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Spezialinterivew Golf: Fabienne In-Albon

 

Fabienne In-Albon

Fabienne In-Albon, Jahrgang 1986, rangiert zurzeit auf Platz 1 der Schweizer Golferinnen und gehört zu den besten 50 Spielerinnen in Europa. Die Zugerin (aus Oberägeri), mit geschichtsträchtigen Walliser Wurzeln, liess sich bereits mit 10 Jahren von ihrem Vater für den Golfsport begeistern. Was anfänglich eher harzig begann, entwickelte sich zu einer Erfolgsstory. Bereits mit 13 Jahren wurde sie U14-Schweizermeisterin. Unlängst sorgte Fabienne In-Albon in Dehli und am New South Wales Open (Australien) für Schlagzeilen in der Sportwelt. In beiden Turnieren belegte sie jeweils den 2. Platz, ausgezeichnete Resultate für das Schweizer Golftalent, das damit seinem Traum, an den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro teilnehmen zu können, näher kommt. Fabienne In-Albon ist es gelungen, Spitzensport, Schule und Studium unter einen Hut zu bringen. Sie verfügt über einen Studienabschluss in Sport Management des International College of Management Sydney (Australien) und lebt ihren Traum – den Golfsport.
Im Interview mit Christian Dueblin spricht Fabienne In-Albon über die gesellschaftliche Wahrnehmung von Golf, auch in Anbetracht des Entscheides des IOC, den Golfsport, zusammen mit Rugby, wieder ins olympische Sportprogramm aufzunehmen (Entscheid der 121. Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees in Kopenhagen). Fabienne In-Albon zeigt auf, was für sie persönlich im Golfsport den Reiz ausmacht und die junge talentierte Golfprofessionelle gibt Einblicke in eine Welt, die nicht jedermann zugänglich ist.

Christian Dueblin: Frau In-Albon, Sie entspringen einer interessanten und, in der Geschichte des Wallis‘ zurückblickend, einflussreichen und jahrhundertealten Walliser Familie. Heute sind Sie, wir werden darauf zu sprechen kommen, eine der erfolgreichsten Golfspielerinnen in der Schweiz. Was bedeutet Ihr familiärer Hintergrund und damit Ihre Walliser Wurzeln für Sie persönlich?

Fabienne In-Albon: Ich denke, dass ich – väterlicherseits - viel vom Wallis in mir habe. Die Geschichte meiner Vorfahren ist mir bekannt und noch heute trifft sich meine Familie gelegentlich im Wallis. Man sagt mir nach, einen „Walliser-Kopf“ zu haben, was man auf Hochdeutsch mit „stur“ umschreiben könnte. Ich bin aber auch Zugerin, wohnhaft in Oberägeri, und war lange im Ausland. Wenn ich in andern Ländern Golf spiele, komme ich immer wieder sehr gerne in die Schweiz zurück. Besonders gerne gehe ich nach längeren Auslandaufenthalten in die Bergwelt, die mich seit meiner Kindheit begeistert.

Sie sind zurzeit die erfolgreichste Golfspielerin in der Schweiz und gehören zu den Top 50 in Europa. Wie kamen Sie in jungen Jahren zum Golfsport, dann, wenn andere Kinder Ping Pong spielen lernen oder sich auf spielerische Art und Weise mit Federball und Fussball vergnügen?

Ich bin in einer sehr sportlichen Familie aufgewachsen und habe in meiner Kinder- und Jugendzeit diverse Sportarten betrieben. Dazu gehörte Tennis, Skifahren, Biken und auch Reiten. Mein Vater fragte mich und meine Familie, ob wir nicht mit Golfspielen anfangen wollten. Das war für mich etwas komisch, wir fingen aber tatsächlich alle - also ich, mein Bruder und meine Mutter - mit der Sportart an. Mir hat das Golfen anfänglich keine Freude bereitet, weil ich schlicht keinen Ball traf. Mein Bruder, der drei Jahr älter war, war immer besser als ich, auch in der Schule oder beim Skifahren. Ich überlegte mir anfänglich, weil wir die Sportart zum gleichen Zeitpunkt anfingen, dass nun die Chance bestehen könnte, einmal besser zu sein als mein Bruder, der sportlich enorm talentiert ist, ein Gedanke, der mich sehr anspornte. Es kam aber anders als ich dachte. Mein Bruder hatte natürlich bereits nach drei Monaten die Platzreife und ich brauchte 2 Jahre dafür.

