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Spezialinterview Fussball: Fussballclub Basel - FCB

 

Dr. iur. Bernhard Heusler

Dr. iur. Bernhard Heusler, Jahrgang 1963, leitet seit 2009 den Fussballclub Basel (FCB), seit 2012 als Präsident. Bernhard Heusler studierte in Basel Rechtswissenschaften, promovierte an der Uni Basel und arbeitet als Wirtschaftsanwalt. Seine berufliche Laufbahn führte ihn früh in die USA, wo er ein Nachdiplomstudium absolvierte und als Wirtschaftsanwalt in New York tätig war. Bernhard Heusler war schon in jungen Jahren als begeisterter Fussballer ein Fan des FCB, wie auch seine Eltern und Grosseltern. Vorerst als informeller Berater für den FCB tätig, wurde er 2003 offizieller juristischer Berater des 1893 gegründeten Basler Fussballclubs. Heusler kümmerte sich u.a. um Transferverträge und war nach den Ausschreitungen im Mai 2006 auch für die Belange der Fans zuständig. 2006 wurde er zum Vizepräsidenten des FCB gewählt. Bald darauf, im Jahr 2009, übernahm er das ganze operative Geschäft des FCB, als dessen Präsident.
Der FCB hatte schon zu Beginn dieses Jahrtausends mit den drei Exponenten René C. Jäggi als Präsidenten, Christian Gross als Trainer und Gisela „Gigi“ Oeri als Mäzenin begonnen, für Furore zu sorgen. Seither holte der Club zahlreiche Titel und machte sich auf dem weltweiten Fussballmarkt einen Namen. Die Fangemeinde des FCB reicht heute weit über die Schweizer Grenzen hinaus. Im Interview mit Xecutives.net nimmt Bernhard Heusler als amtierender Präsident des FCB Stellung zu seinem Lebensweg, zu seiner Beziehung zum FCB und zu seiner Einstellung zum Fussball. Er zeigt auf, welche unternehmerischen Herausforderungen sich für das Unternehmen FCB stellen und erklärt mit kritischem Blick, warum der Fussball grosse Massen von Menschen bewegen kann.

Christian Dueblin: Sehr geehrter Herr Dr. Heusler, es scheint, dass Sie sich mit dem Präsidium und Ihrem Engagement für den Fussballclub Basel, den FCB, einen Bubentraum haben erfüllen können. Ihre juristische Karriere lässt auf den ersten Blick keinen Zusammenhang mit Fussball vermuten. Sie sind aber bei genauerer Betrachtung nicht einfach nur zufällig in den FCB hineingerutscht, sondern haben schon als Junge Fussball gespielt und FCB-Spiele verfolgt. An was erinnern Sie sich heute, wenn Sie an Ihre frühe Fussballzeit zurückdenken?

Bernhard Heusler: Meine Grossmutter war ein sehr grosser FCB-Fan. Ihr Album mit vielen Fotos und Informationen über den Fussballclub von damals kann heute im FCB clubeigenen Museum angeschaut werden. Ich erinnere mich noch gut an die goldene Hochzeit meiner Grosseltern, als Spieler des FCB meiner Grossmutter und meinem Grossvater einen Fussball mit Unterschriften drauf überreichten, eine symbolische Geste als Dank für ihre Treue und ihr Engagement für den FCB. Ich „durfte“ damals ein Fan-Lied für die Gäste vortragen. Die Begeisterung in meiner Familie für den Fussballclub, den ich heute präsidieren darf, geht somit auf den Anfang des letzten Jahrhunderts zurück, als der Club gerade mal ein paar Jahre alt war. Ich selber bin 1963 geboren und schon in den späten Sechzigerjahren begleitete mich mein Vater an Fussballspiele des FCB. Er kam durch mich und meine Geschwister wieder in Kontakt mit dem Club. Als Bube spielte er auch beim FCB und später, als er schon Personalchef von Ciba-Geigy war, spielte er in der Firmenmannschaft.

