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Sinn und Unsinn eines Executive MBA-Studienganges

Bildung und Einbildung
oder über den Sinn und Unsinn eines Executive MBA-Studienganges

Erasmus von Rotterdam hat sich schon vor 500 Jahren über Bildungsfragen Gedanken gemacht und festgestellt, dass Bildung allen gleichermassen zugänglich sein muss. So hat er Folgendes ausgeführt:

„Was würden diejenigen (Lehrer), die nur Prügel kennen, tun, wenn sie den Auftrag bekämen, des Kaisers oder des Königs Kinder, die man doch nicht schlagen darf, zu unterrichten? Sie würden erklären, die Söhne der Mächtigen seien von dieser ihrer Regel auszunehmen. Was höre ich da? Sind denn die Kinder der Bürger weniger Menschen denn die der Könige? Soll nicht jedem sein Kind so lieb sein, als wenn es von einem Könige stammte? – Bei bescheidenen äußeren Verhältnissen ist Erziehung und Bildung um so mehr nötig, um sich aus der Tiefe zu erheben; der Reiche aber bedarf der Weisheit, um das Seinige gut zu verwenden. Nicht wenige aus niederem Stande werden zur Herrschaft, bisweilen sogar zu höchsten, zur päpstlichen Würde berufen: es kommen nicht alle so weit; doch sind alle auf dieses Ziel hin zu bilden.“ [Erasmus von Rotterdam (1467 - 1536), Rede über Kindererziehung]

Heute ist Bildung ein Grundpfeiler unserer Gesellschaft und unseres Wirtschaftsystems. Nicht umsonst setzen sich diverse Vertreter aus Wirtschaft und Politik vehement für geeignete Bildungsinstitute und die nötigen finanziellen Mittel dafür ein. Die Schweiz verfügt zweifelsohne über ein sehr gutes und offenes Bildungssystem. Wer sich in unserem Land (weiter)bilden möchte, der findet ein breites Angebot an staatlichen und privaten Institutionen, die Wissen vermitteln.

Bildung ist jedoch trotz des breiten Angebots auch heute nicht für alle Menschen gleichermassen zugänglich. So sind beispielsweise gewisse Bildungsprogramme nur Personen offen, die bereits über einen gewissen Bildungsstand (z.B. Matur) und/oder gewisse Mittel verfügen. Wenn man davon ausgeht, dass ein Executive MBA Kurs rund CHF 50'000.-- und mehr kostet, nota bene handelt es sich hier nur um die Kurskosten, liegt es auf der Hand, dass sich dies nicht jedermann leisten kann und die Menschen, die sich auf diesem Niveau weiterbilden können, zu den Bildungs-Privilegierten gehören.

Was solche Management-Kurse anbelangt bekam die Kaderschmiede für Führungskräfte, die Schweizer Armee, vor allem in den achtziger und neunziger Jahren durch private Anbieter von Führungskursen ernsthafte Konkurrenz. Nach dem Vorbild amerikanischer Grosskonzerne begannen Unternehmen in der Schweiz, die Schulung und Ausbildung ihrer Manager immer mehr selber in die Hände zu nehmen und massgeschneiderte Kurse anzubieten. In der Folge entstanden zahlreiche Weiterbildungsinstitutionen, die noch heute Bestand haben und teilweise auch Weltruhm geniessen (s. beispielsweise das IMD Lausanne). Inzwischen wird der Markt im wahrsten Sinne des Wortes mit Bildungs- Angeboten überflutet. Auf die Suchworte „MBA Studiengang“ erscheinen im Suchsystem von Google eine knappe halbe Million Treffer!

Über den Sinn und Unsinn von MBA-Programmen ist schon viel diskutiert worden. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Gegner solcher Programme Menschen sind, die selber keinen MBA absolviert haben. Oft wird, bei allem Respekt vor qualifizierter Kritik, ge¬flissentlich vergessen, dass ein MBA-Kurs nicht nur Bildung im engeren Sinne, d.h. Vermit¬teln von Wissen, beinhaltet, sondern für die AbsolventInnen auch ein optimales Netzwerkinstrument darstellt, das den weiteren beruflichen Weg entscheidend beeinflussen kann.

Ein MBA ist zweifelsohne ein Leistungsausweis, der in der Geschäftswelt Anerkennung verschafft. Der Grad der Anerkennung hängt nicht zuletzt davon ab, welches Institut man wählt. Es gibt diverse MBA-Rankings, in welchen die verschiedenen Angebote bewertet werden. Diese Rankings sind jedoch mit Vorsicht zu geniessen. Um ein Ranking wirklich verstehen zu können, muss man wissen, wie es zustande kommt. Ansonsten ist es praktisch unmöglich, die Aussagekraft dieser Erhebungen zuverlässig beurteilen zu können.