Es gab Zeiten, da sagte man mir, ich solle doch einfach wieder Skifahren, das sei besser (lacht). Meine Eltern ermunterten mich jedoch immer und meinten, dass ich nicht wegen ihnen Golf spielen müsste. Es gab keinen Druck von Seiten meiner Eltern, im Gegenteil. Mit 12 Jahren fing ich aber wirklich an, gut Golf zu spielen. Mit 14 Jahren, als ich an der Kantonsschule war, wurde mir klar, dass ich daraus einen Beruf machen wollte. Damals wurde ich auch U14-Schweizermeisterin.

Sie waren an der Kantonsschule und hatten den Wunsch, professionell Golf zu spielen. Ein Entscheid und eine Gratwanderung, die für manche Schüler und deren Eltern nicht einfach ist. Ich habe im Interview mit André Draslar, einem weiteren Schweizer Golftalent, eingehend über diese Gratwanderung gesprochen. Er studiert heut Internationale Beziehungen in Genf. Wie gingen Sie und Ihre Eltern damals mit dem Entscheid „Golf und Ausbildung“ um?

Meine Eltern erkannten natürlich mit den Jahren, dass ich Potential hatte im Golfen und wollten mir in Bezug auf meine Sportkarriereabsichten nicht im Wege stehen. Sie sagten mir, dass ich, wenn ich das wirklich tun wollte, von ihnen unterstützt würde, der Entscheid aber von mir aus kommen müsste. Meine Eltern kannten mich und sie wussten, dass ich das, was ich anfange, immer auch durchziehen würde. Sie hatten also das nötige Vertrauen in mich. Mit 15 Jahren war ich bereits in der Schweizer Golf Nationalmannschaft. Ich beschloss, mit dem Einverständnis meiner Eltern, nach Davos an das Sportgymnasium zu gehen, um den Golfsport und die Schule unter einen Hut bringen zu können. Für mich war dies wohl einer der besten Entscheide.

Für mich war aber schon immer klar, dass eine Ausbildung nebst dem Golfen wichtig ist. Ich wollte meine Matura machen und studieren. Das war eine Art Plan B, ein Back up-Plan - das meine ich gar nicht im negativen Sinne -, um auch einen anderen Weg einschlagen zu können, falls es mit dem Profisport Probleme geben würde. Die Spitze vorne am Sport ist sehr eng und das Verletzungsrisiko ist hoch. Es kann schnell etwas passieren, eine falsche Bewegung oder ein Unfall. Sie kennen diese Geschichten aus den Medien, wenn bspw. ein Fussballspieler plötzlich aufgrund eines Knieproblems nicht mehr spielen kann. Ich machte deshalb meine Matura in Davos und ging zuerst nach USA, wo ich ursprünglich vier Jahre bleiben und studieren wollte, schliesslich aber nur ein Jahr verbrachte. Die Golfwelt in den USA sagte mir nicht zu. Von da ging es weiter nach Australien, wo ich dann meinen Bachelor in Sportmanagement abschloss.

Fabienne In-Albon

Sie haben somit irgendwann selber erkannt, dass Sie über Talent im Golf verfügten. Wie haben Sie den Moment, in dem Sie erkannten, dass Sie etwas besser können als bspw. Ihr Bruder, in Erinnerung?

