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Anton Mosimann im Gespräch mit Christian Düblin

-> the interview in English

Anton Mosimann Anton Mosimann, Jahrgang 1947, gehört zur Top-Elite der europäischen Kochgilde. Der Schweizer Koch, der vor über 30 Jahren sein Glück in London versuchte, hat in seinem Leben nicht nur neue gastronomische Wege eröffnet, die weltweit Anerkennung gefunden haben. Der Name „Mosimann“ ist auch zu einem soliden Brand in der gehobenen Gastronomiewelt geworden. Als versierter Gastgeber hat es Anton Mosimann verstanden, in die besten Gesellschaftskreise Englands Eingang zu finden. Queen Elisabeth II zeichnete ihn 2004 mit dem „Order of the British Empire“ aus. Im Gespräch mit Christian Dueblin erzählt Anton Mosimann über seinen Werdegang, seine Arbeit in London, die Geschichte der Kochkunst, Prinz Charles, Jamie Oliver, Mick Jagger sowie weitere illustre Gäste und spricht über seine Sicht der Schweiz.

Christian Dueblin: Sehr geehrter Herr Mosimann, vor über 30 Jahren sind Sie in jungen Jahren nach London gegangen, um dort Ihre Kochkünste zum Besten zu geben. Wie kam es zu diesem Entscheid?

Anton Mosimann: Im Jahr 1973 ist mir eine Stelle als Küchenchef im Hotel Dorchester in London offeriert worden. Das Dorchester war ein Haus mit langer Tradition und einer sehr illustren Gästeschar. Wer Rang und Namen hatte, stieg dort ab. Das Angebot war eine grosse Chance und eine Herausforderung, die ich annehmen wollte. Ich war damals erst 28 Jahre jung, aber sehr motiviert.

Wie kamen Sie zu diesem Angebot, und was waren Ihre Beweggründe, der Schweiz den Rücken zuzukehren und Ihr Glück in England zu suchen?

Ich hatte kurz vor dem Angebot aus London in Luzern eine Goldmedaille im Kochen gewonnen. Ein sehr bekannter Gastronomieexperte, sein Name war Adelrich Furrer, wurde aufgrund meiner Auszeichnung und der Medienberichte auf mich aufmerksam und nahm mit mir Kontakt auf. Er gratulierte mir herzlich zu meinem Erfolg und war angetan von meiner Einstellung als Koch und meinen Aussagen zum Thema Kochen. Er lud mich für ein Abendessen nach Zürich ein. Das war für mich damals eine ungeheure Angelegenheit. Ich, der kleine „Mosimann“ aus dem Seeland, durfte mit dem damaligen Gastronomieexperten zu Abend essen! Tatsächlich fuhr ich einige Zeit später zusammen mit meiner Frau nach Zürich und traf Herrn Furrer für besagtes Abendessen. Nur kurze Zeit später wurde Herr Furrer von einem Freund, Eugène Käufeler, aus London angegangen, mit der Anfrage, ob er einen geeigneten Küchenchef für das Dorchester Hotel in London kennen würde. Es kam so, wie es in solchen Momenten eben kommt. Ich wurde für ein Gespräch nach London eingeladen und war kurze Zeit später Küchenchef des Dorchesters.

Wie muss man sich die Küche von damals im Dorchester vorstellen?

Das ganze Hotel war sehr traditionell geführt. Die Küche war gut, aber sehr klassisch, schwer und auch etwas altmodisch. Mir war klar, dass ich frischen Wind in diese Küche bringen musste. Meine zahlreichen Erfahrungen, die ich bis dahin sammeln konnte, kamen mir dabei sehr zugute. Mein Job war allerdings nicht immer ganz einfach. Ich hatte gleich von Anfang an über 100 Angestellte unter mir, die ich führen und motivieren musste. Ein grosser Teil des Küchenpersonals konnte nicht verstehen, warum ein „Jüngling“ wie ich den Job als Küchenchef bekommen konnte. Einige der Köche waren schon viele Jahre im Dorchester tätig und hatten möglicherweise mit einer Beförderung gerechnet.