Sie sind Wirtschaftsanwalt und Verwaltungsrat vieler Firmen. Ihre berufliche Karriere hat Sie auch in die USA verschlagen. Was beschäftigte Sie beruflich vor Ihrer Tätigkeit für den FCB?

Meine berufliche Karriere deutete zunächst in keiner Art und Weise daraufhin, dass ich später beruflich zum Fussball kommen könnte. Ich studierte Rechtswissenschaften an der Universität Basel, promovierte und machte das Anwaltspatent, mit dem Ziel, als Wirtschaftsanwalt tätig zu sein. Nach meiner Promotion ging ich nach New York und setzte mich dort mit M&A-Transaktionen auseinander. Sport und Sportrecht waren damals nicht meine Tätigkeitsgebiete. Auch in der Schweiz setzte ich mich mit M&A-Geschäften auseinander und arbeitete auch im Bereich IT- und EDV-Recht, auf den ich mich spezialisierte und zu dem ich zusammen mit einem Kollegen ein Buch herausgab (Anm.d.R.: Bernhard Heusler, Roland Mathys, IT-Vertragsrecht, Praxisorientierte Vertragsgestaltung in der Informationstechnologie, Orell Füssli Verlag, Zürich 2004).

Wann kamen Sie als Anwalt dann trotzdem wieder in Kontakt mit dem FCB?

Im Vorstand des FCB war Matthieu S. Jaus tätig, der Ende der Neunzigerjahre als Finanzchef für den FCB tätig wurde. Ich lernte ihn als Revisor einer Firma kennen, in welcher ich Verwaltungsrat war. Er sprach mit mir immer wieder über den FCB. In meiner Freizeit unterstützte ich ihn und seine Kollegen hin und wieder bei der einen oder anderen Rechtsfrage, mit der sich der Club auseinandersetzen musste. Nur wenige Jahre später war klar, dass der FCB einen Juristen an seiner Seite haben musste, da rechtliche Fragen immer wichtiger wurden. So wurde ich eingeladen, wegen eines gescheiterten Transfers von Hakan Yakin vor dem Vorstand des FCB meine rechtliche Beurteilung zu unterbreiten. Der Rücktritt von Paris St. Germain von einem bereits unterzeichneten Vertrag führte zu rechtlichen Fragen. Ich kam dieser Aufforderung nach und sprach mit dem Präsidium, das mich und meinen Lösungsansatz unterstützte. Der Vorstand sprach sich kurze Zeit später dafür aus, dass ich als beisitzender Anwalt beim FCB mit dabei sein sollte. Ich wurde also auch formell rechtlicher Berater des FCB und war fortan an allen Vorstandsitzungen mit dabei. Das war 2003. So bin ich in den FCB quasi „reingerutscht“.

Es war klar, dass man in dieser Funktion als Wirtschaftsanwalt nicht mit den üblichen Stundensätzen rechnen konnte. Das Engagement für den FCB war vielmehr ein Engagement für eine Sache, die mir am Herzen lag. Meine Büro-Partner von Wenger Plattner, einer renommierten Wirtschaftsanwaltskanzlei in Basel, hatten mich im Entscheid, beim FCB als Rechtsbeistand mitzumachen, extrem unterstützt, wofür ich ihnen auch heute noch sehr dankbar bin.

Sie reihen sich als Exponent oder „Gesicht“ des FCB in eine Liste von Namen wie bspw. Seppe Hügi, Karl Odermatt, Helmut Benthaus, Alex Frei, Christian Gross, René C. Jäggi und Gisela Oeri ein, die alle auf ihre Weise wesentliches für den FCB geleistet haben. Der FCB wurde 1893 gegründet und es steckt eine ganze Menge Tradition im Club, wohl auch ein Grund, dass er heute so erfolgreich sein kann und in der Bevölkerung beliebt ist. Was bedeutet für Sie persönlich Tradition und wo spielt sie auch im tagtäglichen Fussballgeschäft eine Rolle?