Eine wichtige Person in Bezug auf meine sportliche Entwicklung ist mein jetziger Mentor, Stefan Gort. Er war Trainer am Sportgymnasium in Davos und später für weitere 12 Jahre mein persönlicher Trainer. Er war der Mensch, der mich nebst meinen Eltern auf meinem sportlichen Weg am meisten förderte und mich am besten kannte. Er und mein weiteres Umfeld bemerkten, dass ich Talent hatte, aber auch über den Willen und den Ehrgeiz sowie über die nötige Disziplin verfügte, Eigenschaften, die nebst dem Talent auch wichtig sind, um Spitzensport betreiben zu können. Ein gewisses Talent muss man zweifelsohne haben, um in dieser Sportart erfolgreich zu sein. Es verhält sich beim Golfsport nicht anders als bei allem anderen auch. Wenn man an der Spitze, sei es des Sports, aber auch der Musik, mithalten will, ist das Talent nur die Grundbasis, auf der man mit viel Einsatz und Arbeit weiter aufbauen muss. Es braucht ein gutes Bewegungsgefühl, ein perfektes Ballgefühl und es gilt, sich mental und emotional fit zu halten. An alldem musste ich lange arbeiten und insbesondere lernen, meinen Körper zu verstehen. Ein guter Athlet muss seinen Körper spüren, seine Bewegungen kontrollieren können und gerade im Golfsport, wo es um Millimeter und Zehntelmillimeter geht, die den Erfolg ausmachen, genau wissen, was der Körper macht und braucht. Es bedarf der Fähigkeit, seinem Körper zuhören zu können. Der Körper sagt einem viel. Er sagt dem Menschen, wann er eine Pause machen sollte, wann Schmerzen auftreten und wann es gilt, etwas zurückhaltender zu sein. Man muss allerdings fähig sein, auf seinen Körper „zu hören“. Das ist ein langer Lern- und Spürprozess, der bei mir natürlich fortgeschritten, aber noch lange nicht abgeschlossen ist.

Golf scheint für Aussenstehende sehr elegant und locker und nicht anstrengend und entbehrungsreich, wie Radrennfahren oder Marathon laufen.

Ja, das ist richtig. Golf ist nicht eine, wie wir in der Schweiz so schön sagen, „Chrampf“-Sportart, wo es, um es etwas einfach auszudrücken, vor alle darum geht, möglichst viel Muskeln einzusetzen und Ausdauer zu haben. Auch bei anderen Sportarten spielen die mentalen und emotionalen Faktoren, auch die Taktik, eine wichtige Rolle. Golf ist für mich jedoch ein „Gesamtpakt“, das alles beinhaltet, was einem auch bei anderen Sportarten viel abfordert – physisch, psychisch, technisch und taktisch. Die Kombination aller dieser Bereiche ist für mich faszinierend.

Fabienne In-Albon

Was ist es, das Ihnen der Golfsport, nebst viel Freude, auch sonst im Leben bietet? Was können Sie in Ihrem Leben vom Golfsport profitieren?

Es gibt diese Parallelen und Synergien zwischen dem Golfsport und anderen beruflichen und privaten Tätigkeiten. Ich bin perfektionistisch veranlagt, verfüge über grosse Disziplin, über einen grossen Durchhaltewillen und kann für meine Ideen kämpfen. All das wurde mit dem Sport noch geschärft und verbessert. Dazu gehört auch ein sehr gutes Zeitmanagement, das mir im Leben generell viel nützt. Der Golfsport hat mich aber auch erwachsen gemacht. Er war in meinem Leben eine Art „Erwachsenwerden-Katalysator“.

Der Spitzensport hat zur Konsequenz, dass man nicht immer so leben kann, wie das andere auch tun. Es gilt, gewisse Entbehrungen im Leben zu akzeptieren und mit diesen klar zu kommen. Ist das für Sie oft auch ein Kampf gegen sich selber, den Sie austragen müssen?