Sie waren vor der Anstellung im Dorchester in einigen der besten Palace-Hotels der Schweiz tätig, so unter anderem in Montreux, Luzern und in Gstaad. Welches waren weitere entscheidende Stationen, die Sie vor dem Job in England durchlaufen haben?

Meine Lehre habe ich in Twann absolviert. An der Kochabschlussprüfung war ich von allen vier Kandidaten der einzige, der die Prüfung erfolgreich bestand. Mein damaliger Chef offerierte mir einen Job in Arosa. Dass ich diesen nicht haben wollte und mich stattdessen für das Fünfsterne-Grand-Hotel Villars entschied, konnte er überhaupt nicht nachvollziehen.

Die Zeit in Villars war sehr hart und forderte mich ungemein. Mein dortiger Chef war ein absoluter Perfektionist. Ich habe jedoch zu seiner grössten Zufriedenheit gearbeitet und erreichte eine Stufe, die ich nicht mehr unterschreiten wollte. Schon damals war es mein Ziel, an die Spitze der Kochkunst zu gelangen und nur noch an Orten zu arbeiten, wo ich gefordert war und etwas dazu lernen konnte.

Nach einigen Stationen in Grand Hotels in der Schweiz war ich ein Jahr in Japan als Küchenchef tätig und konnte einen guten Einblick in die dortige Küche gewinnen. Sie ist leicht, ehrlich, artistisch und einfach phantastisch! Sie hat mich bis heute sehr geprägt.

Vor meinem Japan-Aufenthalt verbrachte ich noch ein Jahr in Rom und lernte dort die italienische Küche kennen und verstehen. Ausserdem arbeitete ich drei Jahre in einem grossen Hotel in Kanada. Eine weitere Station war Belgien, wo ich im ersten Dreisterne-Restaurant ausserhalb von Frankreich, der Villa Lorraine, arbeitete. Erwähnen muss ich noch eine spezielle Liebe, nicht zu einer Frau, sondern zu einem Fisch, nämlich dem Hering! (Lacht) Ich reiste extra nach Stockholm, um dort seine Zubereitung von der Pike auf zu lernen.

Sie waren also schon sehr früh als Koch in anderen Ländern tätig und konnten viele Erfahrungen sammeln!

Das ist richtig. Ich war schon als Lehrling sehr interessiert und motiviert. Dabei habe ich aber eher selten in Kochbücher reingeschaut und die Rezepte nachgekocht. Bereits damals habe ich viel experimentiert und versucht, selber gute Speisen zu entwickeln. Wenn ich von einer speziellen Zutat oder von einer bestimmten Küche angetan war, versuchte ich gleich am Ort, wo diese Zutat herkam oder diese Küche lange Tradition hatte, zu lernen. Die Zubereitung des Herings, die ich in Stockholm älteren Frauen abgeschaut hatte, ist hierfür ein gutes Beispiel.

Kamen Sie über Beziehungen in die hervorragenden Hotels und Restaurants, oder wie haben Sie das hinbekommen?

(Lacht) Nein, ich habe mich überall selber beworben und die Stellen ohne fremde Hilfe bekommen. Da ich eine sehr gute Reputation genoss, hat das immer funktioniert! Je mehr tolle Hotels man durchläuft, desto attraktiver wird man auf dem Markt. So kam eines nach dem anderen, wie ich es mir erhofft und gewünscht hatte.

Herr Mosimann, Sie gingen nach den verschiedenen erwähnten Stationen schliesslich nach England und hatten dort die Aufgabe, eine Küche in einem altehrwürdigen Haus, dem erwähnten Dorchester, zu führen. Irgendwann aber trafen Sie den Entscheid, sich selbständig zu machen. Wie kam es zu diesem Entscheid und was waren Ihre Absichten?