Es gibt für mich viel mehr Menschen, die den FCB massgeblich geprägt haben, ganz besonders in schwierigen Zeiten. Mir ist wichtig, dass wir dies nie vergessen. Ich bin seit jungen Jahren mit dem Club verbunden. Es ist für mich wichtig, Traditionen zu leben und nicht zu vergessen, wer dazu beigetragen hat, dass der Club heute erfolgreich ist. Wir unterstützen darum die Seniorenabteilung und lassen die Senioren wissen, dass wir sie für ihre Leistungen für den FCB wertschätzen. Wir wertschätzen auch die vielen ex-Spieler, die zum Erfolg des Clubs beigetragen haben, auch in den Zeiten, als es dem FCB nicht so gut ging. Mir ist es auch aus diesen Gründen der Tradition persönlich sehr wichtig, nicht abzuheben, womit ich ansonsten der Geschichte des FCB den Rücken zudrehen würde, was falsch wäre.

Ich vergleiche uns deshalb immer wieder mit einem Blatt an einem Baum. Wir fallen irgendwann ab, der Stamm und die Wurzeln aber müssen bleiben und gestärkt hervorgehen. Dabei spielt die Bevölkerung, die hinter dem FCB steht, ebenfalls eine sehr grosse Rolle. Sie stellt „metaphorisch“ das Wurzelwerk des Baums dar.

Sie sind damals bei der Übernahme des operativen Geschäftes grosse Risiken eingegangen und gerade im Sport erkennt man, wie gnadenlos Medien und die Öffentlichkeit reagieren können, wenn etwas schief läuft und sich der Erfolg nicht mehr einstellt. Wie gingen Sie damals in Bezug auf diesen Entscheid um?

Bestimmt war der Entscheid, 2009 die operative Führung des Clubs zu übernehmen, der riskanteste Entscheid in meinem Berufs-Leben. Immerhin konnte ich etwa abschätzen, was auf mich zukommen würde, war ich doch schon vorher für den FCB tätig. Als sich Gisela Oeri im gleichen Jahr aber ganz zurückziehen und sich nur noch der Nachwuchsabteilung widmen wollte, war das eine grosse Herausforderung. Es war die Phase, als man sich von Christian Gross trennte und viel Unruhe und noch mehr Unsicherheit herrschte. Wie das so ist, blieb in diesem unruhigen Umfeld auch der Erfolg aus. Es war klar, dass sich dies auch wirtschaftlich auswirken würde. Ende 2009 sahen wir uns denn auch mit einem Verlust in der Höhe von CHF 9 Mio. konfrontiert.

Es kam damals zu einem sehr wichtigen Entscheid für den FCB. 2009 startete die Meisterschaft mit einem neuen Trainer, Thorsten Fink. Wir kamen damals zum Entschluss, dass wir Alex Frei hinzuziehen müssen, um das Team zum Erfolg zu bringen. Der Verwaltungsrat erachtete das entsprechende Risiko eher als sehr hoch, weshalb die Transfersumme für Alex Frei zu einem Anteil von ausserhalb des FCB beschafft werden musste. Ich musste damals quasi in einer Nacht- und Nebelaktion Menschen aus meinem Bekanntenkreis anfragen, ob sie bereit wären, diesen Transfer mitzufinanzieren und ich fand Personen, die finanzielle Hilfe anboten. Die Episode zeigt, dass es oft nur wenig bedarf, ob ein Club erfolgreich ist oder nicht. Heute ist klar, dass der FCB sicher nicht erfolgreich dastehen würde, wenn Alex Frei nicht zum FCB gekommen wäre. Das war ein Glücksfall, ein sehr entscheidender Moment für den FCB. Der FCB schaffte es in der Folge in einer unvergleichlichen Erfolgsserie, 6 Titel zu gewinnen.

Sind Sie als Wirtschaftsanwalt und Familienvater nicht manchmal auch etwas erstaunt darüber, was Fussball auf der Welt und in der Gesellschaft auslösen kann? Der Sport führt zu einer Aufmerksamkeit, die sich wohl nicht so einfach erklären lässt und das kann erstaunen, wenn man bedenkt, dass anderen Themen eher weniger Aufmerksamkeit geschenkt wird, Themen, die im Gegensatz zum Fussball auch existentielle Seiten aufweisen, ich denke etwa an die Rentenproblematik, Umweltprobleme, den Verlust Teile des Werkplatzes in der Schweiz, nun auch Terror und die Flüchtlingsdebatte. Wie erklären Sie sich das alles?

