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Monatsinterview Juli: Werner Messmer

 

Werner MessmerWerner Messmer, Jahrgang 1945, präsidiert seit 10 Jahren den Schweizerischen Baumeisterverband (SBV). Von 1999 bis 2011 war er in Bern als Nationalrat (FDP) tätig. Der Ostschweizer Unternehmer und diplomierte Baumeister schaut auf eine interessante Karriere zurück. Durch klare Statements in Bezug auf politische Ereignisse und Herausforderungen hat er sich über die Parteien hinweg Respekt und Ansehen verschafft. Messmer spricht eine klare Sprache und ist mehr als andere fähig, Menschen zusammenzubringen und weitsichtige Ziele zu verfolgen. Das zeigen auch seine Verdienste für den SBV und damit für die Schweizer Bauwirtschaft. Sie dürfen als Meisterleistung betrachtet werden. Im Interview mit Christian Dueblin spricht Werner Messmer über sein Leben, über Menschen und Umstände, die ihn geprägt haben und zeigt auf, was in der Schweiz an politischen Entscheiden ansteht. Der bekennende Christ Messmer stellt fest, dass uns eine Rückbesinnung auf unsere christliche Kultur, und damit auch auf gemeinsame Ethik- und Moralvorstellungen, gut tun würde. Der Stimmbürger dürfe nicht alles dem Staat überlassen, der alles mit Gesetzen und Vorschriften regeln soll. Stimmbürger müssten vermehrt darauf achten, zwischen Persönlichkeiten, die inhaltlich argumentierten und anderen, die Emotionen schürten, zu unterscheiden. Wo wirtschaftlicher Erfolg zu verzeichnen sei, müssten wir auch negative Nebenerscheinungen in Kauf nehmen und im Umgang mit ihnen auf allzu grosse „Emotionalitäten“ verzichten. Verfolgen Sie ein tiefgehendes Gespräch mit einer politischen und unternehmerischen Schweizer Persönlichkeit.

Christian Dueblin: Sehr geehrter Herr Messmer, Sie haben in den vergangenen Jahren sehr viel bewegt und scheinen die liberale Schweiz in einem ganz besonderen Masse zu verkörpern. Sie bekennen sich öffentlich zu einem traditionellen Familienbild, zu christlichen und ethischen Wertvorstellungen und haben sich dezidiert zu Schule, Bildung und Sozialstaat geäussert. Sogar Herr Klaus J. Stöhlker scheinen Sie und Ihr berufliches und politisches Werk zu beeindrucken. Auf seiner Website erhalten Sie persönlich Lob von ihm, was nicht jeder Politiker und Unternehmer in der Schweiz sagen kann. Was hat Sie zu dem Menschen und zu der Persönlichkeit gemacht, die Sie heute sind? Mit anderen Worten, wer ist Werner Messmer?

Werner Messmer: (Lacht) Es sind nicht Zufälle, die einen zu dem machen, was man ist. Jeder Mensch ist bis zu einem gewissen Grad selber verantwortlich für das, was er ist. Das ist meine liberale aber auch christliche Überzeugung. Man wächst als Kind in eine Familie hinein. Das ist der erste prägende Schritt, den ein Mensch macht. Er ist von allergrösster Bedeutung. Ich selber bin in eine sehr traditionelle schweizerische Familie hineingeboren worden, habe eine christliche Erziehung erlebt und hatte einen sehr patriarchalischen Vater. Er hat damals ein eigenes Geschäft aufgebaut und eine spannende Karriere gemacht. Dabei wurde er von meiner Mutter unterstützt, die sich um die familiären Belange kümmerte und ihm somit für andere Interessen den Rücken frei hielt.

Ich wuchs in Riedt auf und meine Kindheit wickelte sich zwischen Bauernhöfen und Feldern ab - geerdet und nicht abgehoben. Mir wurde früh bewusst, was der Einsatz von Menschen bewirken konnte, natürlich auch am Beispiel meines Vaters. Sein beruflicher und politischer Erfolg haben mich sehr beeindruckt, trotz der vielen Differenzen und Auseinandersetzungen, die es zwischen uns gab.

Später sind Sie der FDP beigetreten und avancierten zum Nationalrat. Was hatte Ihr Vater, ebenfalls Mitglied der FDP, und Ihre Familie für einen politischen Einfluss auf Sie und Ihre Denkweise?

