Suchen

Spezialinterview: Jemen/Iran

 

Dr. Albert Alexander Stahel

Dr. Albert Alexander Stahel, geboren 1943, studierte Wirtschaftswissenschaften an der Universität Zürich, wo er auch promovierte. In seiner Habilitationsschrift an der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich setzte er sich sehr intensiv mit strategischen Studien auseinander, ein Thema, das ihn sein ganzes berufliches Leben lang beschäftigen sollte. Medieninteressierten Menschen ist Professor Stahel als Experte für Sicherheits- und geopolitische Fragen im Radio und Fernsehen sowie als Autor von Sachbüchern bekannt. Professor Stahel lehrt bis heute an der Universität Zürich und wirkte bis 2006 als Dozent für Strategische Studien an der Militärakademie an der ETH Zürich. Professor Stahel ist u.a. auch Gründer des Instituts für Strategische Studien in Wädenswil, das sich mit geopolitischen und sicherheitspolitischen Themen auseinandersetzt. Im Interview mit Christian Dueblin nimmt Professor Stahel Stellung zu den neusten Geschehnissen rund um Jemen und den Iran.

Christian Dueblin: In den langen Verhandlungen in Lausanne konnte das iranische Atomprogramm offenbar gestoppt werden. Man spricht von einem grossen Verhandlungsdurchbruch. Nun soll ein definitives Atomabkommen abgeschlossen werden. Wie schätzen Sie die Lage ein und was haben diese Verhandlungsresultate Ihres Erachtens für eine Bedeutung für die Geschehnisse im Nahen Osten?

Professor Albert A. Stahel: Sollte im Juni wirklich ein unterzeichnungsreifes Abkommen vorliegen, dann muss es in den USA dem Kongress vorgelegt werden und da bin ich nicht sicher, ob dieser zustimmen wird. Was die Auswirkungen im Persischen Golf betrifft, so könnte der Vertrag eine Abwendung der Alliierten Saudi-Arabien und Israel von den USA auslösen. Ich könnte mir vorstellen, dass am Ende ganz neue Allianzen entstehen, so zum Beispiel eine Quasi-Allianz zwischen Saudi-Arabien und Israel. Auch besteht durchaus die Möglichkeit, dass sich Saudi-Arabien von Pakistan Nuklearwaffen beschaffen könnte. Interessant wird auch das Verhalten von China sein, das bis anhin, was seine Erdölversorgung betrifft, sehr auf den Iran orientiert war und sich nun an Saudi-Arabien orientieren könnte.

Seien wir ehrlich: der Vertrag dient dem Ego von Obama, der seine Präsidentschaft mit einem Erfolg krönen möchte, und der US-Wirtschaft, die nach Investitionen in die iranische Wirtschaft lechzt.

Wie schätzen Sie persönlich die Rolle der Schweiz ein in Bezug auf diese heiklen Verhandlungen?

Die Schweiz ist Gastgeberland und vertritt die Interessen der USA im Iran, mehr nicht.

Es wird zurzeit spekuliert, ob Iran die Huthi-Milizen in Jemen unterstützt, wo zurzeit heftige Kämpfe toben. Ziel der Huthis, der Zaiditen, dürfte es sein, wieder ein Imamat einzuführen. Wer sind die Huthis, die rund einen Drittel der jemenitischen Bevölkerung ausmachen, und was steckt hinter der Vermutung, dass Iran seine Finger im Spiel hat?

Die Huthi gehören der Sekte der Fünfer-Schiiten an und werden jetzt effektiv durch den Iran finanziell unterstützt. Angesichts der Tatsache, dass die iranische Staatsreligion auf eine andere schiitische Sekte, die der 12-Schiiten, ausgerichtet ist, weist schon darauf hin, dass die Huthi für den Iran nützliche Werkzeuge sind. Mit der Machtübernahme der Huthi im Jemen zwingt der Iran Saudi-Arabien dazu, sich diesem Kriegsgebiet zuzuwenden und lenkt damit die Herrscher von Riyad vom Persischen Golf ab. Dabei darf die wichtige geopolitische Lage Jemens mit dem Bab el-Mandab nicht ausser Acht gelassen werden. Dieses Nadelöhrt führt zum Suez-Kanal.

Grundsätzlich zum Jemen: wir sind Zeuge des grossen Religionskrieges zwischen Sunniten und Schiiten.

Gibt es Verbindungen zwischen den Huthis und dem Terrornetzwerk Al-Kaida?

Es kann gar keine Verbindungen zwischen Al-Kaida und den Huthi geben. Die schiitischen Huthi sind für die strenggläubigen Anhänger von al-Kaida Ketzer, die es zu töten gilt.

Die Saudis gehen seit März 2015 vor allem mit Kampfflugeinsätzen gegen die Huthis vor. Was bewegt die Saudis, sich vehement gegen die Huthis einzusetzen, in Anbetracht dessen, dass die Saudis in Bezug auf den IS sehr viel zurückhaltender waren, ihn anfänglich sogar finanziert hatten, wie Sie im Interview über den IS berichteten?

Für die Saudis sind die Huthi Ketzer. Die rottet man aus sunnitischer Sicht – die Wahhabiten sind Sunniten – aus. Der Islamische Staat vertritt die Sunna in der Ausrichtung der Salafisten und damit der Wahhabiten. Im religiösen Grundsatz besteht zwischen dem IS und Saudi-Arabien Einigkeit.

Wie stehen die Chancen, dass es zu Frieden kommt in der Region?

Aufgrund der gegenwärtigen Situation, die historisch bedingt ist – Konflikt Araber-Perser, Gegensatz Sunniten-Schiiten –, ist der Friede nicht zu erwarten.

Was kann der Westen beitragen, um in dieser Region der Welt weitere Kriege und Elend zu verhindern?

Der Westen – Sie meinen Europa – hat abgedankt und wird im Mittleren Osten und insbesondere im Persischen Golf, mit der Ausnahme des Nachfragenden nach Erdöl und Erdgas, nicht mehr ernst genommen.

Sehr geehrter Herr Professor Stahel, ich bedanke mich für dieses Interview und wünsche Ihnen bei Ihren strategischen Studien weiterhin viel Erfolg!

(C) 2015 by Christian Düblin. Alle Rechte vorbehalten. Anderweitige Publikationen sind nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors gestattet.

______________________________
Links
- Institut für Strategische Studien
- Prof. Dr. Albert A. Stahel auf Wikipedia

Wollen Sie das nächste Interview nicht verpassen? Newsletter abonnieren

Eddie Murphy...

Richard Clayderman...

Richard Clayderman...

Charlie Chaplin...

Jon Lord...

Procure.ch

btools.ch

MAW Interim Management

Czwalina Consulting

 

Dennis Hopper...

Chi Coltrane...

Erich von Däniken...

Echoes of Swing

Praxishandbuch ...

Dennis Hopper...