Während meiner Zeit im Dorchester hatte ich eine riesige Anzahl von guten Köchen ausgebildet. Auf der Warteliste hatten wir zeitweise über 650 Köchinnen und Köche, die gerne bei uns gearbeitet hätten. Das war eine phantastische Zeit. Mit 40 Jahren fragte ich mich aber dann: „What is next?“ Wollte ich noch einmal 25 Jahre in einem Hotel als Küchenchef arbeiten, oder gab es noch etwas anderes?

Nach rund 13 Jahren im Dorchester unter 5 verschiedenen Direktoren und dem Erkochen von zwei Michelin-Sternen für das Haus wollte ich einen nächsten Schritt wagen. Die Verleihung der zwei Sterne hat mich ins Rampenlicht gerückt. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden einem Hotel-Restaurant ausserhalb von Frankreich noch nie zwei Michelin-Sterne verliehen.

Ich hätte die Möglichkeit gehabt, nach Tokio, Hawaii, Hongkong oder New York zu gehen. In London kannte ich aber viele Leute, die ich sehr mochte. Deshalb habe ich beschlossen, alle Angebote abzulehnen und mich in London selbständig zu machen. Ich wurde auf die Kirche aufmerksam, in der sich heute mein Lokal befindet. Schon damals gab es in dieser Kirche ein Restaurant. Sofort war mir klar, dass ich dort „meine eigene Musik“ spielen konnte. Ich habe das Lokal renoviert und später auch gekauft.

Sie sind dabei unternehmerische Risiken eingegangen. Nach über zwei Jahrzehnten in Anstellungsverhältnissen entschieden Sie sich, ein eigenes Unternehmen, das Unternehmen „Mosimann“ mit dem Spitzenrestaurant Belfry in Belgravia London zu gründen. Wie sah Ihr Business-Plan aus?

Ich hatte mir sehr gut überlegt, wie ich einsteigen wollte. Natürlich war das oberste Ziel, eine absolute Spitzenküche zu bieten. Ich war damals der erste, der anfing, mit Sponsoren zu arbeiten. Es gab drei sehr renommierte Unternehmen, die jeweils einen Salon sponserten. Dafür konnten sie mit ihrem Namen und ihren Produkten bei mir im Club werben. Das waren damals neue Wege im Marketing und PR. Die drei Firmen waren Tiffanys, Gucci und Wedgewood.

Heute haben wir in London 7 Räume, die alle gesponsert sind. Das Modell hat sich für mich, aber auch für die beteiligten Unternehmen, bewährt. Ich kann gar nicht alle Unternehmen beachten, die gerne einen Salon sponsern möchten. Die Warteliste ist sehr lang.

Neben der Qualität des Essens muss auch die Qualität und der Ruf dieser Sponsoring-Unternehmen stimmen. Nur so ist es möglich, Menschen anzuziehen, die sich diesen gehobenen Luxus auch leisten können.

Gerne würde ich an dieser Stelle kurz auf das Stichwort Qualität und Ihre Kundschaft in London eingehen. Im frühen 19. Jahrhundert waren Jean Anthelme Brillat-Savarin, Antonius Anthus oder Carl Friedrich von Rumohr, um nur einige herausragende Persönlichkeiten zu nennen, die ersten Gastrokritiker, die anfingen, sich auch intellektuell und auf höchstem Niveau mit der Gastronomie zu beschäftigen. Brillat-Savarin unterteilte in seinem 1825 erschienenen Buch, „Physiologie des Geschmacks“ Menschen, die gute Küche zu würdigen wussten, in vier Gruppen: Die Geldmänner, die Ärzte, die Lebemänner und die Betbrüder. Zählen diese Kategorien von Menschen ebenfalls zu Ihren Gästen und wenn ja, welche davon ist Ihnen am liebsten?

