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Monatsinterview Februar: Peter Borer

 

Peter Borer Peter Borer, 1944, beschäftigt sich seit über 40 Jahren mit dem Sammeln und Erforschen von Fossilien, insbesondere von Ammoniten, einer Tierart, die vor rund 65 Millionen Jahren ausstarb, zum Zeitpunkt, als auch die Dinosaurier auf der Erde verschwanden. Der Name dieser Weichtiere geht auf den Gott Ammon zurück, u.a. eine ägyptische Gottheit, die oft mit Widderhörnern dargestellt worden ist. Im Jahr 2008 erhielt Peter Borer von der Schweizerischen Paläontologischen Gesellschaft den Amanz Gressly-Preis, Zeichen der Anerkennung für seine Verdienste rund um das Thema Ammoniten, seine Sammlung von Fossilien und deren Dokumentation. Die im Faltenjura gelegene Stadt Laufen und ihre Umgebung ist paläontologisch und geologisch gesehen äusserst interessant, was vor 100 Jahren schon Menschen wie Amanz Gressly auf den Plan rief. Aus anfänglichem Spass wurde aus dem Sammeln für den ehemaligen Unternehmer Peter Borer eine lebenslange Leidenschaft, die in einem Museum in Laufen resultierte, in dem die Sammlung Borer heute öffentlich zugänglich ist. Im Gespräch mit Christian Dueblin spricht Peter Borer über das Sammeln und Erkunden von Fossilien, zeigt auf, wie Fossilien gefunden und bearbeitet werden, was wir von ihnen herleiten können und gibt Einblick in eine für die meisten Menschen fremde Welt, aus der wir jedoch entspringen und Zeit und die „Herkunft“ sowie Herrschaft der Menschheit in einem besonderen Licht erscheinen lässt.

Christian Dueblin: Sehr geehrter Herr Borer, Sie sind einer der versiertesten und bekanntesten Sammler von Fossilien, in der Umgebung des Laufentals sowieso, wo Ihre Sammel- und Dokumentationstätigkeit nach Jahrzehntelanger Forschungstätigkeit gar in einem Museum resultierte, in dem man Fossilien, vor allem Ammoniten, bestaunen kann. Wie kam es zu dieser Leidenschaft, der Sie nun schon seit über 40 Jahren nachgehen?

Peter Borer: Der Grossvater meiner Frau arbeitete im Steinbruch bei Liesberg, wo während sehr langer Zeit Mergel und Jura-Kalk abgebaut wurde. Er nahm mich vor über 40 Jahren in den Steinbruch mit und zeigte mir, wo man Fossilien finden konnte. Er sprach damals von „Ammonshörnern“ und „Donnerkeilen“, die beim Abbau im Steinbruch gefunden worden seien. Es dauerte schon beim ersten Besuch im Steinbruch nicht lange und wir fanden diverse Fossilien, darunter Ammoniten, Seeigel, Korallen und Muscheln. Ich ging immer wieder in die Grube und lernte mit der Zeit auch andere Sammler kennen, mit denen ich mich austauschte. Dann erweiterte ich mein Suchgebiet um Laufen herum stetig und suchte das Passwanggebiet, die Fringelikette und den Blauenberg auf.

Damals arbeitete ich als Drucker in Basel und ging in die Buchhandlung Wepf, die auch ein Antiquariat führte. Dort deckte ich mich mit Literatur über Paläontologie, Geologie, Naturwissenschaften und über Ammoniten ein. Ich fand viele Dissertationen, auch über das Gebiet, wo ich herkomme, also Laufen. Diese Bücher und Werke faszinierten mich sehr. Es waren darin Fundorte und viele Gesteinsschichten beschrieben. Mit der Zeit kam es auch zu Kontakten mit Museen in der Schweiz und mit angesehenen Paläontologen. Das war für mich sehr interessant. In Basel forschte Dr. Reinhart Gigy, ein ausgewiesener Experte auf dem Feld der Paläontologie. Mit ihm tauschte ich mich regelmässig aus. Experten wie er nahmen auch wissenschaftliche Profile auf und halfen mir beim Bestimmen der Fossilien.

Professor Hans Rieber von der Uni Zürich schenkte mir eine Kopie seiner Dissertation, die von den Ammoniten aus der Jurazeit (Murchisonaeschichten) handelte. Viele Ammoniten liess ich ihm mit der Post zukommen und er hat sie bestimmt.