Allerdings darf man sich zu Recht fragen, wer und was mehr Respekt verdient und höher zu bewerten ist, eine Person, die an einem renommierten Institut in ihrem Wohnstaat und in ihrer Muttersprache einen MBA absolviert oder eine Person, die an einem fremden Ort und allenfalls in einer fremden Sprache einen weniger renommierten MBA absolviert, dabei aber gleichzeitig einen vertieften Einblick in eine fremde Kultur erlangt? Es wäre anmassend zu behaupten, dass ersteres besser sei als letzteres. Jeder muss für sich entscheiden, was für ihn im Vordergrund steht. Auf jeden Fall aber sollte der MBA-Studiengang auch Spass machen und eine Herausforderung sein. Nicht zu vernachlässigen sind dabei die Beziehungen unter den AbsolventInnen sowie die Beziehungen der AbsolventInnen zu den DozentInnen. Denn wie bereits angetönt, stellt ein MBA-Kurs auch ein Netzwerkinstrument dar.

Die Geschichte und Erfahrung zeigt, dass sich Menschen, die gemeinsam etwas durchlebt haben, in der Regel näher stehen als andere Menschen. Das ist auch bei den AbsolventInnen eines MBA-Lehrganges nicht anders, welche die Herausforderungen, die ein solcher bietet, gemeinsam gemeistert und sich im Laufe eines Kurses mit allen Ups und Downs persönlich kennen und schätzen gelernt oder sogar Freundschaft geschlossen und so untereinander ein Netzwerk gebildet haben. Dass solche Netzwerke in unserer Gesellschaft grosse Auswirkungen auf die eigene Lebensqualität und eine Karriere haben können, dürfte klar sein. Durch Kontakte aus dem eigenen Netzwerk kann man sich von der grossen Masse abheben. Ausserdem kann man sich über sein Netzwerk Informationsvorteile verschaffen. Dies stellt nicht nur ein Nutzen für die Privatperson dar, die über das Netzwerk verfügt, sondern auch für ihren Arbeitgeber. Dieser Vorteil wird in Kritiken in der Regel nicht genannt, ist aber auf jeden Fall nicht zu unterschätzen.

Es stellt sich die Frage, wie weit ein Unternehmen auch in anderer Hinsicht von Aus- und Weiterbildungen seiner Mitarbeiter, beispielsweise von einem MBA, profitieren kann. Es wird wohl niemand behaupten wollen, dass ein Unternehmen mit weniger gut ausgebildeten Mitarbeitern besser vorwärts komme als mit gut ausgebildeten Menschen. Diese Ansicht wäre tatsächlich praxisfremd. So stellt denn auch Prof. Dr. Norbert Thom in seinem Gastartikelbeitrag in der Basler Zeitung vom 22. Januar 2007 zum Thema „Die Wissenskultur trägt viel zum Unternehmen bei“ fest, dass Bildung für Unternehmen einen klaren Mehrwert schaffe. Die Frage ist aber, ob auch generelle, also nicht fachlich spezifische, Bildung ein Unternehmen weiterbringen kann. Braucht ein Mitarbeiter in einer verantwortungsvollen Position etwas von General Management, Kommunikation oder vom politischen und ökonomischen Umfeld zu verstehen oder muss er sich in erster Linie fachspezifisch weiterbilden, um für das Unternehmen ein Gewinn zu sein?

Ein bekannter Unternehmer hat mir vor Kurzem gesagt, eine gute Managerpersönlichkeit erkenne man am „T“. Der senkrechte Pfeiler des T sei ihr Spezialgebiet. Dort sei sie überdurchschnittlich gut. Der Balken über dem T stehe für den ganzen Rest, der ebenso wichtig sei. Diesen Rest hat er als „General knowledge“ bezeichnet. Es sei wichtig, von allem so viel zu verstehen, dass man immer die richtigen Fragen stellen und die Tragweite seines Handelns einschätzen könne. Dies gilt wohl nicht nur für Manager, sondern auch für jeden anderen Mitarbeiter, der verantwortungsvolle Arbeiten verrichtet. Dabei ist jedoch darauf zu achten, dass dieser nicht mit dem eigenen Balken vor dem Kopf verwechselt wird, der in der Regel auch horizontal ausgerichtet und in unterschiedlicher Grösse bei allen Menschen anzutreffen ist. Anders als beim Querbalken des T ist es von Vorteil, wenn letzterer möglichst klein ist.

Abschliessend lässt sich festhalten, dass ein MBA-Studiengang eine Möglichkeit darstellt, um ein Netzwerk aufzubauen, Erfahrungen zu sammeln und sich weiterzubilden bzw. den Querbalken seines T zu stärken. Ein solcher macht deshalb durchaus Sinn und kann nur empfohlen werden.

 

Christian Düblin / 26.3.2007

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