Ich bekam von meinen Eltern schon sehr früh mit, dass es mir in der Familie nur gut gehen kann, wenn es den anderen Familienmitgliedern auch gut geht und mir wurde früh klar, dass das in einem Staat nicht anders sein kann. Diese Erkenntnis hat sich darum auch auf meine Arbeit und meine politischen Tätigkeiten ausgewirkt. Sie basiert natürlich auch auf christlichen Wertvorstellungen, die ich in mir trage. Zudem ist mir schon sehr früh klar geworden, dass das Geld nicht einfach so kommt und es Menschen nicht einfach so, ohne etwas zu tun, zu Wohlstand bringen. Wohlstand und Arbeit sind eng miteinander verknüpft. Oft frage ich mich heute, wer diese Zusammenhänge unseren Kindern erzählt.

Sie haben einen ganz ähnlichen Werdegang, wie Ihr Vater: derselbe Beruf, Unternehmer, Verbandspräsident und Nationalrat, um nur einige Gemeinsamkeiten aufzuzählen. Was denken Sie, unterscheidet Sie heute zu Ihrem Vater und seiner Weltanschauung?

Das ist erstaunlich! Trotz den vielen Spannungen zwischen ihm und mir habe ich später praktisch das gleiche gemacht wie er. Der Unterschied besteht wohl darin, dass ich zwar das gleiche mache, wie er es tat, aber auf eine ganz andere Art und Weise. Man lernt ja erfahrungsgemäss am meisten aus den eigenen Fehlern. Jede Generation sollte versuchen, von der Vorgeneration zu lernen, indem man das, was man für falsch hält, quasi herauszieht und seinen eigenen Weg geht. Ich habe das sehr extrem gemacht. Mein Vater ging sehr patriarchalisch und autoritär vor. Ich würde ihn sogar als diktatorisch und oft auch als kompromisslos beschreiben. Das wirkte sich natürlich auch auf die Familienführung aus. Ich selber wollte nicht, dass mich meine Kinder als Chef und Patriarch erleben, sondern als Freund.

Heute haben Sie sehr viel Erfahrung, kennen die Schweiz, auch ihre Wirtschaft, kennen die Generation Ihres Vaters und natürlich ihre eigene Generation sowie die Generation Ihrer vier Kinder. Welches sind die neuen Herausforderungen der Generationen, die Ihnen nun folgen werden?

Wir müssen für einen liberalen Staat sorgen. Das ist die beste Basis für die Entwicklung einer freien Gesellschaft. Diese Einstellung war in der Generation meines Vaters und meines Grossvaters noch vehementer vertreten worden als heute. Wir gehen heute gar in eine andere Richtung und immer wieder passiert es, mit ganz kleinen Schritten, dass der liberale Staat abgebaut wird, was ich mit Sorge betrachte. Die Motivation, sich politisch zu engagieren nimmt weiter merklich ab. Es scheint mehr als in früheren Generationen der Fall zu sein, dass sich Menschen primär, und oft auch nur, um ihr eigenes Hemd kümmern, das ihnen am nächsten ist. Natürlich muss es zuerst mir gut gehen, damit ich mich auch für andere richtig einsetzen kann, das ist keine Frage. Aber wenn es mir gut geht, muss ich aktiv werden und etwas weitergeben. Das gilt auch für die Wirtschaft. Der heutige beschriebene Trend führt zu Entflechtung von Wirtschaft und Staat. Das Allgemeinwohl rückt in den Hintergrund, was mir für die kommenden Generationen grosse Sorge bereitet.

Als Unternehmer und Politiker geniessen Sie, das zeigen viele Aussagen über Sie, eine grosse Glaubwürdigkeit. Nun ist aber festzustellen, dass Unternehmer auf dem politischen Parkett stark untervertreten sind. Viele Politikerinnen und Politiker sind in Lehrberufen tätig, Beamte, Bauern, Juristen oder Vertreter von Verbänden und Lobby-Institutionen. Worauf ist das zurückzuführen?

Ich bin der Meinung, dass wir sehr viele glaubwürdige Unternehmer und Unternehmerinnen in der Schweiz haben, die politisch viel beitragen könnten. Die meisten Menschen in der Schweiz arbeiten in KMUs, also in Unternehmen mit unter 200 Mitarbeitenden. Diese Unternehmen werden von Menschen geführt, die grosse Leistungen erbringen, zusammen mit den Mitarbeitenden. Leider sind diese Unternehmerpersönlichkeiten, wie Sie richtig feststellen, heute im Parlament absolut untervertreten. Sie sind sehr mit sich selber und ihren Unternehmen beschäftigt und sie haben sich in den letzten zwanzig Jahren immer mehr aus der Politik zurückgezogen. Dabei haben andere ihren Platz eingenommen. Der Rückzug der Unternehmer aus der Politik ist gerade für die Schweiz ein starker Rückschritt. Politik sollten nicht einfach die anderen machen und man sollte sie schon gar nicht Menschen überlassen, die inhaltlich nichts zu bieten haben oder nur an sich selber interessiert sind.