Mir scheint, dass diese Leidenschaft auch einen Schatzsucherinstinkt beinhaltet, den man haben muss, um sich über so lange Zeit mit dem Sammeln zu beschäftigen…

(Lacht) Absolut! Mit der Zeit merkte ich selber, dass es einem richtig den Ärmel in die Sache reinzog. Es handelt sich, das darf man schon sagen, auch um eine Art Sucht, die sich weiterentwickelt und der man nachgeht. Man nannte mich damals „Schnecken-Borer“, weil ich immer irgendwo am Graben war. Ich fand immer neue Objekte, was meine Leidenschaft immer mehr ansteigen liess. Ich sammelte aber nur regional. Meine Sammlerreichweite dürfte nur rund 30 Kilometer rund um die Stadt Laufen betragen. Mein Anspruch war es immer, eine Sammlung zu haben, die eng begrenzt ist, also aus einer kleinen und übersichtlichen Region stammt. Das macht eine Sammlung sehr wertvoll und gerade das Jura-Gebirge, hier der Faltenjura, ist ein optimales Suchfeld. Die Jurafaltung, die vor ca. 8 – 10 Millionen Jahren stattgefunden hat, erlaubt es mir, auf engstem Raum vom unteren Jura (Lias) bis zum oberen Jura (Malm), in fast allen Gesteinsschichten, zu suchen. Die Sedimentablagerungen im Jurameer variieren zwischen 500 und 800 Meter.

Hat die Auseinandersetzung mit diesen diversen Urtieren, die sie heute in versteinerter oder pyritisierter Form finden Ihre Ansicht des Lebens verändert, wenn man bedenkt, dass die Funde im Jura zwischen 145 und 200 Millionen Jahre alt sind und im zeitlichen Vergleich mit der Menschheit eine vollkommen andere Denk-Zeit-Dimension erfordern?

Das ist ein ganz wichtiger Punkt und mir wurde natürlich beim Sammeln schon sehr früh bewusst, was für ein unbedeutend kleiner Teil wir Menschen auf dieser Welt darstellen, wir, die uns doch so wichtig nehmen. Die Menschen und seine nächsten Vorfahren gibt es seit einigen Hunderttausend Jahren. Die meisten Ammoniten, die hier im Museum zu bestaunen sind, haben über Jahrmillionen gelebt. Es gab sie und ihre Vorfahren schon vor über 400 Millionen Jahren, eine für uns schier unfassbare Zahl. Sie waren schon vor den Dinosauriern auf der Erde. Es ist leider anzunehmen, dass wir als Menschen keine dermassen lange Zeit auf der Welt sein werden, und wir wissen nicht, was die Natur noch alles für die Zukunft auf der Erde vorgesehen hat.

Interessant ist auch zu erkennen, dass wir Menschen rein geologisch gesehen überhaupt nichts darstellen. Wir werden keine Spuren hinterlassen, die in Jahrmillionen von Bedeutung sein könnten. Man würde schlicht nicht einmal Spuren finden. Ganz anders sieht es in Bezug auf die Fossilien aus, die wir heute im Jura entdecken können und deren Vielfalt erschlagend ist. Wir finden hier nicht nur Ammoniten, sondern beispielsweise auch Seeigel, Haifischzähne, Wirbel von Krokodilen und gar Teile von Dinosauriern, die hier gelebt haben.

Sie haben hier überall gesucht und kennen die Steinschichten wie kein Zweiter. Haben Sie auch anderes gefunden als Fossilien, beispielsweise Öl oder Gold und Silber?

Es gibt hier in der Gegend tatsächlich Öl, aber nur in sehr geringen Mengen, die eine Ausbeutung wirtschaftlich nicht sinnvoll erscheinen lassen. Gewisse Steine, die man hier findet, riechen denn auch nach Öl.

Es gibt im Juragestein kein Gold oder Silber. Der Jura besteht zu einem grossen Teil aus Kalk, Mergel und Ton. Europa war während der Jurazeit zum grössten Teil durch ein flaches Meer bedeckt, dem sogenannten Tethyst. Der Eurmedoceras war der erste Kopffüssler, ein primitiver Nautilus im Ordovicium (488 – 444 Millionen Jahre). Während des Erdaltertums und der Erdneuzeit erfuhren die Ammonoideen und Nautiloideen mehrfach enorme Einschnitte und nur wenige Arten überlebten: An der Devon/Karbon-Grenze die Goniatiten, an der Trias/Jura-Grenze die Ceratiten. Die Ammoniten lebten vom Jura (200 Millionen Jahre) bis Ende der Kreidezeit (65 Millionen Jahre). Dann starben sie, wie auch die Saurier, aus.

