaximum, den sogenannten Oil Peak, bereits 1970 erreicht. Man hat versucht, die Lücke, die sich nun einstellt, u.a. mit Ölschiefer und mit Gas zu kompensieren, doch die Lücke wird immer grösser, weil alte grosse Erdölfelder einbrechen. Die dritte Macht, die diese Energie auch braucht, ist China, ein Land, das heute 9 Millionen Fass pro Tag braucht. Diese drei Mächte werden sich immer mehr ums Erdöl streiten. Man muss nun schon den Kopf in den Sand stecken, wenn man nicht sehen will, dass gewisse Kriege nur mit dem Rohstoff Öl zusammenhängen.

Gerade in Bezug auf die Ölreserven streiten sich die Geister. Was hat es mit dem Oil Peak auf sich, über den Sie forschen und wie steht er Ihrer Ansicht nach in Zusammenhang mit kriegerischen Aktivitäten?

Der Krieg im Irak aber auch in Libyen wurde meiner Ansicht nach nicht geführt, um Länder in eine Demokratie zu verwandeln und Menschenrechte zu fördern. Europa und USA haben zur Ressourcensicherung immer wieder Menschenrechte verletzt und Demokratien geopfert. Die Forschung ist sich in Bezug auf den Oil Peak nicht einig. Ich bin jedoch der Meinung, dass wir ihn beim konventionellen Erdöl schon 2006 erreicht haben. Wir brauchen auf der Welt pro Tag 44 Supertanker voll Öl. Das ist nicht einfach wenig Öl! Ein Tanker hat 2 Millionen Fass. Also braucht die Welt täglich 88 Millionen Fass, rund ein Viertel braucht die USA. Um ans Erdöl zu gelangen, verhalten wir uns oft wie Heroinsüchtige, die einer alten Frau die Handtasche wegreissen und sie möglicherweise auch noch lebensgefährlich verletzten. Süchtige nehmen grosse Risiken auf sich, und was das Erdöl betrifft, sind wir alle Süchtige.

Wer aber sind denn Ihrer Ansicht nach die Menschen, die im Hintergrund agieren und im Grunde genommen auch Kriegstreiber darstellen? Sind diese „Erdölsüchtigen“, die für ihre Befriedigung auch Gewalt einsetzen, einzelne Menschen, Geheimdienste oder gar ganze Regierungen?

Es muss jeder Fall individuell betrachtet werden. Die Menschen auszumachen, die die „Strippen“ ziehen, ist sehr schwierig. In der Regel handelt es sich um Gruppen, die immer wechseln. Der tödliche Cocktail ist das Schüren von Lügen, kombiniert mit Gewalt. Es sind eher Männer, die beteiligt sind und es passiert in allen Ländern und in allen Religionen. Ich kann Ihnen aus der Sicht der Friedensforschung ein Beispiel nennen, wie dieses Schüren und das Provozieren von Gewalt funktioniert: Als man Mühe bekam, den Krieg gegen Saddam Hussein nach seinem Einzug in Kuweit zu rechtfertigen, wurde den Medien und dem amerikanischen Kongress ein Mädchen namens Naira vorgestellt, das behauptete, dass Saddam und seine Soldaten im Spital in Kuwait in der Säuglingsabteilung Neugeborene aus den Bettchen genommen und am Boden erschlagen hätten. Diese Nachricht ging im Sturm um die Welt. Es hat sich später herausgestellt, dass dieses Mädchen nie in diesem Spital gearbeitet hatte. Es handelte sich bei dieser „Brutkastenlüge“ um ein PR-Instrument, um die Emotionen zu schüren und Kriegsabsichten weiterverfolgen zu können und das Einverständnis für den Krieg der amerikanischen Bevölkerung zu erlangen. Was mich heute nach vielen Studien und akribischen Recherchen zu diesem und ähnlichen Fällen erstaunt, ist, mit welcher Leichtigkeit solche Lügen verbreitet werden können.

Nun scheint dieses Zuspitzen auf einen simplen Sachverhalt, ich denke beispielsweise an die momentane Atombombendiskussion über den Iran, nicht so richtig funktionieren zu wollen. Erst vor kurzem musste der CIA eingestehen, dass es wohl doch keine Atombombe in Iran gebe. Professor Albert A. Stahel sah dies im Gespräch mit Xecutives.net als strategischen Schachzug verbunden mit den anstehenden Präsidentenwahlen in USA. Offenbar soll Obama von einer Kriegsentscheidung freigestellt werden, die seine Wahl gefährden könnte, egal wie er reagieren würde.

Der Iran hat derzeit keine Atombombe. Ob er eine bauen will, wie Israel glaubt, weiss ich nicht. Möglich ist es schon. Aber auch viele andere Länder haben eine Atombombe. Auf keinen Fall darf man nun alle Länder angreifen, die eine Atombombe haben, das wäre das totale Chaos. Wir konsumieren täglich Kriegspropaganda. Heute ist vielen Menschen, die sich informieren, klar, dass die Massenvernichtungspropaganda, die zum Irakkrieg geführt hat, eine Lüge war. Das ist aber nur eines von vielen Beispielen. Über die anderen Zusammenhänge sind wir schlicht zu wenig informiert. Es gäbe viele weitere Beispiele, die ich Ihnen nennen könnte und die auf demselben Prinzip basieren. Viele Kriege sind einfach noch nicht dekonstruiert und Menschen denken nach wie vor, dass sie aus einem ehrbaren Grund passiert sind. Sie haben somit gar nicht die Möglichkeit, einen Krieg als „nicht in Ordnung“ zu deklarieren. Dieses Denken wäre jedoch Voraussetzung dafür, dass weitere Kriege nicht stattfinden. Davon sind wir aber weit entfernt. Wir glauben noch immer, dass wir Gewalt mit Gewalt auflösen können. Aber es funktioniert nicht, die Geschichte zeigt das klar. Wir müssen die Konflikte mit Respekt im Dialog lösen, ohne Gewalt.

