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Monatsinterview November: André Draslar

André Draslar, Jahrgang 1992, gehört zur Elite der Schweizer Golf-Amateurspieler. Bis 2007 widmete sich das Sporttalent Draslar ebenfalls intensiv dem Tennis-Sport, den er jedoch nach und nach zu Gunsten des Golf-Sportes aufgab. Anfang 2013 erreichte er auf Zypern an den Cyprus Open in Aphrodite Hills und Elea Estate den geteilten 2. Platz. Wenig später wurde er zum Champion 2013 der Romandie an den Meisterschaften in Lavaux erkoren, was ihn auf die Weltrangliste der Amateur-Golfer brachte. Zum Saisonende 2013 wurde er Clubmeister seines Homeclubs Heidental in Stüsslingen. In den letzten Wochen hatte André Draslar in London die Möglichkeit, mit Mark Bull zu trainieren, der die englische Nationalmannschaft der Amateure und auch den European Tour-Spieler Paul Casey betreut. Im Interview mit Christian Dueblin nimmt André Draslar Stellung zum Golf-Sport, seinem Training, zeigt auf, wie wichtig mentale Aspekte des Trainings sind und erklärt, worauf es im Golf-Sport ankommt, um an die Weltspitze kommen zu können.

Christian Dueblin: Herr Draslar, Sie gehören zu den besten Amateur-Golfspielern der Schweiz. Mit einem Handicap von +1 sind Sie möglicherweise bei Gesellschaftsturnieren von einigen Schweizer Golfspielern trotzdem „besiegbar“. Es dürfte aber derzeit in der Schweiz wohl nur rund 50 Personen geben, die ein solches Handicap erreicht haben. Wie kamen Sie zum Golf und warum haben Sie Ihre vielversprechende Karriere als Tennisspieler vor einigen Jahren zu Gunsten des Golf-Sports aufgegeben?

André Draslar: Schon in der Primarschule war mein innigster Wunsch, einmal Leistungssport an einer Sportschule treiben zu können. Wie für viele andere junge Menschen war auch mein Vorbild Roger Federer. Ich war ziemlich gut im Tennis und habe, zwar nur knapp, die R2-Klassierung erreicht. Später wollte ich mich jedoch noch intensiver dem Golfsport zuwenden, der mich sehr herausforderte und mir sehr gut gefiel. Durch die Teilnahme an der Credit Suisse Junior Tour konnte ich Punkte zum Order of Merit der ASG sammeln. Auch schaffte ich es in der Folge in die Sportklasse des Gymnasiums Liestal und ich wurde von der Leistungssportförderung des Kantons Basel-Landschaft aufgenommen. Dank der Unterstützung des Homeclubs Heidental und meines guten Trainers Russell Warner ging es in der Folge langsam aber sicher mit meiner Leistung aufwärts. Noch besser wurde es, als ich schulisch zum Sportgymnasium Feusi in Bern wechseln konnte. Auf Anhieb hatte ich durch den optimalen Stundenplan mehr Zeit zum Training auf dem Golfplatz.

Heute kann ich sagen, dass ich den Wechsel vom Tennis zum Golf nicht bereue. Tennis ist ein schöner und technisch anspruchsvoller Sport. Der mentale Aspekt bei diesem Sport darf jedoch nicht unterschätzt werden. Um weiter zu kommen, braucht es eine Menge mentaler Überzeugung und es bedarf eines ungeheuerlich grossen physischen Einsatzes. Tennis als Wettkampf ist ein unbarmherziger, ja gar ein brutaler Sport. Man verlässt das Spielfeld entweder strahlend und zufrieden mit sich selbst als Sieger, oder aber man geht mit gesenktem Kopf und gedemütigt als der unglücklichste Mensch auf der Welt nach Hause.

Aber auch im Golf will ein Spieler unbedingt gewinnen….

Ja, das will auch der Golfspieler. Aber Golf ist in dieser Hinsicht für den Aufbau der individuellen Leistung und in Bezug auf sein eigenes psychisches Befinden viel günstiger. Der Golfspieler spielt gegen sich selbst, in der Schweiz meistens in einer schönen Parklandschaft (lacht). Sich in diesen Parks, umgeben von vielen Bäumen, viel Grün und oft auch Wasser, zu bewegen und dort zu spielen macht das Golfspielen auch zu einem besonderen Erlebnis.