Wie würden Sie den Zustand der Schweiz heute ganz generell beschreiben?

Es geht uns in der Schweiz nach wie vor sehr gut und wir leben auf einem Niveau, wie es keine anderen Menschen auf der Welt können. Wann waren wir in der letzten Zeit von sozialen Spannungen heimgesucht worden, wann waren unsere Arbeitslosenzahlen hoch oder wann waren wir in einen Krieg verwickelt? All das hat es in der Schweiz in den letzten Jahrzehnten nicht gegeben. Das führt dazu, dass viele Diskussionen heute auf einem sehr hohen, ich würde sagen gar luxuriösen, Level stattfinden und man möglicherweise gewisse Tendenzen, die sich bemerkbar machen, nicht mehr erkennt.

Was sind das für Tendenzen, die Sie feststellen?

Die Einstellung, nicht auf andere Menschen angewiesen zu sein und einfach das tun zu können, was einem gerade entspricht und weiterbringt, ist ein neueres Phänomen. Es hat diese Einstellung in den letzten Generationen in diesem Ausmass nicht gegeben. Diese Tendenz hat dazu geführt, dass sich immer weniger Menschen in einer Gemeinde engagieren oder sich für Gemeinnütziges einsetzen wollen. Viele Menschen sind heute dermassen mit sich selber und mit ihrer eigenen Entwicklung beschäftigt, dass sie gar nicht mehr richtig verstehen können, dass ihr Wohlstand und ihr Wohlbefinden unmittelbar mit der Gesellschaft verkoppelt sind. Das gilt im Übrigen auch für viele Politikerinnen und Politiker sowie für Parteien. Dieses nur noch an sich denken, darf auch durchaus als Egoismus bezeichnet werden. Er prägt auch die Erziehung einer ganz neuen Generation, die heute heranwächst und wir wissen noch nicht, wohin das führen wird. Diese Tendenz führt im Übrigen dazu, immer mehr dem Staat überlassen zu wollen, der es dann schon richten soll.

Wirkt sich der Wohlstand, den wir in der Schweiz zweifelsohne haben, Ihres Erachtens negativ auf die Schweiz, ihre Wirtschaft und Gesellschaft aus?

Ich sehe, dass es Menschen offensichtlich nur wohl ist, wenn es möglichst allen Menschen nicht besser, aber auch nicht schlechter, geht als einem selbst. Wir sind eine Exportnation. Wir können beispielsweise in der Baubranche, für die ich seit Jahrzehnten tätig bin, nur erfolgreich sein, wenn der Export, und somit die Wirtschaft, funktioniert. Funktioniert der Export nicht mehr oder weniger gut, so leidet schliesslich auch die Bauwirtschaft. Die Schweiz kann mit einer Wohlstandseinbusse leben. Das wäre meines Erachtens auch nicht so schlimm. Nur sollte es nicht so weit kommen, dass wir Verhältnisse haben, wie im angrenzenden Ausland mit Arbeitslosenquoten über 10% und bei Jugendlichen bis über 50%. Die Schweiz hat in den letzten sechs Jahren rund eine halbe Million Arbeitsplätze geschaffen. Das hat kein anderes Land in dieser Zeit hinbekommen und das ist eine unglaubliche Leistung. Das war nur möglich, weil die Schweiz auch Ausländerinnen und Ausländern ins Land gelassen hat. Die Hälfte der neuen Arbeitsplätze ist aber Schweizerinnen und Schweizern zu Gute gekommen. Deshalb haben wir eine sehr tiefe Arbeitslosenquote. Nun können wir aber, entgegen der Meinung einiger Politiker, nicht den Fünfer und das Weggli haben.

Der Umgang mit Problemen, die auch der Erfolg mit sich führt, ist nicht einfach. Man kann die Probleme auf der grossen Welle des Erfolges politisch missbrauchen. Was haben Sie diesbezüglich als Nationalrat für Erfahrungen gemacht?