Der Fussball, wie er auf professionellem Niveau betrieben wird, ist für viele Menschen in erster Linie Entertainment und er geniesst heute eine unglaubliche Bedeutung. Was auch immer im Fussball passiert, wird registriert und nicht selten sehr übertrieben weitergegeben. Wie Sie richtig sagen, könnte man oft auch vermuten, dass sehr wichtige Themen, wie Sie sie eben aufgezählt haben, in den Hintergrund geschoben werden. Die Personen, die am Fussball beteiligt sind, können sich über diesen Zustand jedoch gar nicht beklagen. Sie profitieren schliesslich von der Aufmerksamkeit der Medien und des Publikums. Die Symbiose zwischen Medien und Fussball ist gewaltig und sehr komplex. Die Medien haben realisiert, dass sie mit dem Fussball sehr viele Menschen abholen können. Der Fussball wiederum ist auf die „Vergrösserung“ durch die Medien angewiesen. Die mediale und enorme gesellschaftliche Bedeutung des Fussballs ist aber auch der Hauptgrund dafür, dass sehr viel Geld in den Fussball und den Sport fliesst und auch sehr hohe Gehälter bezahlt werden können, was viele Menschen kritisch betrachten. In den letzten zehn Jahren meiner Fussballtätigkeit hat all das noch einmal eine unglaubliche Steigerung erfahren.

Wir können zurück zu den Römern gehen und erkennen Parallelen zwischen Fussballspielern und Gladiatoren, die damals sehr viel Aufsehen erregten. Denken Sie manchmal auch an Gladiatorenkämpfe und die Römer beim Fussballschauen?

(Lacht) Dieser Vergleich ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Der Fussballclub und seine Exponenten spielen für das Selbstverständnis einer Stadt und einer ganzen Region eine enorm wichtige Rolle und das ist beeindruckend. Das lässt sich nicht negieren und man kann diesen Umstand nicht einfach nur als „fussballbeschränkt“ abtun. Es ist einfach ein Faktum, dass der Fussball und viele Fussballer eine gesellschaftliche Bedeutung haben, etwa so, wie die Gladiatoren und die Spiele bei den Römern. Man muss sich dessen bewusst sein, wenn man in einem Fussballclub arbeitet.

Wie erklären Sie sich aber selber diese Faszination für den Fussball, die doch einzigartig ist, weil, vielleicht ähnlich wie auch beim Boxsport, der Fussball verschiedenste Bevölkerungsschichten zusammenführt, die ansonsten im Leben vielleicht nicht viel miteinander verbindet?

Die Begeisterung für den Fussball hat vielerlei Gründe. Wenn man an Basel denkt, so erkennen wir bspw., dass der Finanzplatz in den letzten 10 Jahren enorm an Bedeutung verloren hat. Nun gibt es einen Fussballclub, der enorm an Bedeutung gewonnen hat und der viele Menschen in der Freizeit beschäftigt. Ich spüre aber selber auch, wie wenig es braucht, dass Menschen, wenn mal etwas nicht rund läuft, sehr empfindlich reagieren können. Es braucht wenig „Seismographenausschlag“ und die Stimmung kippt.

Diese Faszination für den Fussball ist auf die Entwicklung unserer modernen Gesellschaft zurückzuführen, nicht nur in der Schweiz. Die Menschen beschäftigen sich in der Freizeit gerne mit Sachen, die einfach und nicht allzu anspruchsvoll sind. Ein Ex-Fussballer meinte vor einiger Zeit gar in einem spannenden Buch, die Faszination für den Fussball sei Resultat einer „Infantilisierung“ der Gesellschaft, die sich breit mache. Das kann man ganz einfach auch erkennen, wenn man die TV-Programme genauer anschaut…