Ich stehe mir selber hin und wieder im Weg und habe natürlich auch meine inneren Kämpfe (lacht). Aber ich bin mein eigener Chef und bin sehr selbstmotivierend veranlagt. Ich muss nicht ständig jemanden haben, der mir sagt, was ich machen soll. Hin und wieder brauche ich aber Inputs von aussen, jemand, der mir sagt, dass ich etwas weniger machen, also auch mal eine Pause einschalten, soll. Man kann auch im Golfsport zu viel machen. Hier muss ich noch viel lernen. Das Unfallrisiko darf, wie gesagt, nicht unterschätzt werden. Ich selber hatte schon zwei Bandscheibenvorfälle und auch mehrere Rippenzerrungen, was sehr unangenehm ist. Man überschreitet die Grenzen im Krafttraining oder strapaziert den Rücken bei einer Drehung zu sehr und dann ist es passiert. Gerade die Handgelenke, der Rücken und die Knie sind beim Golfen grossen Strapazen ausgesetzt und dementsprechend sensibel, was man als Nicht-Golfer gar nicht erkennt. Zum Lernprozess gehört auch, im Leben mal etwas absagen zu können, nein zu sagen, oder irgendwo halt nicht mit dabei zu sein. Damit unterscheidet sich mein Leben schon von dem vieler anderer Menschen.

Was war das Problem in den USA, dem Land, wo Sie vier Jahre bleiben wollten, um Ihr Studium abzuschliessen, und das Sportlern und Sportlerinnen sehr positiv gegenüber eingestellt ist, diese auch an Hochschulen, wie kaum anderswo, fördert?

Ich hatte Mühe mit der Tatsache, dass Golf an den Hochschulen in den USA als Teamsport und nicht als Einzelsport verstanden wird. Es spielen in jeder Sportart die Universitäten gegeneinander. Der Teamgedanke widerstrebte mir, weil ich an mir selber arbeiten wollte. Ich habe immer gerne im Team Sport gemacht. Erst dort in den USA bemerkte ich jedoch, dass der Teamsport nicht mein Ding ist, das ich professionell betreiben wollte.

Ich kam damals somit aus den USA zurück und studierte in der Schweiz weiter. Ich machte einen Bachelor in Sport-Management, den ich in Australien abschloss, wo ich ebenfalls zweieinhalb Jahre studierte. Das Zeugnis und den Abschluss in den Händen fiel ein gewisser Druck, den ich mir selber auferlegt hatte, von mir und ich wusste, dass ich nun meinen Traum vom Profigolf voll und ganz leben konnte. Der Stellenwert des Sports in Australien ist sehr hoch und meine Absenzen an der Universität in Sydney waren nie ein Problem. Ich wohnte in Manly Beach und habe die besten Erinnerungen an diesen Aufenthalt.

Fabienne In-Albon

Golf ist in Australien tatsächlich sehr hoch im Kurs. Mir fiel in Sydney auf, dass er dort weit weniger mit gesellschaftlichen Denkmustern assoziiert wird. Was ist in der Schweiz Ihres Erachtens anders?