(Lacht) Meine bevorzugten Gäste sind diejenigen, die mein Essen schätzen und mit denen sich freundschaftliche Beziehungen entwickeln. Damit meine ich vor allem Gäste, die immer wieder gerne zurückkommen. Es macht grosse Freude, für Menschen zu kochen, die etwas vom Essen verstehen und Qualität zu würdigen wissen. Seit rund 20 Jahren bin ich nun selbständig und viele Gäste, die von der ersten Stunde mit dabei waren, kommen auch heute noch und unterstützen mein Konzept. Wir funktionieren als Club, ein Modell, das in England schon immer funktioniert hat, aber in anderen Ländern erst am Aufkommen ist. Unser Club hat mittlerweile rund 2500 Mitglieder. Das ist eine beträchtliche Anzahl, auf die wir sehr stolz sind!

Was hat sich in den letzten rund 200 Jahren seit Brillat-Savarin in Europas Küche verändert?

Es hat sich natürlich sehr viel getan und eine ausführliche Antwort würde ein Buch füllen. Die damals noch sehr traditionelle und auch schwere Küche hat sich weiter entwickelt. Sie ist leichter und abwechslungsreicher geworden. Wurden früher noch unglaublich grosse Portionen gekocht und von den Gästen auch verlangt, so isst man heute in der gehobenen Küche viel überlegter. Mit der Kolonialisierung verschiedenster Länder kamen natürlich auch neue Zutaten und Einflüsse nach Europa. Die Küche hat sich globalisiert. Gerade nach dem Zweiten Weltkrieg fand ein grosser Küchenerfahrungsaustausch statt. Immer mehr Köche gingen ins Ausland und kamen mit ihren Erfahrungen irgendwann wieder nach Hause zurück. So wurde die ganze Küchenlandschaft sehr lebendig.

Vor wenigen Jahrzehnten kam dann die sogenannte Nouvelle Cuisine auf, sicher ein Meilenstein in der Geschichte des Kochens. Ich gehörte zu den wenigen Glücklichen, welche diese Küche in England eingeführt haben. Meine Japan-Erfahrung war dabei von grossem Vorteil.

Ferner kann man heute auch ohne Fleisch essen. Das hätte Brillat-Savarin vielleicht nicht durchgehen lassen. Das erinnert mich im Übrigen immer wieder an meine Anfangszeiten im Dorchester. Wir hatten oft grosse Anlässe mit vielen Gästen. Manchmal kam ein Ober ganz aufgeregt in die Küche geschossen und sagte: „Hilfe, wir haben einen Vegetarier!“ (Lacht) Das war regelmässig ein schrecklicher Moment. Dieser Vegetarier verursachte ein riesiges Chaos im genauestens geplanten Kochplan. Heute ist es nicht mehr denkbar, nur noch Speisen mit Fleisch anzubieten.

Sie haben sich intensiv mit der Nouvelle Cuisine auseinandergesetzt und diesen Kochstil wesentlich mitgeprägt. Was sind die Merkmale der Nouvelle Cuisine?

Die Nouvelle Cuisine zeichnet sich dadurch aus, dass sie frische Produkte verwendet und diese à la minute, also kurz vor dem Essen, verarbeitet werden. Die traditionelle Küche arbeitet dagegen oft mit Produkten, die schon Stunden oder gar Tage vorher vorbereitet wurden. Die Nouvelle Cuisine will den Eigengeschmack der Produkte erhalten und ist viel leichter als die traditionelle Küche. Das trifft insbesondere auch auf die Saucen zu. Man entfernte sich beispielsweise von den schweren Béchamel-Saucen. Die Nouvelle Cuisine ist auch von der Küche anderer Länder beeinflusst. So hat beispielsweise die japanische Küche die Nouvelle Cuisine in Europa inspiriert. Bei der Nouvelle Cuisine nimmt sich im Übrigen auch der Gast mehr Zeit, die vielen kleinen Gänge zu geniessen.

Diese Küche in den richtigen Händen ist phantastisch! Viele Menschen haben sie aber missverstanden und Menus unter dem Titel „Nouvelle Cuisine“ angeboten, die diesen Namen nicht verdienen.