… oder Hollywood Blockbusters…

Absolut! In der Filmindustrie lässt sich ganz Ähnliches erkennen, auch am TV. Oft sind TV-Sendungen sehr personifiziert, wie das auch im Fussball der Fall ist. Diese Sendungen sind auf Kurzlebigkeit ausgelegt und verlangen wenig von einem ab. Es gibt Gewinner und Verlierer. Gewinner und Verlierer gibt es auch beim Fussball. Nach 90 Minuten hat man Helden und Versager. Vielleicht sind die Versager von diesem Wochenende aber schon wieder die Helden des nächsten Wochenendes. Man kann sich zudem in einer emotionalen Art über den Fussball äussern, wie das sonst in der Gesellschaft und der Politik nicht möglich ist. Für das bietet der Fussball in unserer Gesellschaft eine perfekte Plattform.

Sie sind als Präsident des FCB auch als Unternehmer tätig und es gilt unternehmerische Prinzipien zu beachten. Für längerfristigen Erfolg, das zeigt auch der FCB, bedarf es jedoch zweifelsohne nachhaltiger Unternehmensführung, was offenbar in den letzten Jahren gut funktioniert hat. Wie sorgen Sie für Nachhaltigkeit?

Wir wissen auf der einen Seite, dass wir es nicht hinbekommen werden, das Unternehmen mit rund 200 Mitarbeitenden so aufzustellen, dass wir sagen könnten, wir wären vom Erfolg der Fussballmannschaft unabhängig. Die Abhängigkeit von der Leistung der ersten Mannschaft ist ein Fakt. Wir sind dafür verantwortlich, die Leistung der ersten Mannschaft zu fördern. Dieser Aufgabe muss in diesem Unternehmen jeder jederzeit nachkommen, sei es der Buchhalter oder der Junior-Trainer. Wenn das Team gut ist, geht es uns allen gut. Das ist eine Lehre aus dem Fussball, die sich andere Unternehmen ebenfalls auf die Fahne schreiben sollten. Die Hauptaufgabe der Führung muss die Stärkung des Teams sein. Das wird uns im Fussball sehr deutlich vor Augen geführt. Die Zuschauer und die Fans schauen Ende Woche diesem Team zu, das vor 30‘000 Besuchern spielt. Das Publikum hält den Daumen nach unten oder nach oben. Es reagiert sehr direkt. Die Menschen kommen zu recht nicht zu mir und gratulieren mir zu meinen anderen Tätigkeiten, denen ich hinter den Kulissen nachgekommen bin, Vertragsabschlüsse, Transfers etc. Die eigene Leistung wird über die Resultate des Teams vor den Anhängern reflektiert.

Der Fussball hat nicht zuletzt auch aufgrund der Vorkommnisse rund um die FIFA Schaden genommen. Ich höre von eingefleischten Fans Kritik und Unmut über gewisse Zustände, wie sie offenbar herrschen. Es stellen sich also auch Fans kritische Fragen. Was bedeutet die Krise rund um die FIFA für Sie und den FCB? Hat das konkrete Auswirkungen auf Ihre Arbeit und den Club?