Ähnlich sozialen Netzwerken hat der Golfsport auf der ganzen Welt ein anderes Prestige resp. Image. In der Schweiz wird Golf nach wie vor von vielen Menschen als etwas elitär eingestuft, ganz im Gegenteil etwa zu Irland oder Australien, wo der Sport weitherum in allen sozialen Kreisen Anerkennung findet und nichts Aussergewöhnliches darstellt. Wie lässt sich diese unterschiedliche Betrachtungsweise erklären?

Es hat sich seit den letzten Jahren, seit ich Golf spiele und das beurteilen kann, Vieles in dieser Hinsicht verändert. Das merkt man beispielsweise an der Zusammensetzung der Mitglieder in Clubs. Natürlich gibt es immer noch private Clubs in der Schweiz, in denen man nur selektiv neue Mitglieder aufnimmt, was zu dem von Ihnen beschriebenen Image natürlich beiträgt. Das gibt es aber auch in anderen Ländern, so auch in Irland oder Australien. In den letzten Jahren wurde in der Schweiz eine ganze Anzahl von öffentlichen Golfclubs gegründet, die diese Selektion nach gesellschaftlicher Bedeutung der Mitglieder nicht vornehmen. Dazu kommt, dass man auch ohne die Zugehörigkeit zu einem Schweizer Golfclub Golf spielen kann, indem man sich beispielsweise bei der unabhängigen ASGI registrieren lässt oder aber eine Mitgliedschaft bei einer ausländischen, von der ASG anerkannten Golfvereinigung, verbunden mit einer entsprechenden Platzreife, vorweist.

Mit einem Handicap von +1 gehören Sie zu den Top-Amateurspielern in der Schweiz. Wie muss ein Spieler trainieren und an Turnieren teilnehmen, um ein solches Resultat erreichen zu können?

Wie bei jedem Leistungssport, so auch beim Golfspiel, spielt der Faktor Zeit eine wichtige Rolle. Wenn man vorwärts kommen will, muss man sehr viel Zeit für Trainings aufbringen. Ich habe als Student das Glück und die Möglichkeit, an zwei Vormittagen und zwei Nachmittagen auf dem Golfplatz und im Fitnessstudio zu trainieren. Die Wochenenden sind während der Saison den Turnieren gewidmet.

Wie würden Sie selber den mentalen Anteil im Golfspitzensport einstufen und wie trainieren Sie diese mentalen Charaktereigenschaften, die es zum Gewinnen von Tournieren bedarf?

Für junge Menschen ist das Golfspiel anfänglich eine schöne Unterhaltung. Man spielt zu dritt oder zu viert im Flight und so hat man auch genug Zeit und Gelegenheit, sich untereinander „seelisch“ etwas lockerer zu machen. Das ist bei den älteren Spielern nicht anders. Wenn man aber die Stufe der nationalen und internationalen Turniere erreicht hat, wird es ernst und man muss sich mit seiner mentalen Verfassung vor jedem Spiel aktiv auseinandersetzen. Das bedarf tatsächlich viel Vorbereitungsarbeit. Mit einem verkrampften Denken und Nachlässigkeiten in Sachen Konzentration kommt man nicht weit. Je öfters man an grossen Turnieren teilnimmt, desto leichter erreicht man diese mentale Stärke.

Mein Vater hat mir letztes Jahr ein Büchlein von Manfred Gehr-Huber geschenkt. Es heisst „Das WowPrinzip“. Ich habe mir darin beschriebene Prinzipien, nämlich beispielsweise während des Spiels nur optimistisch und an das Gelingen denkend zu spielen, zu Herzen genommen und versuche jedes Mal so zu denken. Meistens hilft das (lacht). Ab dem 14-ten Loch wird es jedoch immer schwieriger. Es bedarf einer guten mentalen Verfassung, aber auch einer guten körperlichen Konstitution, um erfolgreich Golf spielen zu können. Das eine hängt unmittelbar mit dem anderen zusammen.

Denise Biellmann hat im Interview mit Xecutives.net schön aufgezeigt, wie wichtig dieser mentale Faktor beim Spitzensport ist. Auch Eiskunstlauf ist bis zu einem gewissen Punkt eine extreme Nervensache. Kleinste Fehler können zum Sturz führen. Was haben Menschen, wie im Golfsport beispielsweise ein Tiger Woods, an sich, dass sie über Jahre hinweg Bestleistungen erbringen können?