Kann anhand der Funde gesagt werden, dass diese Tiere, je älter sie sind, desto primitiver waren, auch in Bezug auf ihr Äusseres? Zumindest erscheint mir das beim Betrachten Ihrer Sammlung so.

Ja, das kann man durchaus so sagen. Man sieht das schön an den Lobenlinien. Die Lobenlinien der Vorgänger der Ammoniten waren sanfter und nur wenig wellig. Bei den Ammoniten hingegen sind die Lobenlinien oft gezackt und verästelt. Die Gehäuse der Ammoniten sind verzierter und filigraner - sehr ästhetisch. Man geht heute davon aus, dass das mit dem Wasserdruck zu tun hat. Die filigrane Statik der Gehäuse der Ammoniten erlaubte es diesen Urtieren, sich auch in tieferen Gewässern aufzuhalten. Darum können wir heute aufgrund der vielen Fossilienfunde auch in etwa sagen, wie tief damals das Wasser war.

Wie muss man sich das Meer, das damals hier war und weite Teile des heutigen Europas bedeckte, im heutigen Laufental denn vorstellen?

In der Umgebung von Laufen und im Jura war das Meer, das hier alles umgab, nicht sonderlich tief. Das Jura-Meer war hier vor rund 200 Millionen Jahren und bestand bis vor 145 Millionen Jahren. Europa war während der Jurazeit zum grössten Teil durch ein flaches Meer bedeckt, dem sogenannten Tethys. Es herrschten damals tropische und subtropische Klimaverhältnisse. Das Meer hat sich aber über die Jahrmillionen immer auch wieder verändert. Es war mal weniger Wasser vorhanden, dann wieder mehr, es entstanden Korallenriffe, die später wieder erodierten und es folgten neue Riffe und Ablagerungen, die das Meer ständig veränderten. Die Tiefen des Meeres waren schon auf kleinem Gebiet oft sehr unterschiedlich. Hier konnte das Meer zeitweise 10 Meter tief gewesen sein und im nahegelegenen Frick 50 Meter.

Es hat hier auch Dinosaurier gegeben, die auf dem Land lebten. Das belegen spektakuläre Funde im Kanton Jura, die unlängst beim Bau einer Autobahn (A 16) gemacht werden konnten. Wie muss man sich das vorstellen, wenn hier doch alles von Meer bedeckt war?

Es war mehr oder weniger fast alles unter Wasser. An gewissen Stellen im oberen Jura gab es aber Lagunen, die nicht immer überschwemmt waren. Beim Bau der A 16 im Jura wurden westlich von Courtedoux ganze Terrassen voller Fussabdrücke von Dinosauriern gefunden, mit hunderten von Abdrücken dieser Tiere. Man geht davon aus, dass sie gegen 150 Millionen Jahre alt sind. Diese Spuren haben aufgezeigt und bestätigt, dass im Zeitalter des Jura in dieser Gegend auch Lagunen existierten. Viele dieser Spuren haben einen Durchmesser von einem Meter. Wir können aufgrund der Spuren und Abstände zwischen den einzelnen Abdrücken heute berechnen, wie gross diese Tiere gewesen waren und mit welcher Geschwindigkeit sie sich bewegten. Diese erst vor Kurzem gemachten Funde sind darum spektakulär.

Es war im Übrigen vorgesehen, solche Dino-Fussabdrücke auch hier im Museum in Laufen zu zeigen. Leider reichten aber die finanziellen Mittel nicht aus, diese Abdrücke ausstellen zu können. Der Kanton Jura wäre bereit gewesen, Fussabdrücke zur Verfügung zu stellen.

Die Ammoniten waren wunderschön, sehr ästhetisch und weisen verschiedene Kammern auf. Es gibt auch einen Sipho, den man deutlich sehen kann. Was wissen wir heute über die Eigenschaften dieser Tiere und über ihre Lebensweise?

Interessanterweise weiss man heute sehr viel über diese Tiere, obwohl einmal abgesehen von den Gehäusen, nur wenig gefunden werden konnte. Gewisse Kieferteile konnten unlängst erforscht werden und lassen Rückschlüsse auf das Fressverhalten zu.