Wir sprechen in Bezug auf Kriegspropaganda übrigens von Techniken, die Goebbels im Zweiten Weltkrieg entwickelt und sehr erfolgreich eingesetzt hat. Es sind die gleichen Techniken, die auch heute in leicht veränderten Versionen angewendet werden. Man schafft ein Feindbild, schürt Emotionen wie Hass, Gier und Angst, und inszeniert den ersten Schuss, danach läuft der Krieg wie von selbst.

Werden somit nach dem eben gesagten Ihres Erachtens Rohstoffkriege in den nächsten Jahren zunehmen?

Ich bin überzeugt, dass sich Ressourcenkriege in den nächsten Jahren zuspitzen werden. Sie haben in Bezug auf Ahmadinedschad ein schönes Beispiel eines Machkampfes um Öl, der am Laufen ist und eskalieren könnte. Es gibt Kräfte, die an einem Krieg interessiert sind, um die Ölreserven dieses Landes, die erheblich sind, in den Griff zu bekommen. Iran verfügt nebst Saudi Arabien über die grössten Ölreserven auf der Welt. Es handelt sich für Menschen, die an Öl interessiert sind um ein „Traumbeuteland“. Wir werden medial mit Informationen überhäuft, die besagen, dass in Iran eine Atombombe gebaut würde. Wir wissen heute wie gesagt, dass Iran keine Atombombe hat. Die Länder, die Iran angreifen wollen, es handelt sich um USA, Israel und England, haben alle eine Atombombe. Das ist schon mal sehr auffällig. Das argumentative Gleichgewicht fehlt vollkommen. Mir wäre es offen gesagt auch lieber, wenn der Iran keine Atombombe hätte. Es wäre mir aber auch lieber, wenn die drei anderen Staaten ebenfalls keine hätten.

Länder, die keine Atombombe haben, beobachten heute, wie Länder, die keine Atombombe haben, schlicht demontiert und, man kann es nicht anders sagen, platt gemacht werden. Länder, die eine Atombombe haben, werden nicht angetastet. Denken Sie beispielsweise an Nordkorea, wo in Sachen Menschenrechte sicher einiges schief läuft. Da wundert es nicht, dass gewisse Länder, die noch keine Atombombe haben, ebenfalls eine haben möchten.

Was sollte und kann die Schweiz in Bezug auf diese Kriege und Kriegsgefahren tun? Was ist die Rolle der Schweiz?

Die Schweiz sollte sich vom Erdöl lösen. Ich habe in meinen Studien dargestellt, dass das möglich ist. Wir beobachten heute in der Schweiz eine Energiewende. Das hat sicher auch mit dem Effekt auf die Schweiz von Fukushima zu tun. Die Menschen sind in Sachen Energie aufgerüttelt worden und es besteht ein Bedürfnis, sich vom Erdöl und fossiler Energie ganz allgemein abzukoppeln. Nun reicht es aber nicht, einfach die 5 Atomkraftwerke in der Schweiz abzuschalten. Wir müssen Wege finden, neue Energiequellen zu finden und Energie zu sparen. Die Knappheit an Erdöl ist unabwendbar. Erdöl wird immer teurer werden, weil der Bedarf an Erdöl immer noch steigt, die Erdölentdeckungen aber zurückgehen. Wir müssen vor allem beim Heizöl und beim Verkehr ansetzen.

Sehr geehrter Herr Dr. Ganser, was wünschen Sie sich für die Schweiz und die Energieprobleme, die anstehen und gelöst werden müssen?

Die Schweiz hat keine Truppen, die sie, wie das andere Länder tun, in erdölreiche Regionen der Welt entsenden kann, um Ölreserven zu sichern. Und das ist gut so. Die Schweizer Neutralität muss weiter hochgehalten werden. Stellen Sie sich vor, was passieren würde, wenn keine Länder auf der Welt mehr Truppen in andere Länder senden würden. Dann hätten wir einige Probleme gelöst. Die Schweiz sollte dabei bleiben, keine Truppen in Kriege zu senden. Was wir tun können ist, unsere Häuser besser zu isolieren und unser Konsumverhalten anzupassen. Das ist machbar. Andere Länder, wie beispielsweise die USA, gehen ganz andere Wege. Häuser werden gar nicht isoliert und es werden nach wie vor Autos gefahren, die ungeheuer viel Benzin verbrauchen. Mit dieser Einstellung wird den Menschen in den USA gar nichts anderes übrig bleiben, als Truppen in andere Länder zu senden, um dort Ölreserven sicherzustellen. Die Schweiz hat in langer Tradition gezeigt, dass Konflikte gewaltfrei gelöst werden können. Ein Konflikt ist nichts Schlechtes. Man kann daran wachsen. Kommt es aber zum Krieg, gibt es nur Elend.

Sehr geehrter Herr Dr. Ganser, ich bedanke mich herzlich für dieses Gespräch und wünsche Ihnen und Ihren Studien weiterhin alles Gute!

Buchhinweis: Im September 2012 erscheint im Orell Füssli Verlag das neue Buch von Herrn Ganser: Europa im Erdölrausch. Die Folgen einer gefährlichen Abhängigkeit. 400 Seiten. 35 Franken.

(C) 2012 by Christian Düblin. Alle Rechte vorbehalten. Anderweitige Publikationen sind nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors gestattet.

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Links
- Swiss Institute for Peace and Energy Research SIPER
- Homepage von Dr. Daniele Ganser

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