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Robert A. Jeker im Gespräch mit Christian Düblin


Robert A. JekerRobert A. Jeker, Jahrgang 1935, gehört zu den herausragenden Wirtschaftsführern in der Schweiz und war von 1983 bis 1993 Präsident der Generaldirektion der Schweizerischen Kreditanstalt. Daneben war er in mehreren Verwaltungsräten von international tätigen Unternehmen vertreten. Dazu gehören nebst anderen die Neue Zürcher Zeitung (NZZ), ABB, Georg Fischer AG, Synthes Stratec Inc., Landis & Gyr AG aber auch die Société Internationale Pirelli S.A. mit Sitz in Basel. Robert A. Jeker gilt als ausgewiesener Kenner der schweizerischen Industrie und beantwortet im Gespräch mit Christian Dueblin aktuelle Fragen zur Wirtschaft in der Schweiz.

Ch. Dueblin: Herr Jeker, seit über 50 Jahren sind Sie in der Wirtschaft in der Schweiz und im Ausland tätig und haben in den letzten Jahrzehnten viele erfolgreiche Unternehmen in verschiedensten Führungspositionen gelenkt, begleitet, aber auch saniert. Die Wirtschaft in der Schweiz funktioniert zurzeit so gut wie schon lange nicht mehr. Wer die lange Durststrecke der vergangenen Jahre heil überstanden hat, kann heute von schier unglaublichen Märkten profitieren. Was sind die Gründe für diese positive Entwicklung in der Schweiz?

Robert A. Jeker: Der enorme wirtschaftliche Aufschwung der letzten Jahre ist auch auf die Globalisierung, also auf eine immer enger verknüpfte Weltwirtschaft, zurückzuführen. Grosse Märkte wie beispielsweise Indien und China haben sich erstaunlich schnell geöffnet. Dabei entstanden enorme Potentiale. Die Schweiz hat diese Situation ausserordentlich gut genutzt. Von Vorteil für die Schweiz war, dass sie schon immer sehr international tätig und gewöhnt war, sich erfolgreich und professionell in den internationalen Märkten zu bewegen. Es ist grossartig zu sehen, was dieses kleine Land an Weltunternehmen aufweist und wie es Sitz von KMUs ist, die sich weltweit in ihren Nischen unter den besten drei bewegen.

Wird sich dieser wirtschaftlich positive Trend noch weiter entwickeln?

Ich bin sehr zuversichtlich, dass die Schweiz weiterhin erfolgreich sein wird. Die Wirtschaft wird sich sehr gut entwickeln. Die Qualitätsorientiertheit, die Tüchtigkeit und der Einsatzwille der Leute, aber auch der Arbeitsfrieden, sind wichtige Faktoren. Dass wir in einem Land leben, das ohne Streiks funktioniert, hebt uns wesentlich von anderen Ländern ab. Unsere Wirtschaftspolitik hat die Inflation gut unter Kontrolle und sorgt für tiefe Zinsen. Ausserdem haben wir ein vernünftiges Steuersystem, das den Unternehmen nützt und schlussendlich zu Vollbeschäftigung und Wohlstand führt. Davon profitieren wir alle.

In der jetzigen Situation können strukturelle und organisatorische Probleme in vielen Unternehmen kaschiert werden. Oft ist Erfolg weitgehend auf Überfluss an Nachfrage zurückzuführen, d.h. man kann sich Fehler leisten. Manche Unternehmen riskieren mit diesem Verhalten, bei der nächsten Baisse Übernahmekandidaten zu werden oder unterzugehen. Ist das nicht auch etwas gefährlich?