Ein Wirtschaftswachstum ist immer auch mit Unannehmlichkeiten verbunden, die man in Kauf nehmen muss. Ich denke dabei an Sozialschmarotzer, überlastete Autobahnen, volle Züge und vielleicht auch an Abzocker. Es ist einfach nicht möglich, immer nur das Gute zu bekommen, ohne auch mit dem Schlechten und Negativen leben zu müssen. Wir müssen also lernen, uns nicht nur auf das Negative zu konzentrieren. Das tun viele Politiker und Politikerinnen mit vielen Emotionen, die bei der Stimmbevölkerung ankommen und ihre Verhaltensweise beeinflussen. Wir müssen auch Menschen eine Chance geben, die in unserem System durchs Raster fallen. Wir können junge Menschen, die eine normale Lehre nicht schaffen oder nicht angehen können nicht einfach aus der Gesellschaft ausgrenzen. Darum habe ich mich in der Baubranche für die sogenannte „Anlehre“ eingesetzt. Sie bietet diesen Menschen eine Chance, überhaupt ins Berufsleben einsteigen zu können. Wo die Arbeitslosenquote heute bei 30, 40 und gar 50% liegt, ist nicht abzusehen, was mit dieser verlorenen Generation noch alles geschehen wird. Die jungen Menschen wachsen in einer Welt auf, in der sie sich wohl gar nicht entwickeln können. Darum muss es oberstes Ziel auch der Schweiz sein, die Arbeitslosenquote möglichst tief zu halten. Was in Spanien und Griechenland passiert, ist für die Gesellschaft ein absoluter Horror. Die sozialen Spannungen in diesen Ländern werden dramatisch steigen.

Was sind Ihres Erachtens die nötigen Voraussetzungen, dass es in der Schweiz nicht zu solchen Spannungen kommen wird?

Mir ist in Bern enorm aufgefallen, wie Menschen vor lauter Machtspielen und auf der Suche nach eigenen Vorteilen den Überblick über das Ganze verlieren. In den 12 Jahren in denen ich im Nationalrat war, fiel mir auf, dass immer mehr Menschen nur auf Erfolg ausgerichtet sind, was oft mit starkem Opportunismus verkoppelt ist. Parteien und einzelne Politiker kommen immer mehr in den Teufelskreis rein, Vorstösse zu machen, die der Wählerschaft gefallen könnten, nur um Stimmen zu erzielen. So kommt es, dass Ziele angepeilt werden und Wege eingeschlagen werden, die für das Land gar nicht optimal sind, aber für die eigene Partei und für sich selber zum vermeintlichen Erfolg führen. Es gibt Parteien, die das sehr ausgeprägt machen, andere machen das weniger ausgeprägt.

Wie kann man das ändern?

Meines Erachtens geht das nur mit starken Führungspersönlichkeiten und Vorbildern. Der Stimmbürger muss aufmerksam sein und Interesse haben für das, was vor sich geht. Er darf nicht jedem Schaumschläger seine Stimme geben, nur weil dieser sich auf emotionale Art an eine breite Masse wendet. Ein mündiger Stimmberechtigter muss wissen, dass Wohlstand auch Negatives mit sich bringt, mit dem man umgehen können muss. Es braucht also Menschen, die bereit sind, auch gegen den Strom zu schwimmen. Es fragt sich, ob sich die sogenannten Mitte-Parteien nicht irgendwann zusammenschliessen sollten…

…wie beispielsweise eine CDU in Deutschland…

Ja, genau so. Es geht darum, zu verhindern, dass zu viele etwas vom Kuchen wollen und dabei eben die Inhalte, die die Parteien interessieren sollten, in den Hintergrund treten, weil die Parteien ständig um Stimmen buhlen müssen und sich gar nicht mehr um die Belange unseres Landes kümmern können. Das erschwert vor allem Politikerinnen und Politikern, die nachhaltige Ziele verfolgen, das Leben ungemein. Die Interessen der Schweiz, damit meine ich unsere Gesellschaft, die Wirtschaft und die Politik müssen höher bewertet werden, als andere Interessen.

In den letzten Jahren haben Sie sich immer wieder als Christ zu erkennen gegeben und von christlichen Werten gesprochen. Was hat der Glaube für Sie für eine Bedeutung, auch in der Politik?

Der Einfluss von Religion ist oft viel grösser, als man wahr haben will. Es wird mit Religion auch viel Unfug getrieben. Die Schweiz ist von einer christlichen Kultur geprägt. Ich selber bin überzeugt, dass das Christentum auch in Zukunft ein gemeinsamer Katalysator für die Schweiz als Staat sein kann. Das Christentum vereinigt viele Tugenden und Werte, von denen wir gesprochen haben. Damit eine Gesellschaft vorwärtskommt, braucht es ein gesundes Mass an gemeinsamen Grundsätzen, insbesondere in Bezug auf Moral und Ethik. Wir haben über Menschen gesprochen, die aufgrund von Steuereinsparnissen ihrem Heimatkanton den Rücken kehren. Aus meiner Sicht ist das moralisch und ethisch nicht vertretbar und entspricht in keiner Weise einem christlichen Verhalten, das von Respekt und Nächstenliebe gezeichnet sein sollte. Würden Menschen christliche Werte erkennen und nach diesen Werten leben, bin ich überzeugt, bräuchte es in unserer Gesellschaft viel weniger Gesetze und Verordnungen, auch in Bezug auf diese Steuerflüchtlinge, wie ich sie nenne.