Anton Mosimann: natürlich frisch. ISBN 3727213361 Ich selbst habe die Cuisine Naturelle kreiert. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass auf Zutaten wie Sahne, Butter und Alkohol verzichtet wird. Der Fokus ist noch mehr auf den Eigengeschmack der einzelnen Zutaten gerichtet. Die Produkte werden nur kurz gegart. Sowohl bei der Nouvelle Cuisine als auch bei der Cuisine Naturelle wird grössten Wert auf die Präsentation der Speisen gelegt. Das ist auch mir sehr wichtig. Ich versuche, die Speisen so anzurichten, dass sie schon für das Auge reizvoll erscheinen.

Eben ist mein neustes Kochbuch erschienen (Anmerkung des Verfassers: Anton Mosimann, Natürlich frisch, Rezepte eines Starkochs, Stämpfli Verlag AG, 2008). Dort setze ich mich intensiv mit der Cuisine Naturelle auseinander.

Brillat-Savarin spricht von der „Veredelung des Menschen durch die Esskunst“. Darf ich das aus Ihren Aussagen als das von Ihnen verfolgte höhere Ziel herauslesen?

Eine gute Küche muss meines Erachtens sein! Man muss die eigenen Sinne schulen und ständig weiterentwickeln. Gute Küche kann inspirierend wirken und soll deshalb gepflegt werden.

Zu Ihren Gästen gehört alles, was Rang und Name hat. Eben haben Sie anlässlich der Olympischen Spiele auch für das IOC (International Olympic Committee) in Peking gekocht. Was braucht es nebst gutem Essen, um die Gäste zufrieden zu stellen?

Man muss innovativ sein und die Speisen richtig präsentieren. Es braucht auch die Begabung, verschiedene Speisen miteinander kombinieren zu können. Zudem braucht es gewisse kommunikative Fähigkeiten. Die Gäste schätzen es, sich ein bisschen zu unterhalten. Ich berate meine Gäste und mache sie auf neue Ideen oder auf spezielle Produkte aufmerksam. Man muss dem Gast das ehrliche Gefühl vermitteln können, dass er willkommen ist, und dass man ihm das Beste bieten will. Es ist auch wichtig, dem Gast gegenüber eine gewisse Bescheidenheit an den Tag zu legen. Der Fokus muss immer auf das Produkt gerichtet sein.

Kann man noch so bescheiden sein, wenn man für Queen Elisabeth II kocht, von ihr mit dem „Order of the British Empire“ ausgezeichnet wird und täglich viele andere berühmte Menschen kennenlernt?

Es ist tatsächlich so, dass ich an vielen Staatsbanketten für Downing Street für ausländische Staatspräsidenten und auch immer wieder für die Königsfamilie koche. Für mich steht aber immer mein Produkt im Vordergrund. Dass ich dabei interessante Menschen kennenlerne und sich hie und da auch Freundschaften mit wichtigen Persönlichkeiten entwickeln, ist ein schöner Nebeneffekt. Wenn man auf der ganzen Welt als Koch engagiert wird, kann man auch interessante Reisen unternehmen. Das alles schätze ich sehr und ich bin auch sehr dankbar dafür. Aber ich bin trotz allem immer mit beiden Füssen auf dem Boden geblieben.

Sie sind in einem gewissen Sinne eine Art Schweizer Botschafter geworden. Was ist Ihr Bild von der Schweiz und wie sehen Ihrer Meinung nach Ihre illustren Gäste die Schweiz?