Ja, sie hat Auswirkungen. Das bemerkt man vor allem bei Menschen aus Kreisen, die sowieso ein sehr ambivalentes Verhältnis zum Fussball haben. Das ist in der Schweiz ausgeprägter der Fall als in den umliegenden Ländern wie Deutschland, Italien und Frankreich, aber auch in England. Der Fussball ist in diesen Ländern eine gesellschaftlich etablierte Grösse und nur von wenigen umstritten. In der Schweiz freuen sich auch alle, wenn die eigene Mannschaft gewinnt, aber man labt sich auch sehr über jedes negative Ereignis, das der Fussball mit sich bringt. Fan- und Sicherheitsthemen werden bei uns sofort auf einem existentiellen Level diskutiert. Es wird dann gleich der ganze Fussball in Frage gestellt. Darüber hinaus wird gerne auch noch die Integrität der Fussball-Verantwortlichen angezweifelt. Viele sehen den Fussball als Sumpf von Korruption und Unseriosität. Ich habe das als Bube schon gespürt, als ich Sätze hörte wie: „Was, er ist nur Fussballer und hat keine Ausbildung?“ Die Anerkennung des Fussballs, aber auch der Fussball-Clubs, ist in der Schweiz nicht gleich wie in anderen Ländern. Wir müssen uns jedoch die Frage stellen, was denn die Vorkommnisse überhaupt mit der Schweiz zu tun haben, ob es nicht systemimmanente Faktoren sind, die manchen Entscheid der FIFA sehr schwierig machen. Es sind viele Länder an der FIFA beteiligt und es gilt „One country one vote“. Nicht wenige dieser Länder mögen – gemessen an unseren Massstäben - als „korrupt“ gelten. Nun vom Fussball zu erwarten, dass er Systemimmanentes überwinden können muss, ist vielleicht auch etwas viel verlangt und hoch gegriffen. Das stellt die FIFA vor grosse Herausforderungen und auch Probleme. Mit einer tiefgreifenden Reform wird erwartet, dass die Frösche bereit sind, ihren eigenen Teich trocken zu legen. Dies wird eine Herkules-Aufgabe. Wir dürfen gerne gespannt sein, was noch kommen wird, und wir sollten bei der Aufregung über die Ereignisse nicht vergessen, dass die FIFA ungemein viel Positives geleistet hat für den Welt-Fussball.

Ähnlich wie in der Wirtschaft werden auch im Fussball Regeln strapaziert, manchmal auf dem Spielfeld auch gebrochen. Wir sind in einer Welt, auf der sich viele Menschen aufgrund von Regel- und Gesetzesbrüchen zu Recht Sorgen machen. Was können wir hier vom Fussball lernen?

Das ist eine grosse Herausforderung. Ich höre immer wieder, Fussballspieler seien notorische Regelbrecher. Sie werfen sich hin, obwohl sie nicht gefoult worden sind und man versucht, in der Beziehung mit dem Schiedsrichter alles auszureizen, was möglich ist. Der Schiedsrichter wird von den Fussballspielenden ständig auf die Probe gestellt, wie auch in anderen Sportarten. Es gibt hier zweifelsohne eine Grauzone. Es gibt aber auch die andere Seite, wie unlängst, als Breel Embolo von sich aus zugab, dass sich der Schiedsrichter zu Gunsten seines Teams getäuscht habe. Das ist die Ausnahme und dafür wurde er gelobt und bejubelt.

Was auch bedeutet, dass der Wunsch vorhanden ist, dass Regeln eingehalten werden und fair gespielt wird.

Das Publikum will, dass fair gespielt wird. Wenn möglich, und wenn das ein Vorteil für die eigene Mannschaft darstellt, wird aber auch auf Zeit gespielt oder man versucht sich mit einer „Schwalbe“ einen Vorteil zu schaffen. Das gehört zum Fussballsport, seit es ihn gibt. Ich finde aber, dass man vom Fussball sehr viel lernen kann. Es zeigt sich, dass man erfolgreich ist, wenn man verschiedene Talente kombiniert und sie zusammenbringt. Es braucht in einem Team die Egoisten, aber auch Menschen, die nur ans Team denken. Das Bilden der „besten Elf“ und nicht der „elf besten“, ist die grosse Herausforderung. Um diese beste Elf hinzubekommen, müssen die verschiedensten Talente optimal eingesetzt werden. Das etwa im Gegensatz zum Rudersport, wo man erfolgreich ist, wenn man die gleichen athletischen Talente hintereinander in ein Boot setzt. Sie müssen alle die gleichen Stärken haben, nämlich schnell und kraftvoll rudern können. Das hat für mich persönlich etwas sehr Geheimnisvolles. Eine Mannschaft ist nicht besser als eine andere, nur weil sie zwei Stunden länger trainiert oder die Spieler athletischer sind als ihre Gegenspieler. Für den Trainer ist das eine ganz besondere Herausforderung, denn er muss die heterogene, multikulturelle und multireligiöse Truppe zu einem guten Team zusammenschweissen. Hier bedarf es Wissen und Gespür, das man nicht nur in einer Trainerausbildung lernen kann.

