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Spezialinterview Style: Xenia Tchoumitcheva

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Xenia Tchoumitcheva. Mit freundlicher Erlaubnis von Xenia TchoumitchevaXenia Tchoumitcheva, 1989, wurde einer breiten Öffentlichkeit aufgrund ihrer Teilnahme an den Miss Schweiz-Wahlen im Jahr 2006 bekannt. Sie erreichte den 2. Platz, erhielt die Auszeichnung „Miss Photogenic“ und schaffte es kurze Zeit später, sich national und international einen grossen Namen in der Mode-Welt zu machen – ein Erfolg, der sich sehen lässt. Schon mit 13 Jahren war Xenia Tchoumitcheva für die Modewelt tätig und hat zahlreiche Wettbewerbe rund um Mode und Schönheit gewonnen. Sie ist jedoch nicht nur schön, sondern auch charmant, weiss, was sie will, und eine ambitionierte Unternehmerin mit klaren Ideen. In den letzten Monaten und nach ihrem Wirtschaftsstudium war Xenia Tchoumitcheva für Unternehmen der Finanzbranche in Zürich und in London tätig – begleitet von vielen Medien aus der ganzen Welt. Xenia Tchoumitcheva ist fünfsprachig und wird von Elite Model Management repräsentiert. Im Gespräch mit Christian Dueblin spricht Xenia Tchoumitcheva über ihren kulturellen Hintergrund, zeigt auf, wie Selbstmanagement funktioniert, was sie an sich als russisch und italienisch betrachtet und was Schönheit für sie selber bedeutet.

Sehr geehrte Frau Tchoumitcheva, Sie haben 2006 bei den Miss Schweiz-Wahlen mitgemacht und sind seitdem in den Medien sehr viel portraitiert worden. Mit einem Uni-Abschluss in der Tasche, selber Unternehmerin und erfolgreich in der internationalen Finanzbranche tätig, heben Sie sich von vielen anderen Schönheiten auf der Welt wesentlich ab. Was hat Sie damals bewogen, bei den Miss Schweiz-Wahlen mitzumachen?

Seit ich 12 Jahre alt bin, habe ich immer wieder als Model gearbeitet und war mit dem Thema Mode beschäftigt. Ich hatte als kleines Mädchen mit meiner Mutter eine Modeschau gesehen und diese hat mich völlig begeistert. Ich beschloss, ebenfalls als Model arbeiten zu wollen. Auch während meines Studiums habe ich gemodelt und habe mir damit meinen Lebensunterhalt verdient. Irgendwann fragte mich eine Freundin - mehr zufällig -, ob ich bei den Miss Schweiz-Wahlen mitmachen wollte. Ich bin in die Vorentscheidung gegangen und alles verlief viel besser, als ich das selber erwartet habe. All das machte ich aber nicht einfach nur so „just for fun“, sondern ich habe mir schon damals überlegt, dass eine Beteiligung an den Miss Schweiz-Wahlen auch meine Angebote als Model verbessern würde und sich damit verbunden neue Türen in der Modewelt öffnen würden. Meine Einschätzung war richtig. Nach den Wahlen habe ich sehr interessante Angebote bekommen, die mir grosse Freude bereiten.

Wann wurde Ihnen klar, dass Sie eine gewisse Ausstrahlung haben, die Menschen begeistert und anzieht und von denen auch die Modewelt profitiert?

Ich habe lokale Miss-Wahlen gewonnen und immer wieder an diversen Mode- und Schönheits-Wettbewerben teilgenommen. Das hat mir grossen Spass gemacht. Schon mit 13 Jahren gewann ich meinen ersten Titel. Somit war die Miss Schweiz-Wahl zwar etwas Grösseres aber doch nichts Neues für mich.

(Lacht) Meine Eltern waren anfänglich nicht von meinem Entscheid zu „Modeln“ begeistert. Sie standen mir aber nicht im Weg und meinten, ich sollte tun, was mich glücklich macht. Meine Eltern haben mich anfänglich immer begleitet, unterstützten mich sehr und wir gingen, als ich noch sehr jung war, auch zusammen in eine Agentur, die mich aufnahm und förderte.