Soweit ich das aus den Gesprächen erkennen kann, haben meine Gäste von der Schweiz ein sehr positives Bild. Prinz Charles und die Königsfamilie kennen die Schweiz aufgrund ihrer Skiferien, die sie jeweils dort verbringen, gut und lieben unser Land. Auch Kofi Annan hat die Schweiz ins Herz geschlossen. Er bat mich vor einiger Zeit in Davos, Prinz Charles die besten Grüsse auszurichten, was ich natürlich sehr gerne tat. Somit bin ich tatsächlich nebst meinem Dasein als Koch auch ein kleiner Botschafter. Im Zusammenhang mit der Schweiz wird immer wieder auch die gute Lebensqualität, die grosse Sicherheit, die Sauberkeit und die Verlässlichkeit erwähnt. Städte wie Zürich oder Genf sind sehr beliebt. Auch die Wintersportorte finden in England grossen Gefallen.

Es ist interessant, zu beobachten, dass viele Leute es gut finden, dass die Schweiz nicht der EU angehört und ihren Schweizer Franken behalten hat. Auch die Schweizer Neutralität wird sehr geschätzt und ist immer wieder ein Thema. Doch das ist alles sehr politisch und politisch bin ich überhaupt nicht engagiert. Ich verstehe auch nicht allzu viel von Politik. Aber ob links oder rechts, labour oder conservatives, republicans oder democrats, nach meiner Erfahrung essen alle gerne gut und wissen alle einen guten Schluck Wein zu schätzen. (Lacht)

Sehen Sie bei der Schweizer Küche und der Ausbildung der Köche in der Schweiz Nachholbedarf oder ist die Schweiz diesbezüglich auf dem richtigen Weg?

Wir hätten in London gerne noch mehr jüngerer Leute, auch aus der Schweiz, die im Ausland Erfahrungen sammeln möchten. Im Gespräch mit Schweizer Kolleginnen und Kollegen erkenne ich, dass nur wenige junge Köchinnen und Köche sich für eine Karriere im Ausland begeistern lassen. Das ist schade, denn Auslanderfahrungen sind wichtig, nicht nur in Bezug auf die Zubereitung von Speisen, sondern auch in Bezug auf die Erweiterung des Horizontes, die Sprachkenntnisse und den Umgang mit Gästen aus anderen Ländern und Kulturen.

Sie haben im Jahr 2000 versucht, bei Olten mit einem sehr exquisiten Restaurant Fuss zu fassen, ein Unterfangen, das gescheitert ist. Was waren die Gründe dafür, dass Ihnen kein Erfolg beschieden war?

Die Gründe für das Ausbleiben des Erfolges waren verschiedenster Art: Möglicherweise war die Club-Idee für die Schweiz verfrüht. Was in anderen Ländern schon seit Jahrzehnten sehr gut funktioniert und von der Kundschaft sehr geschätzt wird, hat damals in der Schweiz noch zu wenig Anklang gefunden. Ich beobachte aber heute, dass zwischenzeitlich gegründete Clubs sehr gut laufen. Ausserdem war die Lokalität zwar sehr schön gelegen, aber sie befand sich zu weit weg von Ballungsgebieten wie Zürich und Basel.

Ich wäre jedoch nicht überrascht, wenn in den nächsten Jahren in der Schweiz weitere Clubs entstehen würden, die gut laufen. Es ist auch in der Schweiz das Bedürfnis zu erkennen, sich in einem gediegenen Rahmen mit anderen gleichgesinnten Menschen zu treffen. Dafür braucht es Lokalitäten, welche die nötige Diskretion und Ruhe bieten.

Sie haben das Restaurant verkauft.

Ich habe das Restaurant an die Gemeinde verkauft. Sie betreibt das Lokal, soweit ich weiss, sehr erfolgreich. Das ist gut so.

Haben Sie sich damals nicht überlegt, das Restaurant noch etwas länger zu betreiben? Die Eröffnung fiel in eine wirtschaftlich schwierige Zeit. Ich frage das, weil mich die Situation etwas an den von Erich von Däniken lancierten Mistery-Park erinnert, dem ebenfalls kein Erfolg beschieden war. Er meinte in einem Gespräch, dass man möglicherweise einfach noch etwas länger hätte zuwarten müssen.