In der Wirtschaft findet immer noch eine enorme Bereinigung statt. Viele Firmen der Schweiz übernehmen Firmen im Ausland. Firmen in der Schweiz wiederum werden von ausländischen Firmen übernommen. Diese Prozesse sind noch lange nicht abgeschlossen. In einem grossen Verbund können Unternehmen einen grösseren Wert darstellen, da Synergien entstehen, die Marktposition verbessert wird und neue Potentiale ausgeschöpft werden können. Viele Firmen fokussieren sich heute auf ihre wahren Kern-Qualitäten und Kompetenzen. Wichtiges Know-how, über welches die Firmen nicht selber verfügen, wird eingekauft, d.h. ganze Firmen werden samt ihrem Spezialwissen übernommen. Solche Übernahmen können sich sehr positiv auswirken. Betrachten Sie das Beispiel 'Feldschlösschen'. Die Firma war hoch verschuldet, wies kostenintensive, nicht ausgeschöpfte Kapazitäten auf. Man konnte nicht anders vorgehen, als einen starken Partner zu suchen. Durch die Übernahme von Feldschlösschen durch Carlsberg wurden durch diese alle Brauereien ausgelastet und es konnten neue Absatzmärkte gewonnen werden. Noch heute ist Feldschlösschen unter schweizerischer Leitung und sehr gut unterwegs. Das ist übrigens typisch für solche Situationen: Das Aktienkapital ist zwar in den Händen von Ausländern, aber diese sind auf das Know-how, das Wissen in Bezug auf länderspezifische Gesetze und die lokalen Netzwerke im Land angewiesen. Wenn das Management seinen Job gut macht, gibt es für den Übernehmer keinen Grund, dieses zu ersetzen. Wesentlich ist also am Ende nicht die Frage des Eigentums, sondern die Frage, wo der Sitz der Gesellschaft ist, wo Steuern bezahlt und Menschen beschäftigt werden.

In den letzten Monaten sind viele sehr traditionelle Unternehmen ganz oder teilweise in ausländische Hände geraten. Ich denke hier etwa an Oerlikon, SIG, Ascom, aber auch an Sulzer. Wie bewerten Sie diese Geschehnisse?

Wenn schweizerische Firmen durch ausländische Unternehmen übernommen werden und dadurch neues Know-how in die Schweiz eingebracht oder der Zugang zu neuen Märkten ermöglicht wird, muss das als positiv bewertet werden. Nicht akzeptabel ist es, wenn diese Firmenübernahmen unter Umgehung von gesetzlichen Schranken wie Börsenregeln oder Meldepflichten geschehen oder Gruppenbildungen erfolgen, die nicht offen deklariert werden. Das ist verwerflich und ich bedaure es, dass in der Schweiz in dieser Beziehung nicht rasch genug reagiert wird. Die Durchsetzung dieser Regeln erfolgt leider oft zu träge. Übernehmer müssen in bestimmten Situationen verpflichtet werden, sehr schnell faire Übernahmeangebote zu machen, um die Minderheitsaktionäre zu schützen. Die Karten müssen bei solchen Transaktionen offen auf den Tisch gelegt werden.

Die letzte Aufsehen erregende Übernahme erfolgte vor einigen Tagen durch den deutschen Investor August von Finck. Ist dieses Geschäft mit der Von Roll Ihrer Meinung nach richtig abgelaufen?

Wir haben vor einiger Zeit für die Swiss-Steel den Stahlanteil der Von Roll, das Werk Gerlafingen, übernommen, und ich kenne deshalb die Herausforderung dieses Unternehmens etwas. In Bezug auf das Vorgehen von Herrn von Finck muss Folgendes gesagt werden: Erstens waren Leute von Herrn von Finck schon seit einiger Zeit im Verwaltungsrat der Von Roll vertreten. Herr von Fink hatte bereits ein beträchtliches Aktien-Paket der Von Roll und kannte das Unternehmen. Zweitens wurde in Bezug auf die angestrebte Mehrheit der Vertreter im Verwaltungsrat mit offenen Karten gespielt. Die Intentionen von Herrn von Finck sind klar kommuniziert worden und das Management der Von Roll hatte somit die Möglichkeit, die Aktionäre zu informieren und auf seine Seite zu bringen. Soweit wurde also transparent gehandelt. Sollte aber die eingeleitete Untersuchung der Eidgenössischen Bankenkommission zeigen, dass es bei der Übernahme trotzdem Unregelmässigkeiten gab, muss der Staat sehr rasch und konsequent intervenieren.

Muss davon ausgegangen werden, dass übernommene Unternehmen schlecht geführt waren oder sind es andere Gründe, die zu Übernahmen führen?

Nicht nur schlecht geführte Unternehmen werden übernommen, sondern vor allem auch gut geführte. Wenn die Personen, die Übernahmen planen und durchführen, langfristige Ziele verfolgen und einen Branchenbezug haben, ist sicher nichts gegen Übernahmen einzuwenden. Meist führen solche zu einer wirtschaftlichen Besserstellung des übernommenen Unternehmens. Dagegen ist es problematisch, wenn es nur darum geht, ein Unternehmen zu zerschlagen und Stücke davon herauszutrennen und zu verkaufen, um kurzfristigen Gewinn zu realisieren.