Sie haben einen sehr interessanten kulturellen Hintergrund. Sie haben russische Eltern und sind im Tessin gross geworden. Welcher Kultur fühlen Sie sich selber am nächsten und was denken Sie, hat die russische Kultur für einen Einfluss auf Ihr Leben heute?

Meine Eltern stammen beide aus Russland, aus dem Uralgebiet. Die Stadt heisst Magnitogorsk. Als ich 6 Jahre alt war, kam mein Vater mit meiner Familie aus geschäftlichen Gründen in die Schweiz. Wir liessen uns in Lugano nieder. Ich fühle mich natürlich als Schweizerin, aber wenn ich auf meine russischen Wurzeln angesprochen werde, so stelle ich immer wieder fest, dass ich mich eher als Italienerin betrachte, denn als Russin. Wir sind im Tessin natürlich alle mit Italien sehr verbunden, schauen italienische Filme und italienisches Fernsehen. Das hat mich mein Leben lang sehr geprägt und das hat sich auch charakterlich bei mir niedergeschlagen.

Xenia Tchoumitcheva. Mit freundlicher Erlaubnis von Xenia Tchoumitcheva

Als „russisch“ würde ich meinen Ehrgeiz und meine Ambitionen bezeichnen, die ich sicher habe und haben muss. Russische Menschen sind sehr belesen und die Bildung hat in Russland einen hohen Stellenwert. Ich lese selber sehr viel und Bildung war in meinem Leben immer ein wichtiger Faktor und Antrieb. Für mich wäre eine Model-Karriere, ohne parallel auch eine gute Schulbildung zu durchlaufen, nicht in die Frage gekommen. Heute bin ich sehr froh, dass ich beides erfolgreich machen konnte.

Schönheit ist etwas, das sich ständig verändert. Vielleicht wären Sie am Hof des Sonnenkönigs Louis XIV nicht als Schönheit erkannt worden und Sie hätten in einem Film mit Douglas Fairbanks in den Zwanzigerjahren möglicherweise keine Rolle als Schauspielerin bekommen. Was ist Schönheit für Sie ganz persönlich und was braucht es heute, um diese Schönheit auch medial vermitteln zu können?

Das ist nicht einfach zu erklären. Schönheit ist nicht nur etwas, das mit einem körperlichen Attribut verbunden ist. Es handelt sich vielmehr um ein ganzes Paket von Voraussetzungen, die man haben muss, um in der Welt der Schönheit erfolgreich zu sein und im Wettbewerb der vielen schönen Menschen bestehen zu können. Natürlich ist ein schönes Aussehen eine Grundvoraussetzung. Das hat viel mit den Augen, dem Gesicht und den Köperformen zu tun, aber auch ganz wesentlich mit Pflege. Bei der Pflege geht es nicht nur um das Haar oder die Haut, sondern auch um Sport, mit dem man den Körper fit halten muss. Diese Pflege würde ich mit „Styling“ bezeichnen, ein Faktor, den man in der Modewelt nicht unterschätzen darf. Dabei geht es beispielsweise auch darum, welche Farben einem Menschen stehen. Schliesslich kommt aber auch dazu, dass man wissen muss, wie man sich vermarkten muss. Das ist nicht anders als bei einem Unternehmen, das einem gewissen Konkurrenzdruck ausgesetzt ist und seine Produkte auf dem Markt anpreist. Es gibt Unternehmen, die machen das meisterlich und andere weniger gut. Aber all das ist nur ein Teil dieses Paketes „Schönheit“. Sehr wichtig ist die Ausstrahlung, die ein Mensch hat. Es geht dabei um die Art und Weise, wie eine Person anderen Menschen begegnet, wie sie sich bewegt und gibt. Sie können feststellen, dass es Menschen gibt, die auf den ersten Blick nicht sehr schön sind, die sich aber sehr attraktiv bewegen und geben können, was sie sehr schön macht und andere Menschen anzieht. Die Ausstrahlung, die solche Menschen haben, kommt von ganz innen und sie kann wichtiger sein als nur „Schönheit“. Diese Ausstrahlung kann man nicht spielen. Das macht sie sehr interessant.