Das war tatsächliche eine Option, die wir in Betracht gezogen haben. Ich habe mir aber in dieser Zeit immer wieder überlegt, wo ich mich mehr zu Hause fühle und mir wurde klar, dass das in London der Fall ist. Ich habe hier sehr viele gute Freunde, fühle mich hier zuhause und bin hier sehr glücklich. Deshalb habe ich mich entschieden, den Standort in der Schweiz wieder aufzugeben. Es ist sehr schwierig, auf diesem hohen Niveau zwei Orten gerecht zu werden.

Wie bereits erwähnt, sind Sie nicht nur Koch, sondern auch Unternehmer. In Ihrem Restaurant arbeiten über 100 Personen. Was waren für Sie die grössten Hürden und Herausforderungen, die Sie in den letzten 20 Jahren meistern mussten?

Auch in der Spitzengastronomie spürt man, ob die Wirtschaft gut läuft oder nicht. Rund 80% unserer Gäste sind Geschäftsleute aus der ganzen Welt. Der Kuwait Krieg hatte uns kurzfristig etwas zugesetzt. Damals musste ich die Küchenmannschaft reduzieren und mich von Personal trennen. Dank den sofortigen Massnahmen, die wir eingeleitet hatten, hat uns aber die Wirtschaftskrise und die weltweite Unsicherheit nicht allzu viel geschadet. Heute sind wir resistenter gegen solche Krisen. Unser Kundenstamm hat sich in den letzten Jahren ziemlich vergrössert und die ganze Unternehmung ist damit viel stabiler geworden.

Zurzeit ist Jamie Oliver ein Name, dem man immer wieder begegnet. Können Sie uns etwas über ihn erzählen?

Ich war vor rund 25 Jahren einer der ersten Köche, der für BBC und weitere Kanäle in Koch-Shows auftrat. Das war eine spannende Aufgabe. Die Kochserien kamen gut an. Heute treten andere Köche am Fernsehen auf. Jamie Oliver ist einer von ihnen. Ich kenne ihn gut. Er ist ein sehr guter Koch und kann sich auch verkaufen. Auch diese Shows sind ein Marketing- und PR-Instrument. Seine Sendungen werden in England von einem grossen Publikum angeschaut. Ich bin allerdings nicht ganz immer gleicher Meinung wie er. Aber das muss ich auch nicht, denn Essen ist schliesslich und glücklicherweise Geschmacksache. Zweifelsohne ist Jamie Oliver ein junger und kreativer Geist, der manche Küche inspirieren kann.

Herr Mosimann, ich weiss, dass Sie mit Prinz Charles sehr gut bekannt sind, ihn immer wieder treffen und für ihn kochen. Es wird viel über ihn geschrieben, meist von Menschen, die ihn nie persönlich kennengelernt haben. Was ist Prinz Charles für ein Mensch?

Prinz Charles ist ein ganz ausgezeichneter und feiner Mensch. Er ist immer gut gelaunt und arbeitet sehr viel. Ich würde ihn sogar als „workaholic“ bezeichnen. Er ist oft für karitative Zwecke unterwegs, unterstützt mit seiner Person eine ganze Anzahl von kulturellen Unterfangen und hat eine eigene Meinung. Er ist sehr zuvorkommend und nimmt sich Zeit für die Leute. Möglicherweise wird er hin und wieder falsch verstanden. Ich habe ihn in den vergangenen 30 Jahren oft getroffen und schätze ihn sehr. Auch Diana habe ich gut gekannt, schon zur Zeit als die beiden noch nicht verheiratet waren. Auch sie habe ich als ganz tolle und nette Person in Erinnerung.

Abschliessend möchte ich Sie bitten, uns noch eine Anekdote von Ihren illustren Gästen zu erzählen.

(Lacht) Es gibt viele Geschichten! Bei uns herrscht abends Krawattenzwang und Turnschuhe sind verpönt. Die englische Gesellschaft legt grossen Wert auf Etikette. Wenn natürlich Superstars wie Mick Jagger im Rollkragenpullover auftauchen, kann man sie nicht einfach wieder nach Hause schicken. Wir machen dann hin und wieder eine Ausnahme.