Wenn ein Unternehmen nicht gut geführt wird, sagt sich der Investor, dass er das besser kann und kauft das Unternehmen auf. Unser Wettbewerbssystem führt von selbst dazu, dass nicht gut geführte Unternehmen verschwinden oder von anderen Unternehmen gekauft oder dominiert werden. Es gibt jedoch auch Situationen, in denen ein Investor eine Übernahme anstrebt, weil er Synergien mit anderen Gesellschaften herbeiführen kann. Bei Fusionen von Firmen können Stärken kombiniert und Schwächen eliminiert werden. Der Fall der kleineren ASEA aus Schweden, die damals bei der Fusion mit der Brown Boveri die Federführung übernehmen konnte, ist hierfür ein schönes Beispiel. Im Management, im Marketing und in Bezug auf die Kundennähe war die kleine ASEA der grösseren Brown Boveri voraus. Das führte schliesslich dazu, dass das Management aus Schweden in der ABB besser vertreten war.

Herr Jeker, was wünschen Sie der Schweiz für die Zukunft? Was muss sie tun, um die nächsten Herausforderungen meistern zu können?

Wir haben zahlreiche Stärken, die wir pflegen und derer wir uns bewusst sein müssen. Zu diesen Stärken müssen wir Sorge tragen. Ich spreche hier von der grossen Zuverlässigkeit in der Abwicklung von Geschäften, aber auch von der Ehrlichkeit im Umgang mit anderen Menschen. Schmiergelder, wie sie teilweise gang und gäbe sind, sind bei uns kaum ein Thema. Das sollte auch so bleiben. Es besteht in der Schweiz zudem eine sehr grosse Leistungsbereitschaft. Die Leute sind auf allen Stufen gut ausgebildet, motiviert und tüchtig. Unser System der Berufslehre ist ein wunderbares Instrument, das sich sehr bewährt hat. Gerade in Bezug auf die Ausbildung müssen wir weiterhin dafür sorgen, dass die Qualität hoch gehalten wird. Wir brauchen gut ausgebildete Menschen, die einen ausgeprägten Leistungswillen aufweisen. Auch die Internationalität ist für die Schweiz wichtig. Sehr viele der besten Unternehmen in der Schweiz sind von ausländischen Pionieren gegründet und erfolgreich gemacht worden. Diese Menschen fanden in der Schweiz die richtigen Grundlagen, um ihre Visionen umsetzen zu können. Dies soll auch in Zukunft so sein.

Für die Zukunft wünsche ich mir aber auch, dass die schweizerische Neidmentalität verschwindet. Es geht uns Schweizern so gut und trotzdem bringen wir es immer wieder fertig, unsern Nachbarn zu beneiden. Wir müssen lernen, auch anderen Menschen den Erfolg zu gönnen. In diesem letzten Punkt sind uns andere Länder voraus.

Sehr geehrter Herr Jeker, im Namen von Xecutives bedanke ich mich herzlich für dieses Gespräch und wünsche Ihnen weiterhin alles Gute.

(C) 2007 by Christian Düblin. Alle Rechte vorbehalten. Anderweitige Publikationen sind nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors gestattet.

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Literaturliste (Deutsche Nationalbibliothek)

Bücher 1. Auf dem Weg in eine bessere Welt
Jeker, Robert A.. - Vaduz : VP-Bank, 2001
Bücher 2. Spezialfokus: Arbeitsmarkt Schweiz
Zürich : Zehnder und Partner, 1997
Bücher 3. Armee 95 - Chance für die Milizarmee?
Zürich : Verl. der Fachvereine, 1994
Bücher 4. Der Dienstleistungsplatz Zürich
Jeker, Robert A.. - Zürich : SKA, 1988
Bücher 5. Le rôle des banques dans notre société - le vrai débat
Jeker, Robert A.. - Zurich : Crédit Suisse, 1979
Bücher 6. Die Rolle der Banken in unserer Gesellschaft
Jeker, Robert A.. - Zürich : Schweizer. Kreditanst., 1979
Bücher 7. Die Schweizer Banken in den achtziger Jahren
Jeker, Robert A.. - Zürich : Schweizer. Kreditanst., 1979
Bücher 8. Staat, Wirtschaft und Gesellschaft
Jeker, Robert A.. - Zürich : Schweizer. Kreditanst., 1978

 

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