Diese Menschen suchen den finanziellen Erfolg. Dieser scheint so sehr zu überwiegen, dass man auch den Ausschluss aus der Gesellschaft in Kauf nimmt. Wie kann man christliche Werte und Erfolg auf eine gesunde Art und Weise auf eine Reihe bekommen?

Wenn ich den Erfolg, auch den finanziellen Erfolg, als Kernziel für das, was ich mache, sehe, hat sich alles, was ich mache, nur noch diesem Erfolg unterzuordnen. Das führt dazu, dass es nicht mehr darauf ankommt, was stimmt und was nicht. Wahrheit und Ehrlichkeit - übrigens auch christliche Tugenden – spielen dann keine Rolle mehr. Es kann nicht sein, dass jedes Mittel recht ist, um gewisse Ziele erreichen zu können, auch finanzielle Ziele. Das führt dazu, dass Ziele erreicht werden, die schliesslich als unmoralisch und unethisch bezeichnet werden müssen und auf Lügen basieren. Agieren wir so, so fängt unsere Gesellschaft an, auseinanderzufallen. Das Christentum steht für mich auch dafür, dass der Erfolg nicht das einzige Ziel sein muss. Bin ich fähig, mich als Mensch nicht mehr nur meinen Kernzielen unterzuordnen, so fängt das Zusammenleben an. Davon bin ich zutiefst überzeugt.

Sehr geehrter Herr Messmer, was wünschen Sie sich selber für die Zukunft und für die Zukunft der Schweiz?

Meine persönlichen Wünsche werden immer einfacher. Ich werde nächstes Jahr als Präsident des SBV zurücktreten und hoffe, dass wir meine Nachfolge richtig regeln können. Es gibt nichts schöneres, als wenn man eine gut gewachsene Organisation am Ende seiner Karriere einem Menschen übergeben kann, von dem man weiss, dass er sie weiter führen und gedeihen lassen wird.

Ich selber möchte mich für die Gesellschaft engagieren, vielleicht auch im humanitären Bereich. Ich brauche kein weiteres Einkommen mehr, muss also nicht mehr verdienen, stelle mir aber vor, zu Diensten zu stehen und anderen Menschen weiterzuhelfen, die vielleicht nicht so privilegiert waren wie ich. Ich freue mich auch darauf, wieder mehr zuhause sein zu können und manchmal kommt es mir so vor, als würden sich die Lebenskreise wieder schliessen, wenn ich wieder kleine Brötchen backe. So habe ich auch angefangen, als Aktuar, Kassier, Mitglied von Vereinen in einem Dorf, und dort führt mein Lebensweg nun langsam wieder hin.

Für die Schweiz wünsche ich mir, dass sich mehr „Gewerbler“ bewusst werden, dass es sie für die Politik in der Schweiz braucht. Wir haben eine der grössten KMU-Dichten auf der Welt und ein grosser Teil unseres Wohlstandes hat mit den vielen Unternehmerinnen und Unternehmern zu tun, die in der Schweiz arbeiten und Arbeitgeber sind. Ich würde mir sehr wünschen, dass diese Menschen sich auch vermehrt politisch einbringen, im Wissen darum, dass die Gratwanderung zwischen eigenem Unternehmen und Politik oft schwierig ist, weil Politisieren auch sehr viel Zeit braucht. Gelingt es der Schweiz, zusammen einen Weg zu finden, indem wir zugunsten eines gemeinsamen Weges auf gewisse Sachen, die einem wichtig sind, verzichten, so wird das zu einer gesicherten Zukunft führen.

Sehr geehrter Herr Messmer, ich bedanke mich herzlich für dieses Gespräch und wünsche Ihnen weiterhin alles Gute!

(C) 2013 by Christian Düblin. Alle Rechte vorbehalten. Anderweitige Publikationen sind nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors gestattet.

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Links
- Nationalrat Werner Messmer
- Werner Messmer auf Wikipedia
- Schweizerischer Baumeisterverband


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