Kürzlich haben wir eine Umfrage bei unseren Gästen durchgeführt. Wir wollten wissen, ob es für sie vorstellbar wäre, dass mittags auf die Krawatte verzichtet würde. Unsere Mitglieder haben aufgrund des sehr heissen Sommers gemeint, dass man mittags auch ohne Krawatte in den Club kommen können sollte. Seither herrscht bei uns die Regel: mittags ohne und abends mit. Die Erfahrung zeigt aber, dass trotzdem rund 90% der Gäste mittags mit einer Krawatte erscheinen. Zu diesem Thema kommt mir im Übrigen noch Folgendes in den Sinn: Vor zwei Jahren waren wir wieder zum Geburtstagsfest der Königin eingeladen. Es war alles dort was Rang und Name hatte, und es war fürchterlich heiss an diesem Tag. Der Schweiss stand vielen Gästen im wahrsten Sinne des Wortes im Gesicht. Trotz der grossen Hitze hat niemand sein Jackett ausgezogen! Sie sehen, es braucht in England noch einiges, mehr als nur grosse Hitze, damit von Traditionen abgelassen wird!

Sehr geehrter Herr Mosimann, ich bedanke mich herzlich für dieses Gespräch und wünsche Ihnen und Ihren Kochprojekten weiterhin viel Erfolg!

(C) 2008 by Christian Düblin. Alle Rechte vorbehalten. Anderweitige Publikationen sind nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors gestattet.

Lesen Sie ebenfalls das Interview mit dem Elsässer Koch, Patissier und Glacier Tony Hartmann!

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Literaturliste (Deutsche Nationalbibliothek):

Bücher 1. Natürlich frisch
Mosimann, Anton. - Bern : Stämpfli, 2008, Dt. Ausg. ISBN 978-3-7272-1336-6
Bücher 2. Mosimanns natürliche Küche
Zürich : Werd-Verl., [2000] ISBN 3-85932-355-5
Bücher 3. Mosimann's vegetarische Küche
Zürich : Werd-Verl., 1999, ISBN 3-85932-268-0
Bücher 4. Mosimann's kulinarische Schweiz
Mosimann, Anton. - Aarau/Schweiz : AT-Verl., 1998, ISBN 3-85502-626-2
Bücher 5. Natürlich, leichtes Kochen mit Anton Mosimann
Aarau, Schweiz : AT-Verl., 1996, ISBN 3-85502-598-3
Bücher 6. Die Kunst des Anton Mosimann
Cham/Zug : Müller Rüschlikon, 1991, ISBN 3-275-01014-X
Bücher 7. Le gran libro del marisco
Madrid : Ed. Everest, 1990, ISBN 84-241-2282-8
Bücher 8. Cuisine de la mer
Mosimann, Anton. - Düsseldorf : Econ-Verl., 1988, ISBN 3-430-16816-3
Bücher 9. Cuisine naturelle
Mosimann, Anton. - Düsseldorf : Econ-Verl., 1988, 2. Aufl. ISBN 3-430-16819-8
Bücher 10. Shellfish
Mosimann, Anton. - Twickenham : Hamlyn, 1987, ISBN 0-600-32605-5
Bücher 11. Meisterkurs für Hobbyköche
Mosimann, Anton. - München : Heyne, 1987, Taschenbuchausgabe, ISBN 3-453-00901-0
Bücher 12. Das grosse Buch der Meeresfrüchte
Füssen : Teubner, 1985, ISBN 3-7742-3635-6

Eddie Murphy...

Richard Clayderman...

Richard Clayderman...

Charlie Chaplin...

Jon Lord...

Czwalina Consulting

MAW Interim Management

Dennis Hopper...

Chi Coltrane...

Erich von Däniken...

Echoes of Swing

Praxishandbuch ...

Dennis Hopper...

Procure.ch

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