Sie bewegen sich vor der Kamera und auf dem Laufsteg sehr professionell und haben sich dabei grosse Erfahrungen aneignen können. Was unterscheidet den Laufsteg und die Modewelt von der Schauspielerei, der Sie sich ebenfalls gewidmet haben und die Sie zu faszinieren scheint?

Ich spiele nicht, wenn ich über den Laufsteg gehe oder als Model tätig bin, sondern bin immer ich selber. Ich glaube, das ist auch mein Erfolgsrezept. Ich hatte letztes Jahr selber die Möglichkeit, nach meinem Uni-Abschluss in New York an der New York Film Academy Schauspielunterricht zu nehmen, eine wunderbare Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Die wirklich sehr guten Schauspieler, wie wir sie vom Theater oder vom Film her kennen, glauben ganz fest daran, was sie auf der Bühne oder auf dem Set machen. Sie glauben mehr an ihre Rolle als das Publikum, was sie beim Publikum sehr glaubhaft erscheinen lässt. Das ist es, was wir von einem guten Schauspieler oder einer guten Schauspielerin erwarten und gerne sehen. Wir wollen nicht erkennen, dass diese Person ihre Rolle nur spielt. Das würde uns sofort die Freude am Theater oder am Film verderben. Die guten Schauspielerinnen und Schauspieler sind diejenigen, die wahrhaftig auftreten. Der Laufsteg ist für mich aber keine Schauspielerei. Ich mache das nun schon seit vielen Jahren und man bekommt dabei eine gewisse Routine. Es ist ein Job, eine Arbeit, nicht mehr und nicht weniger. Ich zeige Kleider oder Schmuckstücke, die von jemandem entworfen worden sind und weiss, wie ich mich dabei bewegen muss, damit diese ihre Wirkung erzielen. Im Vergleich zur Schauspielerei ist das aber sehr einfach (lacht).

Als wir das letzte Mal miteinander sprachen, waren Sie gerade mitten am Abschluss Ihres Studiums. Mittlerweile haben Sie Ihr Wirtschafts-Studium abgeschlossen und waren für die Finanzbranche tätig. Wie bringen Sie alles miteinander auf die Reihe?

Nach meinem Studium der Wirtschaft habe ich bei Merryll Lynch ein Praktikum gemacht und arbeitete noch bis vor Kurzem in London für die Hedge Fund Duet Group und JP Morgan Chase. Ich hätte dort weiterarbeiten können, wollte das aber nicht tun. Diese Tätigkeiten waren eine grosse Erfahrung und ich habe tolle und interessante Menschen kennengelernt. Ich wollte diese Erfahrungen nach meinem Uniabschluss unbedingt machen, war mir aber schon vor langer Zeit darüber im Klaren, dass eine Arbeit in der Finanzbranche nicht einfach so nebenbei machbar ist. Ich habe mein eigenes Geschäft und meine Geschäftsideen und möchte vor allem damit weiterkommen. Sowohl das eine als auch das andere kann man nicht einfach nebenbei betreiben. Ich habe mich entschlossen, mein eigenes Business, Branding und Retail, weiter aufzubauen. Das ist es, was ich immer schon wollte. Damit ist meine Karriere als Bankerin somit zurzeit beendet… (lacht).

Schönheit ist nicht immer nur einfach. Was haben Sie im Beruf für Erfahrungen gemacht? Kann Schönheit auch ein Nachteil sein, beispielsweise in der Finanzbranche, wenn es darum geht, Leistung erbringen zu müssen?