Wie sehen Sie Ihre eigene Rolle als Präsident, wenn es um das Bilden von Teams geht?

Meine Rolle in unserem Club ist es u.a., die Technikkommission zu führen. Die Menschen in dieser Kommission müssen die Personalentscheide zusammen fällen. Der Entscheid jedoch, wer von den 24 engagierten Spielern als einer der 11 auf dem Rasen spielt, ist die alleinige Sache des Trainers. Für mich ist es ganz entscheidend, dass der Präsident sich bei diesen Entscheiden nicht einmischt. Das würde die Autorität des Trainers kaputt machen. Er muss 13 Personen enttäuschen, die nicht spielen dürfen. Diese 13 Spieler sind nicht zufrieden. Wenn ich mich auf Diskussionen einlassen würde, am Trainer vorbei, so wäre ich eine schlechte Führungspersönlichkeit. Insofern gehört es fundamental zur Führungsverantwortung eines Präsidenten dazu, dass er im sportlichen Bereich den Mut hat, einen Schritt zurück zu machen und denjenigen auch Vertrauen gibt, denen er die Aufgabe der Teamführung anvertraut hat.

Man attestiert Ihnen eine hohe Sozialkompetenz. Woher stammt diese Sozialkompetenz Ihres Erachtens?

Wenn das eine Stärke von mir ist, so ist das etwas, das von der Erziehung her kommt. Man hat mir mitgegeben, dass es nicht einfach bessere und schlechtere Menschen gibt, schon gar nicht aufgrund ihrer Herkunft oder gesellschaftlichen Schicht, aus der sie stammen. Das ist verinnerlicht. Ich habe zudem Interesse an anderen Menschen und kann zuhören. Ohne Interesse an anderen Menschen entwickelt man keine Sozialkompetenz. Ich muss meine eigenen Leistungen im Fussballclub nicht in den Vordergrund rücken und ich muss mich dabei nicht verstellen. Schon als Kind empfand ich es als Fussballfan störend, wenn sich Sportfunktionäre mit Krawatte nach einem Sieg vor dem Publikum in den Vordergrund drängten. Es mag ja sein, dass die Personen mit Krawatte auch einen grossen Verdienst am Sieg haben, aber auf dem Platz braucht es sie bei der Pokalübergabe und den Jubelszenen nicht. Die Zuschauer wollen die Spieler sehen. Wir sehen das im Verwaltungsrat des FCB alle genauso. Ich muss niemandem erklären, dass er am Abend kurz vor dem Spiel nicht in die Garderobe gehen soll, um dort noch zu verkünden, dass das Spiel extrem wichtig sei. Ebenso wenig haben wir Diskussionen, weil ein Verwaltungsrat mit dem Team aufs Podium möchte bei der Pokalübergabe.

Wären Sie nicht ein guter FIFA-Präsidentschaftskandidat?

(Lacht) Das ist eine andere Aufgabe, ein anderes Geschäft. In einem Weltverband muss man sich eingearbeitet haben. Viele dieser Funktionäre können die Probleme eines Clubs nicht wirklich verstehen, wie auch wir oft die Geschäfte im Verband nicht in ihrer Komplexität erfassen können. Es gäbe zudem viele Aufgaben und Gebiete, die mir zu wenig liegen würden.

Herr Heusler, was wünschen Sie sich für den FCB für die Zukunft?

Ich hoffe, dass es uns in dieser Stadt weiterhin gelingt, mit dem FCB Freude zu generieren. Wenn ich durch die Stadt gehe und erkenne, dass die Menschen dem Club und den Spielern gegenüber positiv eingestellt sind, dann macht mich das glücklich.

Sehr geehrter Herr Heusler, ich bedanke mich herzlich für dieses Gespräch und wünsche Ihnen, Ihrem Team und dem ganzen FCB weiterhin viel Erfolg!

(C) 2015 by Christian Düblin. Alle Rechte vorbehalten. Anderweitige Publikationen sind nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors gestattet.

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Links
- Dr. iur. Bernhard Heusler auf Wikipedia

- FC Basel 1893 - Die offizielle Website

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