In der Tat, im Golf ist jeder Fehler, also jeder schlechte Schlag, unwiderruflich. Er bleibt auf der Scorecard drauf. Ein schlechter Schlag hat somit grosse Auswirkungen auf das Ranking oder das Handicap. Darum ist es so wichtig, während dem Spiel so ruhig wie möglich zu bleiben und nicht sofort nach einem misslungenen Schlag die Nerven zu verlieren. Ich glaube, das ist es, was diese Menschen, wie Tiger Woods, auszeichnet. Sie haben diese innere Kraft, sich nicht ablenken zu lassen und sich vollständig auf das Spiel konzentrieren zu können.

Sie waren eben in London und hatten dort Gelegenheit, mit Mark Bull zu spielen, sprich sich von ihm trainieren zu lassen .Was können junge Spieler von solchen Experten profitieren?

Mark Bull ist ein international anerkannter Golfcoach, der mit 3-D-biomechanischer Software arbeitet. Mit diesem System analysiert er die Bewegungen der Spieler bis ins letzte Detail. Er achtet auf eine korrekte Schwungbahn, eine korrekte Haltung im Schwung, auf die Gewichtsverlagerung etc. Er gibt natürlich auch gute Ratschläge während des Trainings und schöpft dabei aus seiner grossen Erfahrung. Er trifft regelmässig auch andere Elite-Golftrainer und tauscht sich mit ihnen aus. So ein Training bringt jedem Spieler eine Menge an neuen Erkenntnissen zur Verbesserung seines Spiels.

Eine Berufskarriere als Golfer ist in der Schweiz nicht einfach hinzubekommen. Es gibt bis heute keine Golfsportlerin und keinen Golfsportler, Amateur oder Profi, die/der es an die Weltspitze schaffte. Wie erklärt sich dieser Umstand gerade im Golfsport, in Anbetracht dessen, dass hier die Golfplatzdichte und die Qualität der Plätze sehr hoch ist?

Der beste Schweizer Amateurspieler ist momentan auf Platz 37 der Weltrangliste. Ich selber bin ca. Nummer 2220. Das Ranking ändert wöchentlich und schwankt manchmal um einige Plätze, egal, ob man in der Woche gespielt hat oder nicht.

Wenn man nur in der Schweiz spielt, ist es tatsächlich sehr schwierig, ja sogar praktisch unmöglich, sich an die Weltspitze zu kämpfen. Es gibt nur 15 Turniere in der Schweiz, die als sogenannte „Counting Events“ für die Weltrangliste zählen, davon sind 2 nur der Jugend bis 18 Jahre zugänglich. Wenn also ein junger 18-jähriger Spieler an allen 15 dieser Turniere teilnimmt und dabei fast überall über den Cut durchkommt, kann er im Jahr bestenfalls 45 Spielrunden schaffen. Damit kann er kaum einen Platz unter den 200 besten der Weltrangliste schaffen. Die Weltrangspitze bis zum Platznummer 100 spielt so an die 50 bis 90 Runden im Jahr, aber meistens an Turnieren höherer Kategorie als sie in der Schweiz stattfinden. Um die nötige Spielintensität zu schaffen, braucht es viel Zeit und eine gesicherte Finanzierung, um alle 14 Tage an einem Counting-Event teilnehmen zu können. Das schaffen vor allem Spieler in den USA, in Grossbritannien und beispielsweise auch Australien, meist Mitglieder von Universitäts- oder College-Teams.

Sie sind Schweizer haben aber tschechische Wurzeln und spielen immer wieder auch Turniere in Tschechien. Erkennen Sie in Sachen Training und Möglichkeiten der Entfaltung im Spitzensport zwischen den beiden Ländern Unterschiede?