Die Tiere umgab eine Schale mit vielen Kammern. Über den Sipho gelang Gas in die Kammern, was den Tieren ermöglichte, sich im Wasser nach oben und unten zu bewegen, ähnlich einem U-Boot. Der Perlboot, auch Nautilus genannt, lebt heute noch und ist ein Nachfahre der Nautiliden. Auch an ihm kann man vieles erkennen, das auf die Lebensweise seiner Vorgänger rückschliessen lässt. Die Kammerwände des Nautilus und der Ammoniten unterscheiden sich, auch die Lage des Siphos. Im Museum in Laufen kann man das schön erkennen. Wir haben viele Grafiken und Bilder ausgehängt, die gut bezeichnet und beschrieben sind, so dass sich der Betrachter ein Bild machen kann.

Der Jura, hier der Faltenjura, besteht zum grössten Teil aus Jura-Gestein. Wie erklärt sich das? Waren hier tatsächlich riesengrosse Korallenriffe vorhanden?

Korallen und Seelilien lebten eher in flachen Gewässern, in Riffs, auch heute noch. Sie sind leider mancherorts vom Aussterben bedroht. Ammoniten lebten irgendwo zwischen 50 und 300 Metern Tiefe, dort wo das Licht nicht mehr hingelangen konnte. Korallen und Seelilien sind aber auf Licht angewiesen, ohne das sie nicht leben können. Es gab hier sehr viele Korallen und sie haben hier im Jura über Jahrmillionen Kalk abgelagert und Riffe gebildet, die bis zu 30 Meter erreichten.

Wo die Korallen lebten, lebten auch die Seeigel. Darum findet man hier auch sehr viele Seeigel-Fossilien. Es gab auch Seelilien. Das ist keine Pflanze, sondern ein Tier, das mit einer Wurzel festgewachsen war. Wissenschaftler konnten organischen Farbstoff aus der Wurzel extrahieren und diesen bestimmen. Er heisst Fringelit, nach einem Gebirge, das sich hier befindet. Er ist violett bis schwarz und lässt Rückschlüsse auf das Aussehen dieser Urtiere zu. Sie haben Kleinlebewesen mit den Armen aus dem Wasser gefiltert, die sie dann im sogenannten Kelch verdaut haben. Solche Seelilien findet man hier in der Gegend sehr oft und man kann sogar die Farbe der Fossilien noch erkennen. Im Museum hat es wunderbare Seelilien-Fossilien, die aufgrund ihres guten Zustandes weltweit Beachtung gefunden haben.

Interessanterweise wurden auch Haifischzähne gefunden. Man weiss heute, dass der Haifisch eines der ältesten Tiere auf der Welt ist.

Haifische gab es schon vor 400 Millionen Jahren. Im Jura findet man Haifischzähne nur selten. Man findet hier aber Saurierzähne, auch Knochen von Sauriern. Im Museum ist der Knochen eines Plesiosaurus ausgestellt. Diese Tiere haben im Meer gelebt und konnten über 15 Meter gross werden. Der Knochen dürfte rund 160 Millionen Jahre alt sein. Ich fand ihn im Gebiet des Passwang. Im Museum ist auch der Zahn eines Ceratosaurus ausgestellt. Er wurde im benachbarten Röschenz gefunden, was natürlich spektakulär ist. Das Original befindet sich heute im Naturhistorischen Museum in Bern. Der Zahn dürfte gegen 150 Millionen Jahre alt sein.

Wie finden Sie diese teilweise sehr imposanten Fossilien? Muss man sich das ähnlich wie beim Pilzsuchenden vorstellen, der mit der Zeit instinktiv erkennt, wo er welche Pilze ausfindig machen kann? Und wie bearbeiten Sie die Fundstücke, so dass sie so schön daherkommen, wie im Museum?

Es bedarf für das Finden dieser Fossilien einer gewissen Geübtheit und der Vergleich mit dem Pilzsammeln ist sehr treffend. Als Sammler kenne ich die Sedimentschichten des Jura sehr genau und kann so gezielt nach Fossilien suchen. Wie der Pilzsammler, hat auch der Fossiliensammler beliebte Orte, die er immer wieder aufsucht, über die er aber nie spricht. Diese Orte sind geheim (lacht).