Wenn Schönheit mit Bekanntheit gepaart ist, dann ist es noch einmal schwieriger! Ich hatte gestern einen VIP-Auftritt. Gleich nach dem Auftritt wollte ich in der Lobby einen guten Kollegen treffen und steckte mir die Haare hoch, zog meine hohen Schuhe aus und setzte mir eine Mütze auf. Kaum war ich so unter den ersten Menschen, hat man mich angesprochen. Die Verkleidung hat also nichts genützt. Das kann dazu führen, dass man nie Ruhe hat. Ich sehe das aber auch alles von einer professionellen Seite. Für mich ist das „Show“. Nach der Arbeit gehe ich wieder nach Hause und kann mich abgrenzen. Aber Menschen, die sich in der Öffentlichkeit präsentieren, dürfen sehr froh sein, dass man sich um sie bemüht. Davon leben wir schliesslich und deshalb will ich mich gar nicht beklagen. Aber klar ist, dass die Schönheit und die Bekanntheit sowohl schöne als auch weniger schöne Seiten haben. Das ist aber in vielen Berufen ebenfalls der Fall. Alles kann man nicht haben.

Xenia Tchoumitcheva. Mit freundlicher Erlaubnis von Xenia Tchoumitcheva

Sie haben mich auch auf Schönheit und Arbeit und Leistung angesprochen. Ich kann Ihnen dazu folgendes erzählen: Als ich nach meinem Studium anfing, für Banken und Hedge Funds zu arbeiten, wurde ich speziell in London von den Medien regelrecht verfolgt. Das Medieninteresse an mir war enorm. Das hat mich selber sehr erstaunt. Ich hatte mit Bloomberg zu tun und bin dort offensichtlich zur „most viewed person ever“ geworden - seit Bloomberg existiert. Aber auch Zeitungen und Zeitschriften aus Russland, Hongkong und Tokyo waren an mir interessiert und haben über mich und meine Tätigkeit in London berichtet. Mit diesem Szenario hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Mit einem Schlag bin ich in der Finanzbranche sehr bekannt geworden. Das war auch für mich etwas komisch und das hatte auch eine etwas unangenehme Seite. Meiner Arbeitgeberin musste klar werden, dass ich für sie auch ein gewisses Risiko darstellte. Nicht, dass man mich nun anders behandelt hätte, ich war mit meiner Arbeit und mit meinen Umfeld sehr zufrieden. Aber klar ist, dass man in einer solchen Situation, wenn man vor den Medien etwas Falsches sagt, auch gleich ein ganzes Unternehmen der Öffentlichkeit aussetzt. Mir ist nichts Missliches passiert, im Gegenteil, und heute habe ich die Möglichkeit, mit den Medien wieder zusammenzuarbeiten, Interviews zu geben und zu schreiben.

Frau Tchoumitcheva, was macht Sie glücklich und was sind Ihre Pläne für die nächsten Wochen?

Ich lebe von Beziehungen mit Menschen, sei es bei der Arbeit, in meiner Familie oder in meinem Freundes- und Kollegenkreis. Es sind die Beziehungen mit diesen Menschen und die Auseinandersetzung mit ihnen, die mich glücklich machen. Ohne diese Menschen würde mir die Arbeit keine Freude bereiten. Sie sind mein Lebenselixier, ganz besonders meine Familie.

Ich war in den letzten Monaten sehr viel unterwegs - in London, dann auch auf Ibiza. Auch hier in der Schweiz habe ich viel zu tun und eben bin ich aus New York auf eine grössere Sache angesprochen worden, die ebenfalls sehr reizvoll ist. Ich spreche mit Investoren und Unternehmen und baue wie gesagt mein eigenes Geschäft weiter aus, was mich sehr fordert. Ganz besonders interessant war die Möglichkeit, Ende September 2011 die Miss Schweiz-Wahlen für das Schweizer Fernsehen moderieren zu können. Darauf habe ich mich ganz besonders gefreut.

Liebe Frau Tchoumitcheva, ich bedanke mich herzlich für dieses Gespräch und wünsche Ihnen weiterhin alles Gute und viel Erfolg bei Ihren Projekten!


(C) 2011 by Christian Düblin. Alle Rechte vorbehalten. Anderweitige Publikationen sind nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors gestattet.

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Links
- Homepage von Xenia Tchoumitcheva
- Youtube: Xenia Tchoumitcheva e Matteo Pelli host Miss Switzerland
- Xenia Tchoumitcheva auf Wikipedia


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