Während es in den meisten Schweizer Golfclubs Trainer aus dem englischsprachigen Raum gibt, ist es eher eine Ausnahme, in einem tschechischen Golfclub einen Trainer aus dem Ausland anzutreffen. Heute spielt das aber, so glaube ich zumindest, keine wesentliche Rolle, denn die technischen Hilfsmittel und die theoretischen Unterlagen, die ein Trainer benutzt, sind überall gleich und problemlos erhältlich. In Tschechien, wie auch in den anderen früheren Ostblockländern, ist der Golf-Boom zwar noch jung, dafür aber viel intensiver als hier in der Schweiz. Man erkennt dies bei den Teilnahmen an Juniorenturnieren. Es hat sich in den letzten Jahren eine breite Basis junger talentierter Sportler gebildet, die sehr gut von Trainern und anderem Fachpersonal betreut wird. Ich glaube, in den nächsten Jahren kommen solche Leute recht gut voran. Bei der Weltspitze im Amateurgolf wird sich diese Entwicklung vielleicht nicht allzu sehr auswirken, denn die meisten guten Spieler wechseln ziemlich früh in das Profilager oder werden Golflehrer. In der Schweizer Amateurspitze kann man hingegen, zumindest seit ich Golf spiele, keine zahlreichen Abgänge ins Profigolf feststellen.

Sie selber haben die Absicht, Ihre Karriere in den USA weiterzuverfolgen. Was bieten Ihnen die USA, das die Schweiz nicht hat?

Wie ich vorhin angetönt habe, gibt es punkto Zeit zu den Teilnahmen an den wichtigen Golfturnieren viel mehr Gelegenheiten in den USA als in der Schweiz. Da ich nebst dem Erlangen einer Hochschulausbildung auch weiterhin das Golfspiel ausüben will, strebe ich die Aufnahme in ein College an, bei dem ich in einem Golf-Team mitmachen könnte. In den USA ist das ein Standard und auch einige gute Schweizer Topspieler haben diesen Weg gewählt. Aufgrund grosszügiger finanzieller Unterstützung des Golf-Sports durch Universitäten und Colleges können die Teams an vielen Turnieren teilnehmen und die Trainingseinheiten absolvieren.

Solche Aufenthalte und Studien kosten sehr viel Geld. Wie bringen das die Spieler in der Schweiz, auch Sie, auf die Reihe? Sind Sie auf Sponsoren angewiesen?

Für ganz junge Talente ist die Basis zur Entwicklung vorhanden. Die meisten Golfclubs bemühen sich um die Ausbildung der Jugend. In einigen Clubs ist das Jugendtraining praktisch kostenlos. Dank der Credit Suisse und ihrer Sponsoring gibt es auch die einzige Junior Golf Tour in der Schweiz, für junge Leute bis 18 Jahre. Ich selbst durfte bis 2013 dank des ASG-Brevet Sportives auf den öffentlichen Schweizer Golfplätzen dreimal pro Jahr gratis spielen, was kostenmässig eine grosse Erleichterung für mich und meine Eltern bedeutete. Für ältere Spieler ist es aber mit dem Sponsoring auf breiter Basis nicht gut bestellt. Im Prinzip ist jeder Spieler diesbezüglich auf seine eigene Kreativität und auf Unterstützung aus der Familie angewiesen. Gott sei Dank ist der Golfsport auf dem nationalen Niveau, das ich bis jetzt erreicht habe, eine relativ kostengünstige Angelegenheit. Wäre ich beim Tennis geblieben und hätte ich dort ein vergleichbar hohes Niveau erreicht, wäre der finanzielle Druck viel grösser. Sponsoren werden auch für mich wichtig, dann, wenn ich vermehrt an internationalen Turnieren im fernen Ausland teilnehme.

Herr Draslar, was wünschen Sie sich selber und dem Schweizer Golfsport für die Zukunft?

Gesundheit bleiben, ist für mich, wie auch für jeden anderen Sportler und Spieler, das Wichtigste, was man sich wünschen kann. Was die Spielmöglichkeiten in der Schweiz betrifft, ist alles in bester Ordnung. Die ASG, der Schweizerische Golfverband, ist bestens organisiert und investiert viel in die Jugend. Die Golfplätze sind in sehr gutem Zustand. Das einzige, was man sich noch wünschen könnte, wäre ein konstant gutes Golfwetter während der ganzen Saison (lacht).

Lieber Herr Draslar, ich bedanke mich herzlich für dieses Gespräch und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg, sowohl persönlich als auch im Golf-Sport!

(C) 2013 by Christian Düblin. Alle Rechte vorbehalten. Anderweitige Publikationen sind nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors gestattet.

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Links
- André Draslar @ WAGR (World Amateur Golf Ranking)
- Clubmeisterliste des Golfclubs Heidental

- Championnat de Suisse Romande 2013
- Cyprus Men's Open Championship 2013
- Liechtenstein Open Championship 2011
- Leistungssportförderung Baselland


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