Oft gehe ich Sammeln, wenn ich weiss, dass in der Gegend neue Waldwege gemacht werden. Auch an Bächen oder wenn Häuser gebaut werden, gehe ich suchen. In Blauen habe ich kürzlich auf der Baustelle eines neuen Stalls einen Krokodilwirbel gefunden. Ein Laie würde solche Stücke nicht erkennen können und nur einen dreckigen Stein sehen. Auch Orte, wo neue Strassen gebaut werden, sind übrigens sehr interessant.

Die Fossile bearbeite ich zuhause mit speziellen Drucklufthämmern. Damit gehe ich bis ca. 1 Millimeter an die Schale von Ammoniten heran. Später arbeite ich mit Kaliumhydroxyd, das in Form von kleinen Plätzchen auf die Ammoniten aufgelegt wird. Es löst den Kalk von der Oberfläche, ohne die Schale zu beschädigen. Wenn man so will, handelt es sich um eine chemische Wäsche. Die Schale darf aber keine Löcher haben, sonst wird das Fundobjekt zerstört. Später wird der Ammonit neutralisiert und abgewaschen. Das dauert oft Tage und Wochen und muss immer wiederholt werden.

Was muss ein Fossil aufweisen, damit Sie ganz spezielle Freude an ihm finden?

Ich habe an allen Fundgegenständen meine Freude, egal ob gross oder klein. Es gibt Fossile, von denen ich schon viele habe. So kommt es vor, dass ich gewisse Stücke nicht mitnehme. Wichtig für mich ist die Ästhetik. Mich begeistern diese verschiedenen Formen enorm. In meiner Druckerei, der Borer Druck AG in Laufen, die seit 2004 mein Sohn Christian führt, ist der Ammonit zum Firmenlogo avanciert. Die Auseinandersetzung mit den verschiedensten Formen dieser Urtiere während nun bald 40 Jahren hat mich auf eine gewisse Weise auch aufgrund ihrer Schönheit ehrfürchtig werden lassen und hatte Einfluss auf meine Arbeit als Drucker. Es ist einfach sehr schön zu sehen, zu was die Natur fähig ist. Natürlich ist diese Ästhetik in der Natur immer auch mit einem Überlebenskonzept verbunden. Meine grössten Ammoniten-Funde weisen eine Grösse von bis zu 40 Zentimetern auf. Es sind auf der Welt Ammoniten mit über 2 Meter Durchmesser gefunden worden. Das ist schon sehr imposant.

Sie finden auch pyritisierte Ammoniten, die aufgrund ihres Glanzes auffallen. Was hat es mit diesen Fossilien auf sich?

Diese Fossilien unterlagen nicht einem „Versteinerungsprozess“. Sie wurden im Verlaufe der Zeit „pyritisiert“. Sie sind in eisenhaltigem und schwefelhaltigem Ton anzutreffen. Die Schalen der Tiere sind im Sediment durch Pyrit ersetzt worden und nicht durch Stein. Diese Fossilien sind, wenn man sie findet oft sehr gut erhalten und wunderschön anzusehen, wie ein Schmuckstück. Sie sind jedoch nicht von Bestand und zerfallen mit der Zeit, weil der Pyrit sich zersetzt. Einige meiner Fundstücke sind rund 40 Jahre alt und man kann sie leider nicht vor dem Zerfall retten.

Bevor wir auf das Museum in Laufen zu sprechen kommen, möchte ich Sie noch auf Amanz Gressly ansprechen, der auch dem Preis der Schweizerischen Paläontologischen Gesellschaft den Namen gegeben hat, den Sie 2008 für Ihre Verdienste entgegennehmen durften. Wer war diese Persönlichkeit und was konnte er erforschen?

Amanz Gressly kam aus Bärschwil. Er wurde dort 1814 geboren und bildete sich zum Geologen weiter. Er ist in der Paläontologie heute nicht mehr wegzudenken. Gressly hat sich mit den Fazies auseinandergesetzt und wesentlich zur Stratigraphie-Forschung beigetragen. Ihm wurde schon sehr früh klar, dass diese Umgebung im Jura sehr interessant für das Erforschen von Fossilien war, denn hier können alle Gesteinsschichten gefunden werden. Das ist nicht überall so. Es gibt Gegenden auf der Welt, in denen man auch Fossilien finden kann, aber möglicherweise nur in einer Gesteinsschicht. Gressly arbeitete später in Neuenburg mit dem weltbekannten Louis Agassiz. Er war bis zu seiner Emigration nach USA Professor in Neuenburg und beschäftigte sich vor allem mit fossilen Fischfunden und mit der Eiszeit. Wir kennen heute in der Schweiz das Agassiz-Horn, das seinen Namen trägt.