Es ist wohl der Stellenwert, der es ausmacht. Schauen Sie den Skisport an, der auch in der Schweiz sehr gut funktioniert, und bei dem man erkennen kann, dass die Gesellschaft absolut anerkennt, dass es Profis gibt, die alles geben und denen viel abverlangt wird. Golf hat in der Schweiz einfach noch nicht den Stellenwert, den er verdient. Nach wie vor gehen viele Menschen davon aus, dass es sich um eine Beschäftigung handelt, die einer gewissen Gesellschaftsschicht vorbehalten ist. Diese Denkweise führt dazu, dass der Sport manchmal Mühe hat, sich zu behaupten. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Damals als ich ein Mädchen war, mit dem Traum, professionell Golf zu spielen, war das Sportgymnasium in Davos die einzige Möglichkeit, Golf und Schule unter einen Hut zu bekommen. In der Zwischenzeit gibt es sehr viele Sportschulen, auch Orte, wo man den Sport mit einer Lehre verbinden kann. Das sind positive Entwicklungen, die zeigen, dass sich auch in der Schweiz ein Sinneswandel vollzieht. Es ist aber in der Schweiz nach wie vor eine viel grössere Herausforderung, Spitzensport und Ausbildung auf die Reihe zu bekommen als anderswo. Ich muss hier aber anmerken, dass dieser oft schwierige Weg dazu geführt hat, dass man immer auch etwas mehr kämpfen und sich durchsetzen musste, was sich schliesslich wieder positiv auf den Sport auswirkt. Ich selber ging mit 15 Jahren von zuhause weg und musste lernen, auf eigenen Beinen zu stehen und selber zu schauen, wie man durchs Leben kommt und sich seinen Traum erfüllen kann. Natürlich hatte ich den Vorteil, dass mich meine Familie immer sehr gut unterstützt hat. Ohne die Hilfe der Familie hätte das wohl nicht geklappt. Ich kann aber jedem jungen Menschen empfehlen, einmal einige Zeit von zuhause wegzugehen, um seine eigenen Erfahrungen machen zu können. Ich denke nicht, dass ich heute da wäre, wo ich heute bin, wäre ich nicht so lange im Ausland gewesen.

Interessanteweise ist Golf seit über 100 Jahren im Jahr 2016 wieder Olympia-Disziplin, zusammen mit Rugby. Die beiden Sportarten sind unlängst in den olympischen Stand erhoben worden, was Sie als Golf-Sportlerin besonders freuen muss. Sie sind auf dem besten Weg, an den Olympischen Spielen in Brasilien im Jahr 2016 für die Schweiz mit dabei sein zu können. Was hat dieser Entscheid für den Golfsport und für Sie persönlich für eine Bedeutung?

Das hat mich natürlich sehr gefreut. Das ist für den Golfsport eine tolle Chance. Früher war der Golfsport sehr elitär, für gut betuchte und gestandene Personen gemacht. Das hat sich natürlich in den letzten Jahren erheblich geändert, insbesondere in Ländern, in denen Golf eine ganz andere Wahrnehmung geniesst, als hier in der Schweiz. Die Erhebung, wie Sie sagen, in den Olympia-Himmel, wird aber sicher weiter dazu beitragen, dass Golf auch als Spitzensport akzeptiert wird, ein Sport, für den man sich ins Zeug legen muss, der einem viel abverlangt und eben nicht nur eine elitäre Betätigung einer gewissen Gesellschaftsschicht verkörpert. In Australien oder etwa auch in den USA und in Skandinavien werden Golfer schon heute als Athleten angesehen und entsprechend werden die Golfsportler und Golfsportlerinnen auch behandelt, was sich natürlich sehr positiv auf die Sportart auswirkt. In der Schweiz sind wir noch nicht soweit. Sport wird in der Schweiz vielleicht noch zu wenig als Beruf angesehen

Man könnte das auch im Tennis so sehen, einer Sportart, die in der Schweiz bis noch vor wenigen Jahrzehnten als elitär betrachtet worden ist. Roger Federer war hier sicher heilend im Verständnisprozess. Wie reagieren Schweizerinnen und Schweizer, wenn Sie sagen, Sie seien Golfprofi?

(Lacht) Ich muss Ihnen zuerst erklären, wie bspw. Australier reagieren. Sie meinen auf die Antwort „Golfprofi“, dass das super sei und fangen an, Fragen über den Sport, das Training, Wettkämpfe und die Strapazen zu stellen. In der Schweiz ist die erste Frage, was man denn sonst noch neben dem Golfen tun würde… Das sind natürlich Welten! Das widerspiegelt auch das Bild, das die Gesellschaft immer noch in den Köpfen hat.

Fabienne In-Albon

Der Vergleich mit dem Tennis ist sehr treffend, und es ist sicher so, dass Roger Federer mit seiner sehr bodenständigen Art zum Verständnis dieser Sportart viel beigetragen hat. Er ist immerhin der erfolgreichste Tennisspieler, den es je gegeben hat, ein unglaubliches Ausnahmetalent. Und trotzdem hat er sich als Mensch nicht verändert, ist nicht überheblich geworden, was die Menschen offenbar sehr schätzen, zu Recht. Er ist bodenständig und enorm erfolgreich, was man ja nicht von jedem Star behaupten kann.

Führt das dazu, dass man sich immer rechtfertigen muss, für das was man tut, und war Roger Federer ein Vorbild, eine Hilfe, für Sie?

Ja, Roger war und ist sicher eine Inspiration, weil er einerseits ein grosses Ausnahmetalent ist und andererseits, weil er seine Bodenständigkeit aufrechterhalten konnte. Das braucht grosse charakterliche Stärke, um mit diesem Erfolg, den er feiern kann, normal umgehen zu können. An seinem Beispiel zeigt sich aber auch sehr schön, dass auch Tennis ein Business darstellt. Er hat das Business im Griff, kann mit den Medien umgehen, kann sich in vielen Sprachen ausdrücken, hat keine Vorurteile und keine Berührungsängste. Auch seine Fans kommen auf ihre Kosten.

Tatsächlich hatte ich hie und da dieses Bedürfnis in meiner Golfkarriere, mich rechtfertigen zu müssen. Glücklicherweise muss ich das heute nicht mehr tun, freue mich aber natürlich auch heute über die „australische“ Reaktionsvariante, wenn ich erzähle, dass ich Golfprofi bin. Ich mache meinen Weg, von dem ich weiss, dass es mein Weg ist und von dem ich überzeugt bin, dass es der richtige Weg ist.

Ein grosses Ziel und ein Traum für Sie sind die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro. Werden Sie den Traum erfüllen können?

Die Qualifikation läuft noch bis am 16. Juli 2016 und es kann noch alles passieren. „Olympia“ war für mich schon als Kind das grösste Sporterlebnis und ich wollte immer einmal an den Olympischen Spielen als Sportlerin mit dabei sein. Als Golf olympisch wurde, erkannte ich das als meine Chance zur Verwirklichung meines Traums und ich setze weiterhin alles daran, diesen Traum erfüllen zu können. Wichtig dabei ist das offizielle Olympia-Ranking, in dem die besten 60 Spielerinnen der Weltrangliste auftreten, jeweils nur maximal zwei pro Land. In diesem offiziellen Olympia Ranking nehme ich zurzeit Platz 42 ein. Ich schaue mir meinen Rang nicht jeden Tag an. Die gute Platzierung aber zeigt mir, dass es eben möglich ist, in Rio de Janeiro mit dabei sein zu können. Das ist für mich persönlich sehr motivierend. Ich muss in den nächsten Monaten weitere gute Resultate erzielen und in der Schweiz die Nummer 1 bleiben. Es kann noch einiges passieren, auch schief laufen.

Was sind Ihre Wünsche für den Golfsport, jetzt, wo Olympia wieder offen ist für den Golfsport?

Ich hoffe, dass sich das Verständnis für den Golfsport, aber auch für andere Sportarten, verbessert und Menschen erkennen, dass viel Arbeit dahinter steckt. Das würde dazu führen, dass man Golf und anderen Sportarten gegenüber offener eingestellt ist. Das würde sich positiv auf die vielen Sportlerinnen und Sportler auswirken, die versuchen, nur das Beste zu geben, und die jeden Tag hart an sich arbeiten. Spitzensport ist ein Job wie jeder andere auch, man arbeitet von morgens bis abends.

Liebe Frau In-Albon, ich bedanke mich herzlich für dieses Gespräch und wünsche Ihnen für Olympia, aber auch ganz generell für Ihre Golfkarriere, alles Gute und weiterhin viel Erfolg!

(C) 2015 by Christian Düblin. Alle Rechte vorbehalten. Anderweitige Publikationen sind nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors gestattet.

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