Amanz Gressly hat den Begriff „Fazies“ geprägt und dabei auch wesentlich zur modernen Stratigraphie beigetragen. Die Fazies beschreiben die Eigenschaften von Gesteinsschichten. Gressly war schon früh klar, dass die Fossilien Rückschlüsse auf die damaligen Lebensbedingungen zulassen. Die Stratigraphie ist eine Geowissenschaft. Sie beschäftigt sich mit dem Bestimmen des Alters von Gestein. Dabei spielen die Fossilien eine grosse Rolle.

Es hat, wie Sie bereits angedeutet haben, sehr interessante Zusammenarbeiten mit vielen Fachexperten aber auch Museen auf der ganzen Welt gegeben. Einige Ihrer Fundstücke sind herausragend und man hat von ihnen auch Kopien erstellen lassen. Wie kam es schliesslich, nach über vier Jahrzenten Sammlertätigkeit, zum Museum in Laufen?

Den Museumsverein Laufen gibt es schon seit 1944. Ich bin seit rund 40 Jahren mit dabei. Es gab schon damals gewisse Versteinerungen, die ausgestellt worden sind. Das erste Museum befand sich unscheinbar beim Obertor von Laufen. 1977 wurde das heutige Museum umgebaut.

Viele Fossilien, die früher ausgestellt waren, wurden nicht speziell präpariert. Man gab sie einfach ins Museum, das sie so ausstellte, wie es sie halt erhielt. Im neuen Museum richtete ich in einer Vitrine meine Sammlung ein, die mit den Jahren immer grösser wurde. Als ich den Amanz Gressly-Preis erhielt, wurde die Stadt hellhörig und man bot mir einen grösseren Raum mit Schaufenster an für meine Sammlung. Sie besteht aus rund 2000 ausgewählten Fundstücken aus meiner Sammlertätigkeit. Auch andere fingen an, das Projekt, also die Sammlung, zu unterstützen. Die Firma Ricola spendete damals für jedes Jahr ihres damals 80jährigen Bestehens 1‘000 Franken. Dieses traditionelle in Laufen ansässige Unternehmen steuerte somit 80‘000 Franken bei. Das hat mich sehr gefreut. Der Lotteriefonds machte mit einem stattlichen Betrag mit, auch die Stadt- und Vorstadtburger in Laufen. Auch viele andere Unternehmen in der Umgebung von Laufen machten mit. Wir bekamen so rund 190‘000 Franken zusammen. Damit liess sich der Boden erneuern, es konnten die elektrischen Installationen angebracht und Vitrinen erstellt werden. Diese wurden in Zusammenarbeit mit einer Museumsspezialistin, einer Museologin, eingerichtet. Leider reichte der genannte Betrag jedoch nicht aus, um die erwähnten und vom Kanton Jura versprochenen Dinosaurierfussabdrücke ins Museum einbauen zu können, was mich, und natürlich auch die vielen Besucher, sehr gefreut hätte. Aber was nicht ist, kann ja vielleicht noch einmal werden (lacht).

Meine Sammlung schenkte ich dem Museums-Verein. Die Räumlichkeiten und die Ausstellung wurden am 17. März 2012 eröffnetet. Die rund 2000 Fossilien sind seither für die Öffentlichkeit zugänglich und so ausgestellt, dass sie sowohl für Spezialisten, aber auch beispielsweise für Kinder etwas hergeben, mit vielen Erklärungen, Spielen und spannenden und interessanten Grafiken, die Aufschluss über unsere Vorfahren geben.

Sehr geehrter Herr Borer, ich bedanke mich für den freundlichen Empfang in diesem sehr spannenden und inspirierenden Museum und wünsche Ihnen weiterhin alles Gute und viel Erfolg beim Sammeln von Fossilien!

(C) 2014 by Christian Düblin. Alle Rechte vorbehalten. Anderweitige Publikationen sind nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors gestattet.

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Links
- Schweizerische Paläontologische Gesellschaft
- Museum Laufental

- Homepage Paléojura
- Homepage der Borer Druck AG

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